Guter Jahresauftakt Siemens verheißt mehr Gewinn

Dank einiger Großaufträge schaut Siemens optimistisch ins kommende Jahr und sagt einen höheren Gewinn voraus. Unterm Strich verdiente der Konzern im ersten Quartal 1,56 Milliarden Euro.

Siemens-Chef Joe Kaeser: Mit guten Zahlen vor die Aktionäre
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Siemens-Chef Joe Kaeser: Mit guten Zahlen vor die Aktionäre


Nach einem guten ersten Quartal will Siemens im laufenden Geschäftsjahr mehr Gewinn erwirtschaften. Je Aktie rechnet der Konzern nun mit einem Gewinn von 6 Euro bis 6,40 Euro, wie er überraschend am Montagabend mitteilte. Bislang standen 5,90 bis 6,20 Euro im Plan. "Wir haben ein starkes Quartal geliefert und sind mit der Umsetzung unserer Vision 2020 auf gutem Weg", sagte Konzernchef Joe Kaeser. Die Aussichten für den Jahresgewinn hätten sich verbessert - "obwohl die makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen unsere Märkte weiterhin belasten".

Bei Siemens beginnt und endet das Geschäftsjahr jeweils im September. Darum veröffentlicht der Konzern bereits jetzt seine Bilanz für das erste Quartal. Dieses reicht von Oktober bis Dezember. In diesem Zeitraum bekam der Konzern lukrative Großaufträge aus Europa und Afrika. Der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel auf 22,8 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 18,89 Milliarden Euro. Unter dem Strich konnte Siemens Chart zeigen den Nettogewinn um 42 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro steigern.

Mit dem höheren Gewinnausblick dürfte Siemens-Chef Kaeser auch die Anteilseigner beruhigen wollen. Am Dienstag lädt der Konzern zur Hauptversammlung in München. Dann muss sich Kaeser den kritischen Fragen der Aktionäre stellen. Mit Sorge sehen die Anleger vor allem den drastischen Ölpreisverfall, der Siemens im wichtigen Öl- und Gasgeschäft zu schaffen macht. Investoren befürchten bereits mögliche Abschreibungen beim US-Ölindustrie-Zulieferer Dresser-Rand, den Siemens im vergangenen Jahr für 7,8 Milliarden Dollar gekauft hatte.

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Trotz der Probleme bei Dresser-Rand lässt sich der Konzern nicht von weiteren Zukäufen abschrecken. Das Unternehmen verkündete eine Übernahme im Industriesoftware-Bereich: Für 970 Millionen US-Dollar schluckt Siemens den Simulationssoftware-Anbieter CD-adapco. "Als Teil der Vision 2020 treibt Siemens mit der Übernahme von CD-adapco das Wachstum im digitalen Geschäft voran", sagte Vorstandsmitglied Klaus Helmrich. Die Übernahme soll in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres abgeschlossen werden.

CD-adapco hat seinen Hauptsitz in Melville im US-Bundesstaat New York. Die Software-Firma erwirtschaftete den Angaben zufolge zuletzt mit gut 900 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von knapp 200 Millionen Dollar. Die Software werde unter anderem von 14 der 15 größten Autobauer eingesetzt und sei auch in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Energiebranche weit verbreitet, hieß es. Die Firma entwickelt Computerprogramme für Strömungssimulationen, mit denen etwa Windkanaltests im Autobau oder die Sturmbelastung von Bohrinseln durchgespielt werden können.

Siemens hatte im Dezember angekündigt, mehr in Forschung und Entwicklung investieren zu wollen, um nach Jahren der Stagnation wieder mit neuen Angeboten zu wachsen. Im Ringen mit dem US-Erzrivalen GE will Siemens-Chef Kaeser sein Haus technologisch auf der Höhe der Zeit halten.

mmq/dpa/Reuters



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