München - SGL Carbon
ist derzeit eines der begehrtesten Unternehmen der Automobilindustrie. Nun hat der Wiesbadener Spezialist für den Leichtbau mit Kohlefasern einen neuen Interessenten angezogen: Am Freitag teilte der Autobauer BMW
mit, dass er 15 Prozent an SGL erworben hat.
Mit ihrem Einstieg bieten die Münchner dem Konkurrenten Volkswagen
die Stirn. VW war Anfang 2011 überraschend ebenfalls bei SGL eingestiegen, die Wolfsburger halten knapp acht Prozent. Skion, der Investmentgesellschaft von BMW-Großaktionärin
Susanne Klatten, gehören 28 Prozent. Damit verfügt die Erbin der Industriellenfamilie Quandt über eine Sperrminorität bei dem Kohlenstoffspezialisten, die ihr Einfluss bei künftigen Weichenstellungen sichert.
Trotz des BMW-Einstiegs plane Klatten keine Übernahme von SGL, teilte Skion mit. Es gebe keine Absprachen, die Entscheidung zur Beteiligung habe der BMW-Vorstand alleine getroffen.
BMW kooperierte bislang bereits mit dem Leichtbau-Unternehmen. Nachdem der SPIEGEL vor einem Monat über den bevorstehenden Einstieg beim Spezialisten berichtet hatte, stieg der SGL-Kurs um rund 20 Prozent in die Höhe. Am Freitagvormittag gewannen die Aktien weitere fünf Prozent.
"Hier wird auf einen Bieterwettbewerb zwischen BMW und VW spekuliert", sagte ein Analyst. "Aber das ist ein Machtkampf ohne wirtschaftliche Logik. Das Know-how zur Herstellung der Komponenten liegt nicht bei SGL, und die weltweite Produktionskapazität für Karbonfasern liegt deutlich über der Nachfrage." Für BMW könnte es billiger werden, eine Karbonfaserfabrik "auf der grünen Wiese" zu bauen, als sich auf einen Bieterwettbewerb einzulassen.
dab/dpa/Reuters
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