Düsseldorf - Der Skandal um eine Sexparty des Versicherungskonzerns Ergo hat eine überraschende Wendung genommen: Das Unternehmen erstattete Anzeige wegen versuchter Erpressung, wie die "Financial Times Deutschland" ("FTD") berichtet. Sie richtet sich demnach gegen einen international aktiven Geschäftsmann, einen Anwalt sowie einen weiteren Anwalt und Wirtschaftsprüfer. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigte den Eingang der Strafanzeige.
Laut "FTD" soll ein Streit über Abfindungen zwischen der Ergo und früheren Versicherungsvertretern eine Rolle spielen. Die Ex-Vertriebler verlangten bis zu 112 Millionen Euro, die jüngste Forderung soll noch bei 24 Millionen liegen. Ergo behauptet einen Zusammenhang zwischen dieser Auseinandersetzung und den aktuellen Veröffentlichungen, die das Image des Unternehmens spürbar beschädigt hatten. Bei den bekannt gewordenen Vorfällen ging es um eine Bordell-Reise nach Budapest, bei der das Unternehmen für Vertreter Prostituierte anheuerte, sowie um Fehler bei Riester-Policen zum finanziellen Nachteil der Kunden.
Die in der Strafanzeige beschuldigten Anwälte vertreten laut "FTD" ehemalige Ergo-Vertriebsleute, der Geschäftsmann hatte sich selbst als Vermittler in der Auseinandersetzung um die Abfindungen ins Gespräch gebracht. "Hier wird ein neues Geschäftsmodell von Berufsklägern ausprobiert", zitiert die Zeitung einen Kenner der Vorgänge.
Berufskläger provozierten früher Fehler auf der Hauptversammlung und drohten dann mit Anfechtungsklagen, um sich darauf mit dem Unternehmen auf Abfindungen zu einigen. Dieser Taktik ist der rechtliche Boden entzogen. "Jetzt geht das so, dass sich die Berufskläger an bestehende Forderungen von Mitarbeitern oder Geschäftspartnern anhängen, mit negativen Presseveröffentlichungen drohen und bei der Durchsetzung der Forderungen kräftig mitverdienen", sagte der Insider der Zeitung.
Andere Branchenkenner vermuteten hinter der Strafanzeige jedoch im Wesentlichen eine andere Motivation: Ergo wolle sich mit einem Befreiungsschlag von den negativen Enthüllungen der vergangenen Wochen lösen. Der beschuldigte Geschäftsmann sagte der "FTD", alle Vorwürfe versuchter Erpressung seien lächerlich. Die Anwälte lehnten unter Verweis auf laufende juristische Auseinandersetzungen Stellungnahmen ab.
fdi
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