Neue Konzernstruktur: Joe Kaeser baut Siemens um

Vorstandschef Joe Kaeser gibt Siemens neue Konzernstrukturen: Die Einteilung der bisherigen Geschäftsbereiche wird aufgelöst. Die Hörgerätesparte soll an die Börse.

Siemens-Chef Joe Kaeser: Umbau des Konzerns Zur Großansicht
AP/dpa

Siemens-Chef Joe Kaeser: Umbau des Konzerns

München/Berlin - Deutschlands größter Elektrokonzern Siemens bekommt unter Führung von Vorstandschef Joe Kaeser eine neue Struktur. Die Einteilung des Geschäfts in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur und Städte solle aufgelöst werden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung in München mit. Zudem soll die Zahl der Divisionen von bisher 16 auf 9 reduziert werden. Für die Hörgerätesparte werde ein Börsengang vorbereitet.

Hintergrund der Neuordnung ist die Definition vielversprechender Wachstumsfelder. "Die Siemens AG wird sich künftig entlang der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung aufstellen", hieß es in einer Mitteilung. Der Umbau des Elektrokonzerns hatte sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet.

Konzernchef Joe Kaeser will das Unternehmen schlanker und schlagkräftiger und so fit für den Wettbewerb machen. Schon länger hinkt Siemens nämlich bei der Rendite dem US-Rivalen General Electric hinterher, mit dem sich der Elektrokonzern derzeit auch ein Bietergefecht um den französischen Konkurrenten Alstom liefert.

Kaeser gibt sowohl das Geld für die Neugestaltung mit vollen Händen aus, will aber zugleich sparen. Die Münchner übernehmen für 950 Millionen Euro das Gasturbinen- und Kompressorengeschäft der britischen Rolls-Royce und geben weitere 240 Millionen Euro für den Zugriff auf deren Triebwerksentwicklungen aus. Zudem stehe nun der bis zu vier Milliarden Euro schwere Aktienrückkauf bevor, hieß es. Gleichzeitig soll durch die Neuordnung Geld gespart werden: Weil etwa Bereiche wie Personalwesen oder Kommunikation dann gestrafft und zentral geführt werden können, sollen die Kosten bis Herbst 2016 um eine Milliarde Euro sinken. Inwieweit der Umbau Stellen kosten wird, teilte Siemens nicht mit. Der Konzern hatte auf dem Weg zu mehr Effizienz und höheren Gewinnen zuletzt schon 15.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Siemens will ins Öl- und Gasgeschäft in den USA einsteigen

Auch das Personal der Siemens-Führungsriege wird sich ändern. Der Konzern bestätigte, die derzeitige Strategiechefin des Ölkonzerns Shell in den Vorstand zu berufen und damit dem US-Rivalen General Electric (GE) Paroli zu bieten. Die US-Managerin Lisa Davis wird zur Nachfolgerin des amtierenden Energie-Vorstands Michael Süß bestellt. Zuvor hatte das manager magazin darüber berichtet.

Bis Davis von 1. August an das Ressort übernimmt, werde die Sektorleitung kommissarisch von Randy Zwirn übernommen und im Vorstand von dem bisher für Technik und Personal zuständigen Klaus Helmrich vertreten, erklärte das Unternehmen. Auch für die Geschäftsverteilung im Vorstand wurden Änderungen beschlossen.

Dem manager magazin zufolge will Konzernchef Joe Kaeser das Energiegeschäft in Zukunft von den USA aus führen. Das Unternehmen habe den dortigen Boom der Öl- und Gasbranche aufgrund der zunehmenden Förderung von Schiefergas bislang kaum mitgemacht. Mit der Ernennung von Davis wolle Siemens in den USA nun mehr Präsenz zeigen.

tok/dpa/Reuters

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1.
till2010 06.05.2014
Klingt vom Grundsatz nicht schlecht. Neue Ideen und gute Manager können ein Unternehmen voranbringen. Hauptsache sie holen sich bei Siemens nicht Mehdorn ins Boot, sonst können sie in zwei Jahren Konkurs anmelden.
2.
till2010 06.05.2014
...dann werden bei den Waschmaschinen die Motoren eingespart und ihr könnt sie mit einer Kurbel drehen. :-)))
3.
ruepel 07.05.2014
Lieber Spiegel, für Siemens ist eine Übernahme nicht interessant und steht daher auch nicht zur Diskussion. Reine Spekulation eurerseits
4. Alles im Fluss
alterschwede10 07.05.2014
Süß stand fuer Großkraftwerke und Joe macht jetzt auf dezentrale Energieversorgung. Nun ja. Ob der Großkonzern mit seinen teueren Strukturen und Stabsabteilungen da wettbewerbsfähig ist? Ich hab da meine Zweifel. Joe wollte uns erst beruhigen ... Jetzt spricht er davon, im Falle eines Deals mit Alstom die Energy Zentrale von Erlangen nach Frankreich zu verlagern... Das wird die Erlanger und ihren neuen SPD OB erstmal in Unruhe versetzen. Und amerikanische Fuehrungs"Kultur" ist das Letzte, was fehlt. Gute Nacht, einst stolze Siemens Kraftwerkssparte!
5. Schlanker und schlagkräftiger
nurmeinsenf 07.05.2014
Wie das zusammengeht, leuchtet wohl nur Managern so richtig ein - weniger qualifizierte Köpfe/Hände und "mehr Schlagkraft". Für die Mitarbeiter ist es doppelt nett. Heißt es doch "es werden Stellen wegfallen" und - wenn dadurch die "Schlagkraft" steigen soll - hat man nach Einschätzung von oben offenbar bisher Flachpfeifen beschäftigt?
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dpa
Siemens zählt zu den weltweit größten Industriekonzernen. Das Unternehmen ist in über 190 Ländern aktiv und beschäftigte Ende 2011 rund 360.000 Mitarbeiter, davon 116.000 in Deutschland. Gegründet wurde der Konzern 1847 von Werner von Siemens gemeinsam mit Johann Georg Halske in Berlin.