Doch keine Veröffentlichung Siemens hält Schmiergeldstudie unter Verschluss

Siemens wollte für Transparenz sorgen und ließ seine Schmiergeldaffäre aufarbeiten. Die 800-Seiten-Untersuchung ist fertig - doch der Konzern lässt die Studie nach SPIEGEL-Informationen in der Schublade verschwinden.

Joe Kaeser
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Joe Kaeser


Siemens hält seit 2014 eine Zeitgeschichte des großen Korruptionsskandals unter Verschluss, die der Konzern selbst bei zwei unabhängigen Historikern in Auftrag gegeben hat. Damit hatte die Firma ursprünglich ein Zeichen für mehr Transparenz setzen wollen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 12/2017
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"Siemens hat ohne Angabe von Gründen die geplante und uns verbindlich zugesagte Buchpublikation der Untersuchungsergebnisse auf unbestimmte Zeit zurückgestellt", hieß es dazu auf Anfrage von den Autoren des 800-Seiten-Werks, Hartmut Berghoff und Cornelia Rauh. Der Konzern ging noch einen Schritt weiter und bestätigte, eine Veröffentlichung sei nicht mehr geplant.

Der renommierte Göttinger Historiker Berghoff hatte den Auftrag für die Untersuchung im Jahr 2011 von Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme bekommen. Gemeinsam mit seiner Hannoveraner Kollegin Rauh sollte er die Geschichte des Konzerns in der Zeit des Korruptionsskandals nachzeichnen, der 2006 aufgeflogen war. Die Historiker hatten dazu auch vertrauliche Vorstands- und Aufsichtsratsprotokolle einsehen dürfen. Konzern und Historiker konnten danach aber keine Einigkeit darüber erzielen, ob und wie aus diesen Protokollen in dem öffentlich angekündigten Buch zitiert werden kann. Darüber hinaus gibt es Stimmen, die der heutigen Siemens-Spitze unter Joe Kaeser kein Interesse mehr an einer neuerlichen Aufarbeitung des Skandals nachsagen.

Zwar zieht die Studie ein positives Urteil über Kaeser. Gegen den heutigen Konzernchef, der in den Jahren 2001 bis 2004 in der korruptionsanfälligen Mobilfunksparte als Finanzvorstand tätig war, wurde auch nie ermittelt; Hinweise, er habe von Bestechungen gewusst, wies er stets zurück. Die Studie kommt allerdings zu dem Schluss, dass sich nach der milliardenschweren Einigung des Konzerns mit den Strafverfolgungsbehörden "ein Schleier über tausende Vorwürfe gelegt" habe, die nicht weiter aufgeklärt worden seien.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 24 Beiträge
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brille000 17.03.2017
1. Interessant
Ich nahm immer an, dass Korruption und um eine solche handelt es sich ja wohl, wenn es um Schmiergeldzahlungen geht, in einem Rechtsstaat ein kriminellers Delikt darstellt, dass demzufolge auch entsprechend durch die Staatsanwaltschaften verfolgt wird. Nun, hier scheint dies wohl nicht der Fall zu sein. So wie bei dem millionenfachen Betrug durch VW billigt man wieder einmal einem Grosskonzern zu, dies selbst zu regeln. Wird der Begriff des Rechtsstaates bezüglich der Bundesrepublik immer mehr zur Glosse?
MiniDragon 17.03.2017
2. Why?
Die werden wissen warum. Weiß der Spiegel es vielleicht auch ?
Jérôme1F 17.03.2017
3. Das ist auch gut so
Siemens hat die Vergangenheit in Bezug auf Schmiergeldern beleuchtet. Aber es ist doch so, dass damals ohne Schmiergeldzahlungen gar nichts ging in der dritten Welt. Wer ein bisschen davon versteht, weiß genau, dass man Kraftwerk in ein bestimmtes Land z.B. in Südostasien liefern konnte ohne Schmiergeld an die Diktatorenfamilie zu bezahlen. Alle haben es getan. Siemens ist nur aufgefallen. Auch weil ein Land jenseits des Atlantiks, den Erfolg nicht gegönnt hat.
Nordstadtbewohner 17.03.2017
4. Dem ist nicht so.
Kein Unternehmen ist gezwungen, interne Untersuchungen zu veröffentlichen. Das hat auch seinen Grund. Eine Veröffentlichung gäbe Unternehmensinterna preis, die von der Konkurrenz und Meinungshabern missbraucht werden würde. Siemens tut gut daran, Untersuchungsergebnisse nur den Eigentümern zukommen zu lassen.
whizzzler 17.03.2017
5. Alles gut
Es gibt hier nichts zu sehen bitte gehen sie weiter.
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