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300.000 Euro Salär: Siemens prüft seltsamen Lohnsprung bei Betriebsratschef

Der Betriebsratschef von Siemens gerät in die Kritik. Laut "Süddeutscher Zeitung" kassierte er Ende 2008 eine Gehaltserhöhung um rund 100.000 Euro. Einige Monate zuvor hatte er einen großen Jobabbau abgesegnet. Konzern und Betriebsrat kommentieren die Abfolge der Ereignisse nicht.

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dapd

Siemens-Logo: Lohnplus von rund 100.000 Euro?

München - Siemens untersucht die Umstände einer Gehaltserhöhung für Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") unter Berufung auf einen Insider. Adler hat demnach Ende 2008 bei seiner Wahl zum Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats einen üppigen Zuschlag erhalten. Dem Bericht zufolge betrug das Lohnplus rund 100.000 Euro.

Einige Monate zuvor, im Juli 2008, hatte Siemens einen großen Abbau von Arbeitsplätzen beschlossen. Insgesamt waren 16.750 Stellen von der Umstrukturierung betroffen, 5250 davon in Deutschland. Angekündigt worden war der geplante Stellenabbau schon 2007. Adler stimmte den Maßnahmen seinerzeit zu. Der Betriebsratschef sei für das Management "sehr angenehm" gewesen, zitiert die "SZ" einen anonymen Insider.

Der Betriebsrat wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Siemens wollte Anfragen von SPIEGEL ONLINE zur zeitlichen Abfolge der Ereignisse nicht kommentieren. Adler selbst sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe nie eine bestimmte Summe gefordert. Vielmehr habe er angesichts der Aufwertung seiner Position den Konzern gebeten, ein den Regeln der guten Unternehmensführung entsprechendes Gehalt zu ermittlen. Er habe keinen Anlass, an der Rechtmäßigkeit zu zweifeln.

Der Konzern bestätigte, dass Adler sein Arbeitsverhältnis mit Siemens über die Altersgrenze von 65 Jahren hinaus um ein Jahr verlängern wollte. Adler habe sein Anliegen zunächst Löscher vorgetragen, teilte ein Sprecher mit, und inzwischen auch dem neuen Konzernchef Joe Kaeser. "Herr Kaeser hatte daraufhin eine Prüfung des Sachverhalts veranlasst", sagte der Sprecher.

Bei dieser Prüfung dürfte das Unternehmen auch auf den seltsamen Gehaltssprung gestoßen sein. "In diesem Zusammenhang hat sich inzwischen weitergehender Klärungsbedarf bezüglich arbeitsrechtlicher Fragen aus der Vergangenheit ergeben", sagte der Sprecher. Diesem werde nun nachgegangen. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen.

Derzeit kassiert Adler laut "Süddeutscher Zeitung" 200.000 Euro Bruttogehalt in Form fixer Bezüge, hinzu kommen erfolgsabhängige Bezüge von noch einmal bis zu 100.000 Euro. Bei einem Gehalt dieser Größenordnung sind Boni durchaus üblich; dass ein Betriebsrat sie kassiert, ist dagegen unüblich.

Orientierungswert für das Salär von Betriebsräten ist normalerweise die Tätigkeit, die sie im Konzern ausüben oder ausgeübt haben. Adler ist gelernter Fernsehtechniker. Er sitzt zudem seit zehn Jahren im Aufsichtsrat von Siemens.

Auch merkwürdig: Eine Gehaltserhöhung der Größenordnung, wie sie Adler erhielt, sollte vom Vorstandschef abgesegnet werden. Dieses Amt bekleidete seinerzeit Peter Löscher. Aus dessen Umfeld heißt es jedoch, der damalige Siemens-Chef habe diese Gehaltserhöhung für Herrn Adler nicht betrieben. Der Vorgang habe vielmehr in der Verantwortung des Personalressorts gelegen, sagte ein Insider SPIEGEL ONLINE. Dieses betreute seinerzeit Siegfried Russwurm, heute Chef der Industriesparte.

ssu

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1. Damus Petimusque Vicissim
dingodog 09.10.2013
Wir geben und nehmen wechselseitig. Wäre ein schöner Wahlspruch für den Genossen. Das Prinzip erinnert auch an den FDGB und ähnliche Gewerkschaften des "sozialistischen" Lagers.
2. Vom ADLER zum AASGEIER...
robert.c.jesse 09.10.2013
Bei den Anderen sparen aber selber gut fahren. Wenn der Vorstand auch nur ein bischen Moral hat, sollte dieser Mann entlassen werden oder zumindest seine goldenen Gehaltsfedern sofort gestutzt werden.
3. Ach.
feuercaro1 09.10.2013
Und wen soll das überraschen? Es ist doch schon lange so, dass in Großkonzernen die Leitungsriege des Betriebsrates von der Geschäftsleitung hofiert und gepampert wird. Das geht von als "Kaminabenden" getarnten Luxussausen bis hin zu "Fortbildungswochen" auf Lanzarote. Bestechung? I, woher! Die einzige Lösung für die Arbeitnehmer ist: wählt bei den BR-Wahlen unbedingt Freie Gruppen. Die haben zwar wenig Einfluss auf die Firmenpolitik - sind aber in der Lage, in den Gremien genau solche Sauereien aufzudecken und damit zu minimieren. Gegen so eine Gehaltsaufbesserung beim Vorsitzenden sind sie allerdings auch machtlos - das kommt ja nciht ans Licht, meist. Wie hieß es noch mal VW: "Die Br-Chefs müssen auch von der Bezahlung her den Mitgleidern der Geschäftsleitung angeglichen werden, damit sie mit ihnen auf Augenhöhe verhandeln können!" Schöne Umschreibung für Bestechung. Und: verstößt eindeutig gegen das BetrVG!
4.
mneisen 09.10.2013
Zitat von sysopdapdDer Betriebsratschef von Siemens gerät in die Kritik. Laut "Süddeutscher Zeitung" kassierte er Ende 2008 eine Gehaltserhöhung von rund 100.000 Euro. Einige Monate zuvor hatte er einen großen Jobabbau abgesegnet. Konzern und Betriebsrat kommentieren die Abfolge der Ereignisse nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-prueft-gehaltserhoehung-fuer-betriebsratschef-a-926952.html
Ach, bei Betriebsräten bei Siemens wundert einen doch nichts mehr. Interessant ist doch vor allem, wie schlecht viele Aufhebungsverträge ausgehandelt werden - für die normalen Arbeitnehmer, die vor die Tür gesetzt werden. Aktueller Fall: Wenn man z.B. 15 Jahre und 11 Monate bei Siemens gearbeitet hat, dann zählt das als 15 Jahre; da wird ganz unkaufmännisch und unmathematisch abgerundet. Das hat dann durchaus eine Verringerung der Abfindung um einen fünfstelligen Betrag zur Folge. Für die Betriebsräte selbst ist *natürlich* bestens gesorgt. Das versteht sich ja von selbst, alles andere wäre ja unsozial.
5. Vapor Trails
rudolf_mendt 09.10.2013
Ach je, so was kann schon mal vorkommen. Alles Zufall. Ganz normal. Mensch, Siemens ist ein altehrwürdiges teutsches Unternehmen. Die machen keinen Schmuh.
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dpa
Siemens zählt zu den weltweit größten Industriekonzernen. Das Unternehmen ist in über 190 Ländern aktiv und beschäftigte Ende 2011 rund 360.000 Mitarbeiter, davon 116.000 in Deutschland. Gegründet wurde der Konzern 1847 von Werner von Siemens gemeinsam mit Johann Georg Halske in Berlin.


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