Elektrokonzern Siemens will Münchner Zentrale verkleinern

Siemens macht mehr Gewinn und meldet mehr Aufträge - trotzdem bricht der Aktienkurs ein. Vor allem der geplante radikale Konzernumbau von Vorstandschef Joe Kaeser verunsichert die Inverstoren.

Siemens-Zentrale in München
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Siemens-Zentrale in München


Siemens sieht sich trotz Gegenwinds durch den starken Euro auf Kurs. Mit einem Ergebnis aus dem Industriegeschäft von 2,2 Milliarden Euro übertraf der Münchner Industriekonzern im dritten Quartal seines Geschäftsjahres nicht nur den Vorjahreswert um zwei Prozent, sondern auch die Erwartungen der Analysten.

Die neuen Aufträge lagen zwischen April und Juni mit 22,8 Milliarden Euro um 16 Prozent über Vorjahr, ohne den schwachen Dollar wären es 21 Prozent mehr gewesen. Der Umsatz ging wegen der ungünstigen Wechselkurse allerdings um vier Prozent auf 20,5 Milliarden Euro zurück.

An der Börse kamen die Quartalszahlen dennoch nicht gut an. Der Kurs der Siemensaktie verlor nach Handelsbeginn vier Prozent. Das liegt unter anderem an den andauernden Problemen beim Siemens-Geschäft mit der konventionellen Energie- und Gas-Industrie: In der vor einem Stellenabbau stehenden Sparte brach das Ergebnis um mehr als die Hälfte auf 164 Millionen Euro ein, der Umsatz ging um ein Fünftel zurück. Einige Großaufträge schoben den Auftragseingang um 42 Prozent an.

Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Gewinn von 1,2 Milliarden Euro. Das Minus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war unter anderem auf eine stark gestiegene Steuerquote zurückzuführen.

Neuer Radikalumbau, Roland Busch gilt als möglicher Kaeser-Nachfolger

Mit einem weiteren Umbau des Konzerns will Vorstandschef Joe Kaeser das Umsatzwachstum beschleunigen und die Rendite steigern, die Pläne dazu gab Siemens bereits am Mittwochabend bekannt. Mittelfristig soll die operative Marge auf 13 bis 14 Prozent steigen. Der Umsatz soll dann um vier bis fünf Prozent pro Jahr wachsen.

Aus den bisherigen fünf Industriesparten sollen drei weitgehend eigenständige Unternehmen werden. "Kern der Unternehmensstrategie 'Vision 2020+' ist, den einzelnen Geschäften deutlich mehr unternehmerische Freiheit unter der starken Marke Siemens zu geben", teilte Siemens nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend mit. Damit sollen sie auf mittlere Sicht auch stärker wachsen und mehr Rendite abwerfen.

Die aus Zehntausenden Mitarbeitern bestehende Zentrale soll abgespeckt, die Beschäftigten auf die drei neuen Sparten verteilt werden. Die Zentrale soll sich künftig auf Kernaufgaben wie Finanzen, Recht, Personalwesen und Kommunikation beschränken. "Weniger Steuerung durch die Zentrale und mehr Freiheit für die Geschäfte machen uns stärker und flexibler", sagte Kaeser. Zudem wird eine neue Service-Einheit geschaffen, der unter anderem der Bereich finanzielle Dienstleistungen zugeordnet wird.

Mit der "Vision 2020+", mit der mehr Verantwortung auf die drei vergrößerten Industriesparten verlagert wird, bereitet Kaeser den Konzern auf die Zeit nach dem Auslaufen seines Vertrages Anfang 2021 vor.

Als Kandidat auf Kaesers Nachfolge gilt nun der bisherige Technologie-Vorstand Roland Busch. Der 53-Jährige übernimmt zum 1. Oktober als Chief Operating Officer (COO) die Verantwortung für das komplette Tagesgeschäft. Diese Position gab es bei Siemens bisher nicht.

Video: Görlitz im Siemens-Schock

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beb/dpa

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