Kritik an Handelspolitik Siemens-Chef Joe Kaeser greift Trump an

Joe Kaeser hat Donald Trumps Politik der "Zölle und Tweets" scharf kritisiert - obwohl der Siemens-Chef den Präsidenten vor Kurzem bei einem Treffen noch umschmeichelte. Womöglich lag's am Publikum: Diesmal sprach Kaeser in China.

Trump und Kaeser in Davos (Januar 2018)
AP

Trump und Kaeser in Davos (Januar 2018)


Siemens-Chef Joe Kaeser hat die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. "Die richtige Antwort auf mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist Innovation und Produktivität und keine Zölle und Tweets", sagte der Manager vor Wirtschaftsvertretern in Peking. "Wir leben in einer Zeit, in der langjährige Vereinbarungen und Allianzen in Frage gestellt werden", warnte Kaeser. Nationale Abschottung sei auf dem Vormarsch.

Kaeser machte die Bemerkungen auf einem Siemens-Forum zu Chinas "Neuer Seidenstraße" - einem gewaltigen Infrastrukturprojekt, in dessen Zuge neue Handelskorridore nach Europa und Afrika entstehen sollen. Der Siemens-Chef lobte das Projekt als "Meilenstein-Bewegung".

Mehr noch: Kaeser sprach - ungeachtet der Tatsache, dass China bis heute seinen Markt ungleich drastischer abschottet als die USA - von einer neuen "Welthandelsordnung für freien und fairen Handel made by China". Siemens habe bereits zahlreiche Kooperationen vereinbart, um vom "größten Infrastrukturprojekt aller Zeiten" zu profitieren.

Vor allem die Seitenhiebe auf Trump sind bemerkenswert, weil Kaeser zuletzt noch Schlagzeilen mit Lob für den US-Präsidenten gemacht hatte. Bei einem Treffen mit Managern beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar hatte Kaeser Trump zu dessen umstrittener Steuerreform gratuliert - und neue Investitionen versprochen. Wörtlich sagte Kaeser: "Und weil Sie so erfolgreich mit der Steuerreform waren, haben wir entschieden, die nächste Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln".

Die Aussage stieß in Deutschland auch deshalb auf heftige Kritik, weil Siemens zuvor drastische Kürzungen beim Turbinenbau in Deutschland verkündet hatte.



insgesamt 22 Beiträge
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solna 06.06.2018
1. Spineless
Dieser Joe Kaeser (eigentlich Josef Käser) singt das Hohe Lied der Gewinnoptimierung. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
hedgehog66 06.06.2018
2. Masslosigkeit
"Die richtige Antwort auf mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist Innovation und Produktivität und keine Zölle und Tweets" Ganz offensichtlich gehört J. Kaeser zu den Menschen, die der Meinung sind, dass die Steigerung der Produktivität keine Grenzen kennt. Aber hat er auch eine Antwort auf die Frage, WER denn das Ergebnis dieser riesigen Produktivität konsumieren und auch bezahlen soll?
haarer.15 06.06.2018
3. So ein Wetterfähnchen ...
... im Wind. Wobei er sich schon ein bisschen verkalkuliert hat. Dem fehlt leider eine ganze Portion Rückgrat. Das hatte er kürzlich bewiesen.
ghdstz 06.06.2018
4. Hohe Produktivität nutzt allen ...
... denn hohe Produktivität ermöglicht Preissenkungen und damit auch weniger Begüterten den Erwerb den produzierten Waren. Beispiel Autos, Fernseher etc. - früher sehr teuer und nur für Reiche erschwinglich, heute Allgemeingut. Früher waren Fernseher übrigens nicht nur ziemlich teuer sondern auch sehr aufwändig in der Herstellung, und es wurden viele Rohstoffe und auch viel Energie verbraucht. Das sieht heute dank technischem Fortschritt insgesamt besser aus, auch die Umwelt wird dadurch weniger belastet. Hohe Produktivität ermöglich auch kürzere Arbeitszeiten. Es ist eine politische Aufgabe dafür zu sorgen dass die Auswirkungen austariert sind (also Arbeitslosigkeit möglichst vermieden wird), und natürlich soll der Planet auch nicht mit unnützen oder gar schädlichen Produkten total zugemüllt werden. Hier ist Kreativität gefragt, klassenkämpferische Parolen aus der Mottenkiste helfen da ebensowenig wie populistische Schwachsinnsargumente. Man muss Leute wie Kaeser nicht unbedingt mögen, aber in guter demokratischer Tradition zu tragfähigen Kompromissen gelangen von denen letztendlich alle etwas haben.
Europa! 06.06.2018
5. Wo er recht hat
Was die Gasturbinen angeht, muss man Kaeser in Schutz nehmen. Solche großen Werkstücke sollten tatsächlich dort gebaut werden, wo sie gebraucht werden. Und Deutschland verheizt ja lieber Braunkohle und Steinkohle, statt die weitaus umweltfreundlicheren Gasturbinen zu nutzen.
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