Siemens-Aufsichtsratschef Belegschaftsaktionäre wollen Cromme Entlastung verweigern

Ärger für Gerhard Cromme: Die Belegschaftsaktionäre von Siemens wollen dem Aufsichtsratschef nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen bei der Hauptversammlung die Entlastung für das abgelaufene Geschäftsjahr verweigern.

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Siemens-Aufsichtsratschef Cromme: "Wäre gut, wenn es bald einen Nachfolger gäbe"
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Siemens-Aufsichtsratschef Cromme: "Wäre gut, wenn es bald einen Nachfolger gäbe"


München - Um Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, 71, war es nach seinem Ausscheiden bei ThyssenKrupp und der chaotischen Ablösung des früheren Siemens-Lenkers Peter Löscher ziemlich ruhig geworden, vielleicht ein bisschen zu ruhig.

Schließlich trug Cromme als Chefkontrolleur die Hauptverantwortung für die etwas mühsame Bestellung von Löschers Nachfolger Joe Kaeser im Sommer 2013. Selbst Forderungen nach einem Rücktritt des vielleicht letzten großen Strippenziehers der alten Deutschland AG waren zuletzt verstummt. Doch das ändert sich gerade.

Auf der bevorstehenden Hauptversammlung des Konzerns am Dienstag kommender Woche wollen Vertreter des einflussreichen Vereins der Belegschaftsaktionäre - er gilt als eigentliche Fundamentalopposition des Konzerns - nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen den Chefkontrolleur heftig angehen und ihm die Entlastung für das abgelaufene Geschäftsjahr verweigern. Es endet bei Siemens, anders als bei anderen deutschen Großunternehmen schon Ende September.

"Es wäre gut, wenn es baldmöglichst einen Nachfolger gäbe"

Hauptkritikpunkt ist die Vorstandsvergütung, die unter Crommes Ägide mehrfach geändert wurde und nun erneut modifiziert werden soll, zum Schlechteren, wie der Vorstand der Belegschaftsaktionäre findet. "Es gab Zeiten bei Siemens, da hatten Vergütungssysteme bei Siemens noch mehr als zehn Jahre Bestand", schreiben sie in einer Erklärung zur Begründung ihres Abstimmungsverhaltens.

Die aus diversen Bausteinen zusammengesetzten Millionengehälter, rügen sie, orientierten sich an wenig geeigneten Maßstäben und Zeiträumen. Außerdem würden die so errechneten Kenngrößen oft mit völlig willkürlich vom Aufsichtsrat festgelegten Multiplikatoren zusätzlich nach oben getrieben. Verdienste um die Sicherung der Beschäftigung im Konzern, rügen die Kritiker, würden dagegen viel zu wenig berücksichtigt.

Auch an der Abfindung von bis zu 30 Millionen Euro für Ex-Vorstandschef Löscher lassen die Abgesandten der Belegschaftsaktionäre kein gutes Haar. Dafür habe der gebürtige Österreicher zwar zusichern müssen, nicht für einen Wettbewerber tätig zu werden. Doch das sei unterlaufen worden, unter anderem, weil der Aufsichtsrat unter Cromme "diese Regelung nicht professionell gestaltet" habe.

Das Fazit des Vereinsvorstands lautet: "Die Belegschaftsaktionäre werden Herrn Cromme in der Hauptversammlung nicht entlasten", und: "Es wäre gut für Siemens, wenn es baldmöglichst einen Nachfolger für Herrn Cromme gäbe".

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insgesamt 9 Beiträge
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eckawol 20.01.2015
1. Hat der Verein der Belegschaftaktionäre
irgendeinen nachhaltigen Einfluss innerhalb der Siemens AG? Wenn dem nicht so ist, wird das Abstimmungsverhalten des Vereins in der HV der Siemens AG wenig Resonanz haben.
yvowald@freenet.de 20.01.2015
2.
Bei der Siemens Aktiengesellschaft geht es zu wie bei fast allen Kapitalgesellschaften: Die Aufsichtsräte schaufeln den Vorständen, die Vorstände den Aufsichtsräten die Taschen voll. Und das in einem angeblichen "Sozialstaat" BRD. Als frühere DDR-Bürgerin hatte ich eigentlich andere Vorstellungen von Kapitalismus. Ich mußte leider vieles hinzulernen...
raber 20.01.2015
3. Siemens-Aufsichtsratschef wohlbehütet verabschiedet
Es wäre eine Seltenheit wenn die Nicht-Entlastung Herrn Crommes tatsächlich durchgezogen würde. Selbst wenn ich nicht ex-DDR bin, stimmt die beschriebene (von Nr. 2) Vollschaufelmentalität bei den grossen deutschen Firmen. Die Kluft zwischen reich und arm wird immer grösser. Inzwischen besitzen 1% der Vermögendsten schon 50% des Weltreichtums. Wenn Probleme da nicht angesagt sind, dann müssten sich vorher schon Wunder ergeben.
ingenör79 20.01.2015
4. Vielleicht sollte man
für Aufsichtsräte eine Altersgrenze von 70 Jahren einführen.
Susi Sorglos 20.01.2015
5. $iemen$ eben.
$iemen$ hat schon lange die Realität hinter sich gelassen. Deutschlands größte Bank mit angeschlossenem Elektro- und Maschinenbauladen ist in meinen Augen leider schon seit den 70ern ein Menschenverachtungsverein. Man sollte - egal wer es gerade ist - den Vorständen das Gleiche empfehlen wie bei den Leuten der Jobcenter : Wer auch immer welche Entscheidung trifft sollte das zunächst bei sich selber ausprobieren ! Beides ( bei BA und $iemen$ und auch den Hänneschen unter der Berliner Glaskuppel ) wird das leider nicht passieren, weil ihnen die Zukunft bei ihrer persönlichen Gier egal ist. Wer mag lese George Orwells "Animal Farm". Und sie nennen es Demokratie !
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