Machtwechsel bei Siemens Löschers Abgang mit Ansage

War der Sturz Peter Löschers als Siemens-Chef ein Putsch? Ein solcher Umsturz verläuft meist schnell und grausam. Doch der Rauswurf des Österreichers war länger geplant.

Von , München

Peter Löscher (auf der Hauptversammlung im Januar): Gewaltige Breitseite kassiert
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Peter Löscher (auf der Hauptversammlung im Januar): Gewaltige Breitseite kassiert


Für die letzte Hauptversammlung des Konzerns am 23. Januar hatte Siemens-Chef Peter Löscher sich extra fein gemacht. Gut gekleidet ist er sowieso immer. Eine quietschblaue Krawatte hatte der Top-Manager ausgesucht, damit ihn auch jeder gleich sehen und begrüßen konnte. Seht her, ich verstecke mich nicht, sollte der Binder signalisieren. Dabei hätte Löscher eher Anlass gehabt, sich zu verstecken. Der Siemens-Chef hatte gerade eine gewaltige Breitseite kassiert - von seinem obersten Kontrolleur.

Nur wenige Tage zuvor war ein Interview von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme erschienen, in dem der Top-Manager sich von Löscher in perfider Weise distanzierte - obwohl er den ehemaligen Pharmamanager knapp sechs Jahre zuvor selbst an der Konzernspitze installiert hatte. Löscher mache seinen Job "im Saldo sehr gut", bekannte Cromme gegenüber dem manager magazin, was im Klartext so viel heißt wie: Klassenziel verfehlt. Dann legte der einstige Strippenzieher der Deutschland AG sogar noch nach. "Für die jetzige Phase" sei Löscher "der Richtige". Das werde man "in ein bis zwei Jahren an den Ergebnissen sehen", erklärte Cromme.

Den Ausspruch konnte man allerdings auch umgekehrt lesen. Nämlich: Es kann auch andere Phasen geben. Und: Bleiben die erhofften Ergebnisse aus, was der Konzern am Donnerstag vergangener Woche in seiner Gewinnwarnung einräumen musste, ist auch der Mann an der Spitze nicht mehr tragbar - und muss ausgetauscht werden. Das soll an diesem Mittwoch geschehen. Nutzten Cromme und Vorstandskollegen, die Löscher überdrüssig waren, die Pflichtmitteilung also gezielt, um den Siemens-Boss auszuhebeln? Ein Siemens-Sprecher bestreitet das. Doch es spricht einiges dafür, dass es so gewesen sein könnte.

Zufall oder bewusstes Kalkül?

Nach Schilderung von Teilnehmern begann der letzte Akt des Dramas um den Siemens-Chef mit der Vorstandssitzung vom 25. Juli. In ihr wurde klar, dass vermutlich drei der vier Geschäftsfelder des Konzerns, auch Sektoren genannt, ihre selbstgesteckten Gewinnziele bis 2014 nicht erreichen werden. Löscher wollte die Information erst mal im kleinen Kreis halten und nach Schilderung von Teilnehmern zumindest bis zur nächsten regulären Sitzung des Aufsichtsrats gut eine Woche später warten. Da zu diesem Zeitpunkt auch der Prüfungsausschuss mit ausgewiesenen Finanzexperten tagt, hätte man mehr Zeit zur Diskussion und Bewertung gehabt, ob die ehrgeizigen Margenziele womöglich doch noch zu erreichen sind.

Doch die Rechtsabteilung und das sogenannte Disclosure Committee, das für derartige Pflichtveröffentlichungen zuständig ist, plädierten dafür, sofort an die Öffentlichkeit zu gehen. Dass die in der vergangenen Woche veröffentlichte Meldung so extrem kurz ausfiel, kann Zufall gewesen sein - oder bewusstes Kalkül.

Löscher kann das inzwischen egal sein. Dass seine Tage als Siemens-Chef gezählt sind, muss er ohnehin schon viel früher geahnt haben. Spätestens am 18. Januar. Da erschien das entlarvende Interview mit seinem Aufsichtsratschef.

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insgesamt 15 Beiträge
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byte-you 29.07.2013
1. Warum hat denn der
...Cromme nicht selbst seinen Ruecktritt erklaert, er hat doch das ganze Chaos in Siemens angezettelt ?
tuobob 29.07.2013
2. Warum kann man Vorstände nur mit 2/3 Mehrheit...
... im Aufsichtsrat feuern? Ist das eine Frage des Aktienrechts, oder wird das firmenintern geregelt?
ukleuni 29.07.2013
3. wie alle Geschaßten
geht er mit gut gefüllter Brieftasche.
stonedeath 29.07.2013
4.
Löscher wird weich fallen. Unser Mitleid kann sich also in Grenzen halten.
greenwater 29.07.2013
5. Herr Dr. Cromme
Zitat von byte-you...Cromme nicht selbst seinen Ruecktritt erklaert, er hat doch das ganze Chaos in Siemens angezettelt ?
macht keine Fehler, außer er verscherzt es sich mit Berthold Beitz.
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