Schwache Stromsparte: Siemens kappt Gewinnprognose

Probleme beim Anschluss der Nordsee-Windparks, die Sanierung der Telefonnetztochter NSN und die schwächere Weltkonjunktur machen die Bilanz kaputt: Siemens-Chef Peter Löscher reduziert die Gewinnprognose für das laufende Jahr. Auch der Auftragseingang brach im zweiten Quartal ein.

Offshore-Windpark: Netzanschluss verursacht hohe Kosten bei Siemens Zur Großansicht
ddp

Offshore-Windpark: Netzanschluss verursacht hohe Kosten bei Siemens

München - So ganz rund läuft es für Siemens in diesem Jahr nicht. Vor allem das Geschäft mit der Windenergie und die Sanierung der Telefonnetztochter Nokia Siemens Networks verursachen hohe Kosten. Im zweiten Quartal sackte der Gewinn des Industriekonzerns, trotz höherer Umsätze, um zwei Drittel auf eine Milliarde Euro ab. Siemens-Chef Peter Löscher musste die Gewinnprognose für 2012 zurücknehmen: Statt sechs Milliarden Euro erwartet der Konzern nur noch 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro Gewinn.

Die Ankündigung kommt nicht überraschend, Analysten hatten mit diesem Ergebnis bereits gerechnet. Die Ziele für den Auftragseingang und den Umsatz ließ Löscher bestehen. Der Beteiligungsverlust bei dem seit Jahren kriselnden Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks belief sich in dem vergangenen Quartal auf 640 Millionen Euro. Die anhaltenden Probleme, bei der Anbindung von Nordsee-Windparks ans Stromnetz, sorgten für eine Belastung von knapp 280 Millionen Euro. Schon im ersten Quartal hatte Siemens Chart zeigen hier gut 200 Millionen Euro abschreiben müssen.

Der Konzern bekommt zudem die schwächere Weltkonjunktur zu spüren: Im zweiten Quartal nahm der Umfang der Neubestellungen um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf knapp 18 Milliarden ab. Das Unternehmen begründete die Entwicklung mit weniger Großaufträgen in der Energietechnik. Auf der Umsatzseite profitierte Siemens noch von den Aufträgen der Vergangenheit, die Einnahmen kletterten um neun Prozent auf gut 19 Milliarden Euro.

Windgeschäft läuft wieder besser

Die Probleme bei der Aufstellung von Umspannwerken auf See, schlugen sich im abgelaufenen Geschäftsquartal erneut auf den Gewinn nieder. Aus fortgeführtem Geschäft erreichte die Firma noch ein Ergebnis von knapp 1,1 Milliarden Euro, zwei Drittel weniger als vor einem Jahr, als Siemens allein 1,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf seiner Beteiligung an Areva NP verbuchte. Die Probleme mit Umspanntechnik dürften Siemens weiter begleiten: "Power Transmission erwartet, dass die Herausforderungen in den kommenden Quartalen anhalten werden." Neben den Verzögerungen der Netzanschlüsse in der Nordsee sehe sich das Geschäftsfeld auch kräftigem Preisdruck durch asiatische Konkurrenten ausgesetzt, deren Transformatoren billiger sind, als die von Siemens.

Das Geschäft mit Windturbinen läuft dagegen wieder besser: Nach einem Verlust im Vorquartal warf die Sparte Erneuerbare Energien nun wieder einen Gewinn von 112 Millionen Euro ab. Allerdings bangt Siemens, angesichts rückläufiger Aufträge und erstarkender chinesischer Rivalen, um seine Renditen. "Es wird erwartet, dass die herausfordernden Marktbedingungen bei erneuerbaren Energien, einschließlich Preisdruck, auch in den kommenden Quartalen anhalten wird", hieß es.

nck/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
mathaeus 25.04.2012
"Statt sechs Milliarden Euro erwartet der Konzern nur noch 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro Gewinn." Dann meldet Euch schon mal bei einer Tafel an, Ihr Ärmsten!
2.
antilobby 25.04.2012
Sind die Probleme bei den Windparks überraschend, oder wurde das Projekt "gekauft" - also von vornherein zu niedrig angeboten und mit Verlust kalkuliert?
3. Grüne Siemens hinkt
derweise 25.04.2012
Zitat von sysopddpProbleme beim Anschluss der Nordsee-Windparks, die Sanierung der Telefonnetztochter NSN und die schwächere Weltkonjunktur machen die Bilanz kaputt: Siemens-Chef Peter Löscher reduziert die Gewinnprognose für das laufende Jahr. Auch der Auftragseingang brach im zweiten Quartal ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,829597,00.html
Die grüne Siemens hinkt. Das war zu erwarten!
4. (°_*)
floydpink 25.04.2012
---Zitat--- "Statt sechs Milliarden Euro erwartet der Konzern nur noch 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro Gewinn." ---Zitatende--- Das würd' mir natürlich auch nicht reichen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Siemens
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 4 Kommentare
Fotostrecke
Managergehälter: Das verdienen die Chefs der Dax-Konzerne