Reicher Fund Schweizer spülen Gold und Silber im Millionenwert ins Abwasser

In der Schweiz glänzt selbst der Klärschlamm: Massenweise Gold und Silber gelangen jährlich ins Abwasser des Landes, zeigt eine neue Studie. Teils könnte sich sogar die Rückgewinnung lohnen.

Gold in einer Schale
Christoph Seidler

Gold in einer Schale


Schatzsucher könnten im Schweizer Klärschlamm fündig werden. Kiloweise Gold und Silber im Wert von insgesamt 3 Millionen Schweizer Franken (2,6 Millionen Euro) werden jährlich ins Abwasser der Eidgenossen gespült. Das ergibt eine Analyse der Forschungsanstalt Eawag in der Schweiz.

In Schweizer Kläranlagen sammeln sich demnach aufs Jahr gerechnet allein 3000 Kilogramm Silber und 43 Kilogramm Gold, stellte das Institut fest. Ihr Wert belaufe sich auf jeweils rund 1,5 Millionen Franken (je 1,3 Millionen Euro). Dabei gehe es nicht um Schmuck wie Ringe und Ketten, die aus Versehen im Abfluss landeten. Vielmehr handelt es sich um Rückstände aus der Industrieproduktion, so die Forschungsanstalt.

An einzelnen Klärwerken im Tessin sei die Goldkonzentration im Klärschlamm so hoch, dass sich womöglich eine Rückgewinnung lohnen würde, so die Forscher. In der Gegend gebe es viele Goldraffinerien.

Silber im Abwasser stammt etwa aus der Chemie- und Pharmaindustrie und wird ebenso in der Hightech-Forschung und Entwicklung eingesetzt - alles Sektoren mit großer Präsenz in der Schweiz, sagte Studien-Hauptautor Bas Vriens.

Auch Seltene Erden und andere Metalle sowie Halbmetalle wurden in der Analyse im Abwasser nachgewiesen. Sie stammten vor allem aus der Hightech- oder Pharmaindustrie, heißt es. Tantal oder Germanium werde in elektronischen Bauteilen verwendet, Niob und Titan in Legierungen und Beschichtungen, Gadolinium in Kontrastmitteln und für Leuchtfarben.

Eine Forschergruppe um den Eawag-Umweltchemiker untersuchte 64 Schweizer Kläranlagen erstmals systematisch danach ab, welche Elemente in welchen Mengen mit dem gereinigten Abwasser abfließen oder mit dem Klärschlamm entsorgt werden. Die Studie wurde vom Bundesamt für Umwelt, BAFU, in Auftrag gegeben.

Gesundheitsgefährdend seien die Konzentrationen nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Bei den "neuen" Elementen sei aber auch noch nicht viel über die Giftigkeit bekannt, so die Forscher.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels wurde Gadolinium als Röntgenkontrastmittel genannt. Wir haben dies korrigiert. Das Element wird in Kontrastmitteln für Magnetresonanztomographie-Untersuchungen (MRT) verwendet.

kig/dpa

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