Fall aus den Neunzigerjahren Ex-Siemens-Manager gesteht Schmiergeldzahlungen in Argentinien

Für Siemens ist die Schmiergeldaffäre abgehakt, doch Strafverfolger sind noch immer Verantwortlichen auf der Spur. Nun hat ein Ex-Mitarbeiter des Konzerns Bestechung in den Neunzigerjahren gestanden.

DPA


Ein ehemaliger führender Siemens-Mitarbeiter hat in den USA ein Geständnis zu einem Korruptionsskandal abgelegt, der Argentinien Ende der Neunzigerjahre beschäftigt hat. Der ehemalige Technikchef einer Siemens-Filiale in Argentinien habe gestanden, zusammen mit anderen Mitarbeitern "100 Millionen Dollar an Schmiergeldern" an argentinische Regierungsvertreter gezahlt zu haben, teilte das US-Justizministerium mit.

Mit den Zahlungen hatte Siemens sich einen Auftrag zur Herstellung von Personalausweisen und Pässen im Umfang von einer Milliarde Dollar gesichert. Dem 78-jährigen Ex-Siemens-Mitarbeiter drohen nach Angaben des Justizministeriums bis zu fünf Jahre Haft. Das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt werden.

Die Siemens-Affäregilt als größer Schmiergeldskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Zahlungen in Argentinien sind Teil davon. Über viele Jahre soll der Konzern etwa 1,3 Milliarden Euro gezahlt haben, um an Aufträge zu gelangen. Die Affäre kam Siemens teuer zu stehen. Insgesamt zahlte der Konzern rund 2,5 Milliarden für Strafen, Steuerrückstände und die interne Aufklärung.

Der Ex-Manager sagte vor einem Gericht im Süden Manhattans aus. Er sprach im Zusammenhang mit den Schmiergeldzahlungen "vom größten Fehler meines Lebens". Er bereue zutiefst, daran beteiligt gewesen zu sein.

Der Mann hatte ab 1964 für Siemens gearbeitet. Den Angaben zufolge war er im September in Kroatien festgenommen und an die USA ausgeliefert worden.

Drei Jahre zuvor hatte sich bereits ein anderer ehemaliger führender Siemens-Mitarbeiter in dem Fall schuldig bekannt. Gegen Andres Truppel, Ex-Finanzchef von Siemens Argentinien, wurde noch kein Strafmaß verkündet. Die US-Justiz geht noch gegen sieben weitere Ex-Mitarbeiter des Unternehmens vor. Siemens selbst hatte sich mit den US-Behörden in der Affäre bereits auf einen Vergleich geeinigt.

Der Korruptionsskandal reicht zurück in die Neunzigerjahre, als Carlos Menem Präsident in Argentinien war. Ein Anti-Korruptionsgesetz in den USA ermöglicht es den Justizbehörden, weltweit gegen Unternehmen vorzugehen, die auch in den USA aktiv sind.

mmq/AFP/Reuters



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