Umbau bei Schweizer Großbank: UBS streicht 10.000 Stellen

Von Martin Hesse

Die UBS verschärft ihren Sparkurs deutlich: Die Schweizer Großbank will etwa 10.000 Stellen abbauen. Durch den Umbau des Geldhauses sollen wesentliche Teile des Investmentbanking abgespalten und abgewickelt werden.

Schweizer Großbank UBS: Neuer Plan zum Umbau Zur Großansicht
AFP

Schweizer Großbank UBS: Neuer Plan zum Umbau

Frankfurt am Main - Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber, der heute den Verwaltungsrat der UBS führt, und UBS-Vorstandschef Sergio Ermotti bauen die Schweizer Großbank radikal um. An diesem Dienstag wird Ermotti Quartalszahlen für das größte Schweizer Geldhaus präsentieren und zugleich Pläne vorlegen, die nach SPIEGEL-Informationen bis 2015 voraussichtlich zum Abbau von etwa 10.000 Stellen führen. Derzeit sind rund 63.000 Menschen bei der UBS beschäftigt.

Ermottis und Webers Masterplan geht deutlich weiter als bisher bekannt und wird von den Großaktionären der UBS wie dem Staatsfonds von Singapur mitgetragen, wie es in Bankenkreisen heißt. Wesentliche Teile des Investmentbanking sollen demnach abgespalten und abgewickelt werden. Dabei geht es um Vermögenswerte von mehr als 100 Milliarden Franken.

Besonders betroffen sind der Anleihen- und Derivatehandel, die nach neuen Vorschriften besonders viel Kapital binden. In anderen Bereichen will die Bank dagegen stark wachsen. Künftig will sich die UBS im Investmentbanking auf Bereiche konzentrieren, die wenig Kapital brauchen, beratungsintensiv sind und das Kerngeschaeft unterstützen: Die Vermögensverwaltung und das Geschäft mit Privatkunden. Langfristig sollen die Kosten bei der UBS deutlich sinken. Der Aufwand für den Umbau geht in die Milliarden.

Operativ wird die UBS dagegen gute Zahlen präsentieren, vermutlich das beste dritte Quartal seit Jahren. Die Bank steckt seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 in der Krise und musste vom Schweizer Staat gestützt werden. Mittlerweile hat sich die UBS erholt, will aber weiter schrumpfen, um sich auf das neue regulatorische Umfeld einzustellen. Deutschland ist von dem Stellenabbau kaum betroffen, besonders viele Jobs fallen in London, New York und in der Schweiz weg. Hunderte von Kündigungsschreiben hat die UBS bereits verschickt. Auch Führungskräfte werden gefeuert, die Co-Chefs des Investmentbanking, Carsten Kengeter und Andrea Orcel, bleiben jedoch an Bord. Kengeter wird die interne Abwicklungseinheit leiten.

Anfang Oktober hatte der "Schweizer Tages-Anzeiger" berichtet, dass UBS rund 2000 Stellen in der Informationstechnik abbauen will. In der Computerabteilung der Großbank seien demnach jährliche Einsparungen von mehr als einer Milliarde Schweizer Franken, umgerechnet rund 825 Millionen Euro, geplant.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Wololooo 28.10.2012
Zitat von sysopDie UBS verschärft ihren Sparkurs deutlich: Nach SPIEGEL-Informationen will die Schweizer Großbank etwa 10.000 Stellen abbauen. Durch den Umbau des Geldhauses sollen wesentliche Teile des Investmentbanking abgespalten und abgewickelt werden. Schweizer Großbank: UBS streicht 10.000 Stellen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/schweizer-grossbank-ubs-streicht-10-000-stellen-a-863866.html)
2000 Stellen in der IT-Abeilung. Da bin ich ja mal gepannt, wie viele neue Daten-CDs es da geben wird. Übrigens eine Frechheit bei gut laufenden Geschäften 1/6 der Belegschaft vor die Tür zu setzen. Sehr wahrscheinlich werden die Vorstandsboni um den eingesparten Betrag erhöht, für die tolle Leistung...
2. Hellseher
sabine_26 28.10.2012
Sehr gut! Die "Hellseher" werden entsorgt. Sehr gut für die Gesellschaft, dass jetzt 10.000 Menschen in produktiven Branchen unterkommen. Jetzt noch die Steuerberater durch einfachere Gesetze usw. - Wir werden produktiver - ist eine gute Nachricht.
3. Endlich, endlich ...
sagmalwasdazu 28.10.2012
...trifft der Arbeitsplatzverlust einmal zumindest die Handlanger und Stiefelknechte der abzockenden Bankster ! Wünsche Euch ob dieser für mich Hurrameldung ein " frohes Fest ",- auch ich erhielt meine Kündigung um diese Jahreszeit. Mein Sonntag ist versüßt.
4.
ripl 28.10.2012
Damit werden also 10.000 Mitarbeiter aus staatlich überwachten und teilweise regulierten Finanzbereichen in die diffusen Zonen des Finanzmarktes verschoben. Klevere Methode der UBS, dass muss man ihr lassen! Werden andere "klassische" Banken wohl auch so machen oder haben es bereits.
5. Einsicht durch Rechnen?
kulinux 28.10.2012
Hat man bei der UBS evtl. nachgerechnet und eingesehen, dass eine Sparte, die seit 2005 ca. 44 Mrd. $ Verlust gemacht und zugleich über 30 Mrd. (!!) $ Boni kassiert hat, sich für eine Bank auf die Dauer "nicht lohnt"?? Aber die Entlassung der IT-Leute wird lustig: Da kann Schäuble sein Stuerabkommen erst recht vergessen: Die Preise für CDs mit Daten von Steuerhinterziehern werden radikal einbrechen. Ich freu mich drauf! (Auch wenn es für einige der UBS-Angestellten sicherlich eher unbequem wird. Aber ihnen ging es jahrelang wirklich gut, während andere abstürzten. "Sellerie!", wie die Franzosen sagen, oder? …*Nur dass die wirlich Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, also die, die jahrelang die fettesten Gehälter und Boni für ihre "schwere, schwere" Verantwortung kassierten, DAS würde mich als UBS-Angestellten "etwas" wurmen … vielleicht sollte man denen mal ganz privat einen Besuch abstatten, so mit 10'000 Leuten …?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema UBS
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 47 Kommentare