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Machtwechsel bei Siemens: Löscher fordert Aufsichtsratschef Cromme heraus

Siemens-Führung: Cromme (l.) und Löscher (Archivfoto) Zur Großansicht
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Siemens-Führung: Cromme (l.) und Löscher (Archivfoto)

Der Aufsichtsrat von Siemens will Konzernchef Peter Löscher loswerden, aber der will offenbar nicht so einfach gehen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, stellt Löscher eine Bedingung: Er will nur abtreten, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme zurücktritt.

München - Es waren nur wenige turbulente Tage vom Patzer zum Rauswurf: Am Donnerstag musste Peter Löscher sein Renditeziel für 2014 kassieren, am Freitag wurde bereits über seine Ablösung spekuliert, nach Beratungen des Aufsichtsrats am Samstag war klar, der Siemens-Chef muss gehen. Offenbar will der aber nicht kampflos abtreten: "Es war noch nie meine Art aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", hatte Löscher der "Süddeutschen Zeitung" gesagt; jetzt berichtet das Blatt, er fordere den Aufsichtsrat heraus.

Löscher wird demnach nicht in aller Stille abgehen: Unter Berufung auf Konzernkreise berichtet die "SZ", dass Löscher nur dann nachgeben und sein Amt niederlegen werde, wenn auch der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme zurücktrete. Andernfalls wolle Löscher es auf eine Kampfabstimmung in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ankommen lassen und versuchen, die notwendige Zweidrittelmehrheit für seine Abwahl zu verhindern.

Der Noch-Siemens-Chef hat den Bericht später via "Bild"-Zeitung zurückgewiesen: "Es geht mir ausschließlich um das Wohl von Siemens und der 370.000 Siemensianer, die zurecht stolz auf ihr Unternehmen sind", sagte Löscher dem Bericht zufolge. Auch ein Siemens-Sprecher sagte am Montag, es stimme nicht, dass Löscher seinen Vorstandsposten nur dann räumen wolle, wenn zugleich auch Cromme das Kontrollgremium verlasse.

Dabei klingt das nicht verwunderlich: Löscher macht laut "SZ" vor allem Cromme für seinen Rauswurf verantwortlich. In kleinem Kreise habe sich Löscher über ein infames Komplott beklagt, heißt es in dem Bericht. Auf diese Weise wolle der Aufsichtsratschef von den Debatten um seine eigene Person ablenken. Gerhard Cromme war lange einer der mächtigsten Manager in Deutschland gewesen. Cromme war es, der den Stahlkonzern ThyssenKrupp geformt hat, musste dort aber im Frühjahr nach einer ganzen Reihe von Skandalen als Aufsichtsratschef zurücktreten.

Dass Löscher mit seiner Konfrontation Erfolg hat, glaubt indes kaum einer. Laut "SZ" wird dem Siemens-Chef keine Chance mehr eingeräumt. Am Wochenende hatten sich die verschiedenen Aufsichtsräte mehreren Berichten zufolge darauf verständigt, Finanzvorstand Joe Kaeser zu Löschers Nachfolger zu küren. Die Krise bei dem Industriekonzern soll möglichst schnell beendet werden.

Tatsächlich sind die Schicksale von Löscher und Cromme eng miteinander verknüpft: Cromme war es, der den unbekannten Manager Löscher vor sechs Jahren geholt hatte, um Siemens nach dem Schmiergeldskandal wieder aufzubauen. Jetzt aber kämpft Cromme vor allem für sich selbst: Nach dem Chaos bei ThyssenKrupp, vielen Pannen und schlechten Bilanzen bei Siemens gerät er selbst in Bedrängnis.

