Siemens Aufsichtsrat stellt Löscher kritische Fragen zu Atompartnerschaft

Nun ist es offiziell: Peter Löscher bekommt für weitere fünf Jahre einen Vertrag als Siemens-Chef. Zugleich nahm ihn der Aufsichtsrat aber wegen der teuren Trennung vom französischen Atomkonzern Areva in die Mangel.

Siemens-Chef Peter Löscher: Vertrag verlängert
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Siemens-Chef Peter Löscher: Vertrag verlängert


München - Noch vor der offiziellen Verkündung war es bereits durchgesickert: Peter Löscher bleibt für weitere fünf Jahre Siemens-Chef. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des 53-Jährigen ab Frühjahr 2012 für weitere fünf Jahre, wie das Unternehmen mitteilte. Löscher hatte es im Zuge des Schmiergeldskandals 2007 als erster Externer an die Spitze des Siemens-Konzerns geschafft und dem Konzern einen grundlegenden Umbau verordnet.

Auch Rechtsvorstand Peter Solmssen und Industriechef Siegfried Russwurm erhielten neue Verträge über fünf Jahre.

Doch während der Aufsichtsratssitzung gab es für die Vorstände nicht nur Grund zur Freude: Denn die Spitzenmanager mussten sich unbequemen Fragen stellen. Der Aufsichtsrat nahm den hastigen Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Atomkonzern Areva unter die Lupe. Siemens musste auf Entscheid eines Schiedsgerichtes hin eine Vertragsstrafe von 648 Millionen Euro plus Zinsen zahlen. "Der Aufsichtsrat hat im Zusammenhang mit dem Schiedsgerichtsspruch die Entscheidungsabläufe noch einmal - auch unter Hinzuziehung externen Sachverstands - kritisch nachvollzogen", sagte ein Konzernsprecher.

Für Besänftigung dürften aber die Geschäftszahlen von Siemens Chart zeigen sorgen. Am Donnerstag legt der Konzern die Ergebnisse für das dritte Quartal vor - Analysten erwarten gute Zahlen. Mittelfristig will Löscher den Umsatz über die Marke von 100 Milliarden Euro bringen. 2010 lagen die Erlöse bei knapp 76 Milliarden.

mmq/Reuters

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insgesamt 2 Beiträge
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Schaupp 28.07.2011
1. Über 600 Millionen in den Sand gesetzt und keine Konsequenzen
Zitat von sysopNun ist es offiziell: Peter Löscher bekommt für weitere fünf Jahre einen Vertrag als Siemens-Chef. Zugleich nahm ihn der Aufsichtsrat aber wegen der teuren Trennung vom französischen Atomkonzern Areva in die Mangel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,776952,00.html
Man ist schon sprachlos, wie interne und externe Gutachter zum Schluss kommen, dass H. Solms keine Verantwortung für den teuren Atomausstieg bei Areva haben soll. Es gehört doch zum Standard, dass man Verträge liest. Wahrscheinlich kamen die Gutachter zu dem Schluss, dass H. Solms den wohl in englisch verfassten Vertrag aus Sprachschwierigkeiten nicht verstanden hat. Bei den 1,2 Milliarden Verlusten aus den Bestechungsaffären mussten fast alle Zentralvorstände gehen und viele weitere Führungskräfte. Bei 600 Millionen muss niemand gehen. Oder traute man sich wegen der SEC nicht, den Amerikaner Solms zu feuern. Ich habe große Zweifel an der Integrität des Aufsichtsrates insbesondere an H. Cromme.
riolouco 09.08.2011
2. Schwer nachvollziehbar
Insbesondere vor dem Hintergrund der klaren Verträge und des (aus meiner Sicht) schwachen Partners Rosatom sind die Aktionen schwer nachvollziehbar. Bisher ist kaum messbares mit der Rosatom unternommen worden und nichts, was Umsatz oder Ergebnis erwirtschaftet hätte.
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