Energiebranche Shell verkündet 70-Milliarden-Dollar-Übernahme

In der Energiebranche bahnt sich die größte Fusion seit mehr als zehn Jahren an. Der Ölmulti Shell will die britische Gasfirma BG übernehmen - für rund 70 Milliarden Dollar.

Shell-Tankstelle: Der Ölmulti kann den Abstand auf ExxonMobil verringern
REUTERS

Shell-Tankstelle: Der Ölmulti kann den Abstand auf ExxonMobil verringern


Im internationalen Öl- und Gasgeschäft dürfte es demnächst einen neuen Riesenkonzern geben. Der niederländisch-britische Konzern Shell Chart zeigen gab am Mittwoch bekannt, man wolle die britische Gasfirma BG Group übernehmen. Der Kaufpreis soll bei 47 Milliarden Pfund (rund 70 Milliarden Dollar) liegen. Darauf hätten sich beide Seiten geeinigt. Shell will in bar und in Aktien zahlen. Zuvor hatten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg über die sich anbahnende Mega-Übernahme berichtet.

Der anstehende Zusammenschluss ist die erste Megafusion in der Branche seit mehr als zehn Jahren. Damals war es in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zu den Übernahmen von Amoco und Arco durch BP gekommen, Exxon hatte Mobil übernommen, und Chevron Chart zeigen hatte sich mit Texaco zusammengeschlossen.

Mittlerweile ist das Marktumfeld ähnlich schwierig wie kurz nach der Jahrtausendwende. Wegen des Fracking-Booms in den USA und der Entscheidung Saudi-Arabiens, die Fördermenge nicht zu drosseln, haben sich die Rohölpreise seit vergangenem Sommer halbiert.

Die BG Group steht seit Monaten unter Druck: Schwindende Gasreserven in Ägypten und die niedrigen Ölpreise bereitem dem Unternehmen Probleme. Im vierten Quartal 2014 hatte es fünf Milliarden Dollar abschreiben müssen, so viel wie noch nie. Grund war vor allem der Verkauf von Gas-Leitungen in Australien. Das Unternehmen hat sich ambitionierte Wachstumsziele gesetzt. Es betreibt zahlreiche milliardenschwere Projekte in Brasilien, Ostafrika, Australien, Kasachstan und Ägypten.

An der Börse wird BG derzeit mit rund 42,5 Milliarden Euro bewertet, Shell mit 186,5 Milliarden Euro. Der geplante Zusammenschluss wird den Abstand von Shell zum Branchenführer ExxonMobil verringern, der mit gut 330 Milliarden Euro bewertet wird.

stk/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 8 Beiträge
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Crossi71 08.04.2015
1. Warum?
Warum will Shell etwas für 70 Mrd kaufen, was nur 42Mrd wert ist und auf einem absteigenden Ast? Wer kauft mein gebrauchtes Auto zum doppelten Neuwagenpreis? Mist, niemand!
Badischer Revoluzzer 08.04.2015
2. RU darf an Europa
kein Gas mehr liefer. Was liegt näher, als die Übernahme eines Gasproduzenten in Europa. Damit dürfte klar sein, daß Gazprom aus dem Europa-Geschäft komplett draußenist und keine Konkurrenz mehr in Europa darstellt.
boingdil 08.04.2015
3. Oh Mann....
Zitat von Crossi71Warum will Shell etwas für 70 Mrd kaufen, was nur 42Mrd wert ist und auf einem absteigenden Ast? Wer kauft mein gebrauchtes Auto zum doppelten Neuwagenpreis? Mist, niemand!
Jedes Ding ist wert, was sein Käufer bereit ist dafür zu zahlen - so einfach ist es. Gerade bei Börsenkursen führt eine steigende Nachfrage zu steigenden Preisen. Shell muss also den Aktionären mehr bieten, als die Aktien wert sind. Und mit der Abgabe des Kaufangebots werden eben auch einige sich noch schnell mit BG-Aktien eindecken, da sie davon ausgehen können das Shell noch was drauflegt.
BettyB. 08.04.2015
4. Da weiß man wo das Geld bleibt...
Wen wundert´s da noch, dass so viele Politiker und Journalisten immer meinen, die Pfeife der Oligarchen zu hören...
Beat Adler 08.04.2015
5. Die Erdgasreserven, klassischer Art und auch als Shalegas, sind sehr gross.
Zitat von Crossi71Warum will Shell etwas für 70 Mrd kaufen, was nur 42Mrd wert ist und auf einem absteigenden Ast? Wer kauft mein gebrauchtes Auto zum doppelten Neuwagenpreis? Mist, niemand!
Die Erdgasreserven, klassischer Art und auch als Shalegas, Methanhydrat, etc. sind weltweit sehr gross. Shell positioniert sich fuer die Zukunft. Bei Shell arbeiten keine Altruisten. Die Manager dort wissen genau, was sie tun. Da das Verbrennen von Erdgas, Methan, pro Energieeinheit weniger CO2 in die Athmosphaere pustet, im Vergleich zu Kohle und Erdoel, ist Shell auf dem richtigen Weg in die Zukunft. mfG Beat
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