Wie die "SZ" berichtet, denke Cromme aber nicht daran, den Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens und damit seinen letzten Spitzenposten in der deutschen Wirtschaft aufzugeben. Er sei überzeugt, von den Aktionären für sein Durchgreifen bei Siemens gelobt zu werden.

nck

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1. Siemens
saaman 29.07.2013
Den jetzigen kfm. Vorstand zum Vorsitzenden zu ernennen, dürfte bei Siemens keines Grundprobleme lösen. Was hat der kfm. Vorstand bisher getan, um das wirtschaftliche Problem zu lösen. Gute Kontakte zu Finanzmärkten zu haben löst kein einziges der technischen Probleme. Im Gegenteil. Es besteht die Gefahr der Verschleierung. Und der Aufsichtsratschef? Was hat er unternommen? Nach meiner Ansicht muss auch der ARV gehen und ein Techniker den Vorstandsvorsitz übernehmen.
2. Tja, der Herr Cromme,
herr.schnurz 29.07.2013
Reinhausen platt gemacht, Schrottstahlwerk in den USA gekauft, ein Milliardenobjekt in den brasilianischen Sumpf gesetzt - und jetzt wird er gehen. Ich nehme mal an: nicht für 10 €, vielleicht für 11... Mio.
3. gelobt werden will er
wolfi55 29.07.2013
soso, na im Spätherbst ist Hauptversammlung und dann wird man sehen. Der Cromme ist doch nur machtgeil und versucht an seinem letzten Strohhalm zu kleben. Bei Thyssen-Krupp ist sein Abgang unrühmlich bis schmählich verlaufen, ausgerechnet der Mann, der bei Sienehmens den Saubermann hervorkehren will, war bei seinem Heimatladen in alle krummen Dinger verstrickt.
4. Cromme hat das Flaggschiff der Deutschen
si tacuisses 29.07.2013
Zitat von sysopDPADer Aufsichtsrat von Siemens will Konzernchef Peter Löscher loswerden, aber der will offenbar nicht so einfach gehen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, stellt Löscher eine Bedingung: Er will nur abtreten, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme zurücktritt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-loescher-sucht-machtprobe-mit-cromme-a-913596.html
Industrie, Thyssen-Krupp, in den Graben gefahren. Nachhaltig. Das brasilianische Abenteuer, das gleiche in Canada, Hinterherlaufen hinter Mittal, aber nie erreichen, kurz: Diese Industriebeamten haben es nicht drauf. Unbeweglich, verknöcherte Strukturen, Ignoranz dem Ingenieurswesen gegenüber, Nachlaufen hinter kurzfristigen ( Quartals- ) Zielen. Zukunftsplanung ? Fehlanzeige. Da gehören frische Köpfe hin, nicht aber Betriebswirtschaftler sondern Ingenieure mit Verve. Ganz besonders beim kranken Mann Siemens.
5. Ein Fall fuer PRISM...
Spiegelansgar 29.07.2013
Von der Wirtschaftsspionage der NSA wurde ja bisher wenig bekannt, falls die Andeutungen von Herrn Snowden nicht nur Bluff waren. Aber meine Phantasie reicht wohl aus, dass ich als Loescher bereits laengst eine Studie ueber Rivalen Cromme am Bruzzeln haette... Mit w e m hat er wohl in letzter Zeit w a n n telefoniert ? - warum mehrmals mit diesem oder jenem ? - Wie stehts denn mit seinem Privatleben ? - Hat er eins ? Und wenn ja, in welcher Form ? Was mag er denn ganz besonders ? Womit kann und konnte man ihm eine Freude machen ? In welche Widersprueche hat er sich in den letzten 10 Jahren verwickelt ? Welche Geschenke, welche Filme liebt er ? Zu welchen Banken hatte er immer Vertrauen ? Wo hat er sein Geld versteuert ? Mit welchen Filmen kann man ihm eine Freude machen? - Ich kenne keinen der beiden Kontrahenten und habe vor diesem Bericht nicht den Lebenslauf der beiden verfolgt. Will niemanden persoenlich anfeinden und kann niemandem etwas unterstellen... Wollte nur darstellen, dass wir, solange nicht Klarheit ueber das Ueberwachungsausmass durch PRISM und TEMPORA ect haben, alle unsere politische Unschuld verloren haben.
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