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25. Dezember 2012, 16:24 Uhr

Hightech-Metalle

China verlängert Produktionsstopp für Seltene Erden

Wegen seiner Preispolitik für Seltene Erden steht Monopolist China in der Kritik. Der größte Hersteller der begehrten Rohstoffe hat seinen Produktionsstopp nun um einen Monat verlängert - beklagt aber zugleich die mangelnde Wirkung der Maßnahme.

Peking - Baotou Steel, größter Produzent von Seltenen Erden in China, hat seinen vor zwei Monaten verkündeten Produktionsstopp um einen weiteren Monat verlängert. In einer Mitteilung an die Shanghaier Börse verkündet der Konzern am Dienstag, die Bergwerke in der Inneren Mongolei blieben weiterhin geschlossen.

Durch den Produktionsstopp der vergangenen zwei Monate habe der Markt für Seltene Erden zwar "eine leichte Erholung" erfahren. "Aber es gab keine grundlegende Umkehrung", beklagte der Konzern. Baotou Steel hatte am 23. Oktober angekündigt, praktisch all seine Werke, auch diejenigen in der östlichen Provinz Jiangxi, vorübergehend dichtzumachen.

China ist der weltgrößte Förderer Seltener Erden, es deckt 95 Prozent des weltweiten Bedarfs. Als Seltene Erden werden 17 chemische Elemente bezeichnet, die für die Industrie wertvolle Eigenschaften besitzen. Sie werden benötigt, um zum Beispiel Computer, Mobiltelefone, Batterien oder Flachbildschirme zu bauen. Auch in Windanlagen, Raketen und Elektroautos kommen sie zum Einsatz.

Chinas Quasimonopol auf Seltene Erden sorgt seit über einem Jahr für Konflikte mit seinen wichtigsten Handelspartnern. Um den Preisverfall zu stoppen, hatte Peking im August angekündigt, ein Fünftel der Produktionskapazitäten zu schließen. Dies mache China allerdings nur, um das eigene Monopol weiter auszubauen, bemängeln Kritiker.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua hob am Dienstag hingegen hervor, der Preis für Praseodymium-Neodymium-Oxide sei auf 300.000 Yuan (36.500 Euro) gefallen. Dies entspreche gerade einmal einem Viertel seines Höchstpreises im Vorjahr. Baotou Steel hatte im dritten Quartal 2012 nach eigenen Angaben einen Gewinnrückgang um fast 90 Prozent verzeichnet.

Niedrige Exportquote ist illegal

Die auf die Metalle angewiesene Industrie im Ausland haben der Regierung in Peking vorgeworfen, illegal die Exporte niedrig zu halten, um der heimischen Industrie Vorteile zu verschaffen. Ende März hatten die EU, die USA und Japan wegen der restriktiven Exportpolitik für Seltene Erden vor der Welthandelsorganisation verklagt: Mit Exportquoten, Zöllen und Mindestpreisen benachteilige China die globalen Abnehmer und verstoße damit gegen seinen Beitrittsvertrag zur WTO.

China wies die Vorwürfe stets zurück und erklärte, die Kontrollen dienten dazu, die Umwelt und Vorräte zu schonen. "Viele Länder haben Vorkommen an Seltenen Erden, man kann nicht allein von China erwarten, alle Vorräte bereitzustellen", sagte der neu ernannte Vorsitzende des Industrieverbandes, Gan Yong.

nik/afp

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