Kampf gegen Plastikmüll Share bringt erste voll recycelte Wasserflasche auf den Markt

Branchenriesen kündigen es seit Längerem an, das Berliner Start-up Share macht als erster deutscher Anbieter ernst: Mineralwasser in Flaschen, für die kein neues Plastik hergestellt werden muss.

Share-Gründer Sebastian Stricker
DPA

Share-Gründer Sebastian Stricker

Von und


Ein Berliner Start-Up bringt Wasserflaschen aus voll recyceltem Plastik auf den Markt. Optisch werden sich die Mineralwasserflaschen der Marke Share nicht von herkömmlichen PE-Flaschen unterscheiden. Auch wer genauer hinsieht wird aus dem Hinweis, dass die transparente Plastikflasche aus 100 Prozent recyceltem Material besteht, nicht unbedingt auf eine kleine Revolution im Handel schließen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 38/2018
Wie Horst Seehofer persönliche Krisen zu Regierungskrisen macht

Tatsächlich aber hat das erst im vorigen Jahr gegründete Start-up, dessen Wasser in rund 5000 Märkten von dm und Rewe bundesweit vertrieben wird, im Wettrennen um nachhaltigeres Wirtschaften damit einige Branchengrößen ausgestochen. Zuletzt hatte die Danone-Tochter Evian angekündigt, bis 2025 auf voll recycelte Flaschen umzustellen. Herkömmliche Flaschen bestehen aus einem Gemisch aus recyceltem und neu hergestelltem Material. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Share alleine werde durch den Schritt im kommenden Jahr 200 Tonnen Plastikmüll vermeiden, sagt Mitgründer Sebastian Stricker.

Es ist nicht der erste Überraschungscoup des Start-ups: Dass zwei große Handelsketten bisher bereits drei Produkt-Kategorien der bis dahin völlig unbekannten Marke zu deren Marktstart in ihr Sortiment aufnahmen, sorgte für Aufsehen.

Sharing-Economy wörtlich genommen

Share definiert sich als soziales Unternehmen, das nach dem "1+1"-Prinzip wirtschaftet: Für jedes verkaufte Produkt aus den bisher lieferbaren Kategorien Wasser, Bio-Riegel und Seifen geht jeweils eine Ration Essen, Trinken oder Hygieneartikel an Menschen in Not. Dieses Konzept, dass die Sharing-Economy wörtlich nimmt, haben die Berliner nicht erfunden, sie orientieren sich an Vorbildern wie "Toms Shoes" (Schuhe) und "Warby Parker" (Lesehilfen), die es schon länger praktizieren.

Nach dem ersten halben Jahr auf dem deutschen Markt berichtet Stricker von bisher insgesamt 4,8 Millionen verkauften Share-Produkten, für die sein Unternehmen mehr als eine Million Mahlzeiten und 300.000 Seifen gespendet und rund 20 Trinkwasserbrunnen modernisiert oder neu gebaut habe. Für seine "sozialen Interventionen" arbeitet Share mit Organisationen wie "Aktion gegen den Hunger" und der Berliner Tafel zusammen.

Zusammenarbeit mit Wasserlieferant

Ein Kritikpunkt der ersten Share-Kunden war die mangelnde Nachhaltigkeit der Verpackungen des Sozial-Start-ups. Die neue Wasserflasche, für die kein neues Plastik hergestellt werden muss, realisierten die Berliner zusammen mit ihrem Wasserlieferanten Allgäuer Alpenwasser.

Dessen Geschäftsführer Felix Schädler erklärt, die Mehrkosten pro Flasche lägen in der Herstellung bei bis zu 1,5 Cent, der Handelspreis werde aber stabil bleiben. "In einem Markt, in dem auf Rechtskommastellen kalkuliert wird, sind das Welten", sagt er.

Share plant derweil eine Erweiterung seines Sortiments - unter anderem soll es neue Produkte aus den Bereichen Zahnhygiene und Kleidung geben.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
napoleonwilson 14.09.2018
1. Share
Na super. Dann bin ich schon gespannt wieviele Hersteller die Flaschen bei dem Startup kaufen. Wenn man in 1 Monat Millionen Flaschen liefern muss, kann es fü4 ein Startup eng werden.
tomdabassman 14.09.2018
2. Chapeau!
Tolle Sache, auch wenn das im Moment natürlich kein Tausendstel des Gesamtverbrauchs bedeutet. Was leider fehlt, sind die Flaschen im Sinne eines theoretisch unendlichen Kreislaufs selbst wieder recyclebar?
pixeldrain 14.09.2018
3. Was ist daran ökologisch?
Es gibt Glasflaschen. Man muss kein Wasser aus dem Allgäu in Berlin verkaufen; auch nicht als gute Tat verkleidet. Grüße.
frenchie3 14.09.2018
4. Mal sehen wann die anschleichen,
die "ist doch alles nur Werbung" und so. Bei guten Ideen ist es ungeschickt ein Forum zu öffnen
kabian 14.09.2018
5. Scharlatanerie gibt es immer wieder
Zitat von pixeldrainEs gibt Glasflaschen. Man muss kein Wasser aus dem Allgäu in Berlin verkaufen; auch nicht als gute Tat verkleidet. Grüße.
Genau so ist es. Dazu kommt noch das der Rücktransport, das ausspülen und einstellen, Zeit und Energie verbraucht. "Recyceln" und auch Wiederbefüllung von Kurstoffbehältern halte ich für ein extrem schwieriges Unterfangen, zumindest wenn damit die Umwelt geschont werden soll. Da will mal wieder jemand schnelles Geld machen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.