Ermittlungen in der Schweiz Banken sollen Wechselkurse manipuliert haben

Der Bankenwelt droht der nächste Sandal. Großinstitute stehen unter dem Verdacht, Devisen-Wechselkurse manipuliert zu haben. Ein Marktbeobachter spricht vom "Wilden Westen".

Patrick Raaflaub, Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht: Parallelen zum Libor-Skandal?
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Patrick Raaflaub, Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht: Parallelen zum Libor-Skandal?


Bern/Wien - Nach den Manipulationen des Leitzins Libor gibt es Anzeichen für den nächsten Skandal. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) untersucht, ob heimische und internationale Banken die Devisen-Wechselkurse beeinflusst haben. Ermittelt werde bei mehreren Schweizer Finanzinstituten, teilte die Finma am Freitag mit. Welche Banken konkret von der Untersuchung betroffen sind, blieb zunächst offen.

Die Finma arbeite eng mit ausländischen Behörden zusammen, da international eine Vielzahl von Banken potentiell betroffen sei, hieß es. Europäische Großbanken wollten sich zunächst nicht zu den Ermittlungen äußern. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wollte die Untersuchungen nicht kommentieren.

Die österreichische Finanzmarktaufsicht ermittelt nach Angaben eines Sprechers nicht. Eine Sprecherin der britischen Finanzaufsicht FCA erklärte am Freitag: "Wir wissen von den Untersuchungen der Schweizer Behörden." Bereits im Sommer hatte die FCA mitgeteilt, dass sie Berichten über Manipulationen bei der Festlegung von Währungs-Referenzkursen nachgehe.

In den vergangenen Monaten soll es bereits in anderen Ländern Hinweise gegeben haben, dass Devisenkurse manipuliert worden sein könnten, berichtete die Schweizerische Depeschenagentur SDA. Die Untersuchungen sollen offenbar vor allem internationale Großbanken betreffen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte bereits im Juni über mögliche Manipulationen im Devisenmarkt berichtet. Die Agentur berief sich damals auf mehrere Personen, zum Teil aktive oder ehemalige Devisenhändler. Ein Marktbeobachter sagte Bloomberg: "Der Markt für Fremdwährungen ist wie der Wilde Westen." Schätzungen zufolge werden täglich Devisen im Wert von mehr als fünf Billionen Dollar gehandelt. Der Markt für Fremdwährungen gilt im Finanzsystem als der am weltweit wenigsten regulierte.

Manipulation über zehn Jahre?

Nach Informationen der Nachrichtenagentur haben die Währungshändler die täglichen Manipulationen über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren betrieben. Händler hätten Informationen über große Devisengeschäfte ihrer Kunden genutzt, um im Vorfeld der Abwicklung auf eigene Rechnung Gegengeschäfte zu machen. Dabei könnten sie auch die für andere Markteilnehmer wichtige Bildung von Wechselkursen beeinflusst haben, an denen sich zum Beispiel Fondsmanager und Indexanbieter orientieren. Laut Bloomberg wird der Markt von vier großen Banken dominiert. Auch die "Neue Züricher Zeitung" hatte über länger existierende Manipulationsgerüchte berichtet.

Die Bankenwelt stand zuletzt wegen der Manipulation des Libor-Zinssatzes in der Kritik. Barclays, die Royal Bank of Scotland und die UBS mussten bereits Bußgelder in Milliardenhöhe zahlen. Bei der Deutschen Bank erkannte die Finanzaufsicht Bafin nach einer Sonderprüfung zwar kein bewusstes Fehlverhalten im Top-Management, hieß es. Die Bafin rügte aber zu lasche interne Kontrollen. Die weltweiten Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

lei/Reuters/dpa

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