Werksschließungen "unausweichlich" Siemens-Aufsichtsratschef verteidigt Stellenabbau

Siemens-Mitarbeitern drohe "unverdientermaßen" der Verlust ihrer Jobs, sagt Aufsichtsratschef Cromme. Werksschließungen seien dennoch "unausweichlich". Vorstandschef Kaeser klang da zuletzt optimistischer.

Siemens-Beschäftigte demonstrieren am Mittwoch in Berlin
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Siemens-Beschäftigte demonstrieren am Mittwoch in Berlin


Mit seinem Besuch im Görlitzer Siemens-Werk am Dienstag hatte Konzernchef Joe Kaeser Hoffnungen geweckt. "Es wäre echt schade, wenn dieser Standort verloren ginge, nur weil uns nichts Gutes gemeinsam einfällt", sagte er in der ARD-"Tagesschau". Tags drauf traf er sich mit dem neuen sächsischen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, der nach dem Gespräch sagte: "Wir sehen für Leipzig und Görlitz sehr gute Chancen." Doch der Konzern will offenbar am Stellenabbau festhalten.

Der Aufsichtsratschef von Siemens, Gerhard Cromme, hat die geplanten Werksschließungen des Unternehmens verteidigt. Er sei "fest davon überzeugt", dass Kaesers Kurs richtig sei, sagte Cromme der "Süddeutschen Zeitung". Der Stellenabbau in der Kraftwerkstechnik weltweit und die geplante Schließung von Standorten seien unausweichlich. "Die Nachfrage ist dramatisch eingebrochen und wird nicht wieder das alte Niveau erreichen."

Siemens Chart zeigen hatte vor einem Monat angekündigt, weltweit 6900 Stellen abbauen zu wollen - davon etwa die Hälfte in Deutschland. Unter anderem sollen zwei Standorte im sächsischen Görlitz und in Leipzig mit zusammen 920 Arbeitsplätzen geschlossen werden. Ein Gespräch mit Siemens-Managern über die Zukunft der deutschen Werke mit SPD-Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries endete ohne konkrete Ergebnisse.

Wegen einer allgemein guten Lage könne ein solcher Abbau umgesetzt werden, sagte der Aufsichtsratschef. "Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird man uns hinterher Managementfehler vorwerfen", sagte Cromme der "SZ". Zugleich kündigte er an, Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter finden zu wollen, die "unverdientermaßen in diese Situation" geraten seien.

"Wir werden versuchen, ihnen zu helfen. Dafür werden wir konstruktive Gespräche mit den Betriebsräten aufnehmen", versprach Cromme. Das Unternehmen werde "alles daran setzen, um sozial verträgliche Lösungen zu finden".

Gerhard Cromme (Archiv)
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Gerhard Cromme (Archiv)

Am Mittag will auch die Thüringer Landespolitik über die Zukunft des Siemens -Generatorenwerks in Erfurt beraten. Die Belegschaft und Landespolitik wollen einen Verkauf des Traditionsunternehmens verhindern und seinen Erhalt im Siemens-Konzern erreichen. Der Betriebsrat hatte am Wochenende erneut gemahnt, dass ein Verkauf zu einem Werkssterben auf Raten führe. Derzeit arbeiten rund 700 Menschen dort.

apr/dpa/dpa-AFX



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hausi_gdr 21.12.2017
1. Mag vielleicht niemand glauben
aber ich bin der Meinung wenn sich die großen anfangen wegzuducken und zögern ist der Abschwung nicht mehr weit.
helmut.alt 21.12.2017
2. Siemens handelt verantwortungsvoll und zukunftsorientiert,
weil es keinen Sinn ergibt Produkte herzustellen, die im Markt nicht untergebracht werden können. Gerade zu Zeiten einer Hochkonjunktur sollte es möglich sein die freigestellten Arbeitskräfte anderweitig unterzubringen.
derlabbecker 21.12.2017
3. Ausgerechnet wieder Cromme...
.... der damals Krupp Rheinhausen platt gemacht hat. Dem Mann fiel als Manager nie was anderes ein als 'plattmachen', 'zumachen', Leute rauswerfen'.
Plasmabruzzler 21.12.2017
4.
Die Herstellung eines bestimmten Produktes einzustellen muss nicht zwingend einhergehen mit Entlassungen oder Werksschließungen. Es ist ja nicht erst seit gestern bekannt, dass gewisse Produkte am Markt immer weniger nachgefragt werden. Man hätte die Mitarbeiter frühzeitig für neue Produkte weiter-/fortbilden bzw. anlernen können. Beispielsweise ist es einem Industrie- bzw. Feinwerkmechaniker egal, ob seine Erzeugnisse für Produkt A oder Produkt B gebraucht werden. Aber nicht nur bei Siemens ist deutlich sichtbar, dass man Mitarbeiter entlässt mit der Begründung, sie seien für künftige Aufgaben ungeeignet und stellt stattdessen neue ein, von denen man erwartet, dass sie die neuen Aufgaben zu 100% erfüllen können. Gerade große Firmen haben die notwendigen Mittel, um vorhandene Mitarbeiter zu schulen.
sieman 21.12.2017
5. Komisch
In DE wird zugemacht und in "Billiglohnlaendern" wird aufgesperrt. Mit Produkten die der Weltmarkt nicht mehr braucht + ist sehr sehr komisch. Naja sieens wird schon wissen was zu machen ist die Gewinne zu steigern.
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