Kraftswerkssparte Siemens schickt Tausende Mitarbeiter in Zwangsurlaub

Wegen anhaltender Probleme im Kraftwerksbereich will Siemens Tausende Mitarbeiter beurlauben. Mit vorübergehenden Werksschließungen sollen Kosten eingespart werden.

Siemens-Chef Joe Kaeser
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Siemens-Chef Joe Kaeser


Tausende Mitarbeiter der Kraftwerks-Sparte von Siemens haben nach Pfingsten eine Woche Urlaub - zwangsweise. "Vor dem Hintergrund des anhaltenden beispiellosen Markteinbruchs im Bereich der Stromerzeugung hat die Division Power and Gas (PG) zeitlich befristete Betriebsschließungen angekündigt", sagte ein Siemens-Sprecher. Davon sollten möglichst alle Standorte betroffen sein.

Gespräche darüber liefen noch. Mit den Schließungen will Siemens Chart zeigen die Kosten der Sparte senken, in der ohnehin rund 6000 Arbeitsplätze gestrichen und mehrere Werke geschlossen werden sollen. Auch bei Reisekosten, Sponsoring, Messen und Investitionen solle gespart werden, sagte der Sprecher.

Besonders in Ostdeutschland protestierten Siemens-Mitarbeiter im vergangenen Jahr gegen geplante Werksschließungen. (Einen Überblick zu den Hintergründen des geplanten Stellenabbaus lesen Sie hier).

Wie dramatisch die Lage bei der Produktion großer Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke wirklich ist, bleibt umstritten. Siemens-Chef Joe Kaeser verweist stets darauf, dass die Nachfrage wegen des Vormarschs der erneuerbaren Energien bald auf gut 100 pro Jahr zurückgehen werde, während die großen Hersteller die vierfache Kapazität vorhielten.

"Siemens will uns damit nur zeigen, wie schlimm und dringend der Abbau ist", sagte ein hochrangiger Arbeitnehmervertreter mit Blick auf die Schließungspläne. Siemens, Betriebsräte und IG Metall diskutieren derzeit über die Aufnahme formaler Verhandlungen über den Stellenabbau. Die Zeit drängt, Personalchefin Janina Kugel will spätestens im September ein Ergebnis vorlegen. Erstmals seit Jahren drohen dabei betriebsbedingte Kündigungen. Die IG Metall wollte sich am Montag nicht zum Verlauf der Sondierungsgespräche äußern.

ans/Reuters



insgesamt 33 Beiträge
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christianu 07.05.2018
1. Der Markt für große Gasturbinen ist gewaltig geschrumpft
Er wird auch nicht mehr dahin zurückkommen, wo er vor 10 bis 15 Jahren war, als Siemens allein so viele große Gasturbinen verkaufte wie heute alle Wettbewerber zusammen. Auch der Markt für kohlegefeuerte Dampfkraftwerke ist außerhalb Chinas und Indiens, die ihre Kraftwerke selbst bauen, viel kleiner als vor 10 bis 15 Jahren. Doch kam diese Entwicklung keineswegs überraschend einher, sondern deutete sich seit vielen Jahren an, weil Wind- und Solarkraftwerke einen großen Aufschwung genommen haben. Gaskraftwerke wären als Ergänzung sehr gut, doch die Stromproduktion damit ist einfach zu teuer, so dass eben nichts bestellt wird. Das alles ist seit vielen Jahren bekannt, aber niemand wollte das gute Kraftwerksgeschäft zurückfahren. Es ist halt immer schwierig, sich von der eigenen etablierten Technik zu verabschieden und eine neue voranzutreiben. An der Autoindustrie kann man das heute wunderbar besichtigen. Am Ende regelt der Markt die Sache, und die Mitarbeiter müssen es ausbaden, weil man eben nicht so schnell umsteuern kann.
frankfurtbeat 07.05.2018
2. Siemens ...
Siemens war ein guter Arbeitgeber ... letztendlich hat sich der Konzern den Forderungen des shareholder-vaule zu beugen ... Raubtierkapitalismus pur.
investor3000 07.05.2018
3.
Es ist nun mal quasi vorbei mit großen Turbinen. Das war mit Pferdekutschen auch nicht anders und steht uns noch beim Verbrennungsmotor bevor. Je früher man die Realität sieht, desto besser. Man kann dem Joe Käser dumme Investmententscheidungen, wie den Kauf von Dresser-Rand vorwerfen, dass er aber wirtschaftlich notwendiges und unbequemes durchsetzt ist einfach seine Aufgabe.
JungUndFrei 07.05.2018
4.
Siemens ist immer noch ein guter Arbeitgeber, aber man kann nicht verlangen, dass ein Bereich dauerhaft subventioniert wird, ohne eine Aussicht auf Besserung. Industriekonzerne werden sich immer wandeln und verändern müssen, ansonsten verschwinden sie vom Markt.
acitapple 07.05.2018
5.
Zitat von frankfurtbeatSiemens war ein guter Arbeitgeber ... letztendlich hat sich der Konzern den Forderungen des shareholder-vaule zu beugen ... Raubtierkapitalismus pur.
Sie behaupten also Siemens hätte früher Bereiche weiter erhalten, obwohl deren Produkte nicht mehr nachgefragt wurden ? Und dank dem Raubtierkapitalismus sind sie erst darauf gekommen jene Bereiche zu schließen wenn sie keine Aussicht auf Erfolg mehr haben ? Interessante Ansicht...
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