Neuer Konzernchef Kaeser "Das kann Siemens sich nicht leisten"

Tollhaus Siemens - der Streit beim Münchner Konzern schwelt weiter. Aufsichtsräte bezweifeln, dass eine gute Zusammenarbeit in dem Gremium noch möglich sei; zusätzliche personelle Konsequenzen sind möglich. Im SPIEGEL-Interview warnt der neue Chef, Joe Kaeser, vor weiteren Flops wie beim ICE.

Siemens-Chef Kaeser: "Kein Anlass zu überschäumender Freude"
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Siemens-Chef Kaeser: "Kein Anlass zu überschäumender Freude"


Hamburg - Der Krach im obersten Kontrollgremium des Münchner Siemens-Konzerns ist noch nicht beigelegt. "Ungläubiges Erstaunen" habe sich im Aufsichtsrat breitgemacht, erfuhr der SPIEGEL von der Kapitalseite. So könne man ja nicht zusammenarbeiten. Deshalb sei es nicht ausgeschlossen, dass es zu weiteren personellen Konsequenzen komme, nachdem vergangene Woche schon Vorstandschef Peter Löscher abgelöst wurde.

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Heft 32/2013
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An dessen Abberufung hatte sich auch der handfeste Streit zwischen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und seinem Vize, Ex-Deutsche-Bank-Boss Josef Ackermann, entzündet. Ackermann und zwei weitere Mitglieder des Gremiums empfanden es als unwürdig, wie Löscher vom Hof gejagt werden sollte, stimmten am Ende aber auch für seine Abberufung.

Kaeser will Konzern "beruhigen und befrieden"

Der Löscher-Nachfolger und neue Siemens-Chef Joe Kaeser, 56, sagte derweil im Interview mit dem SPIEGEL, das Unternehmen "muss jetzt beruhigt und befriedet werden, damit wir uns wieder mehr auf unsere Werte besinnen können".

Weitere Flops wie zuletzt mit der Anbindung der Offshore-Windparks oder der immer weiter verzögerten Auslieferung neuer ICE-Züge "kann Siemens sich nicht leisten". Über den langfristigen Erfolg eines Unternehmens entscheide "nicht in erster Linie ein Strategiepapier, sondern die Kultur eines Unternehmens".

Er sei zwar "stolz, Siemens-Chef zu sein. Aber zu überschäumender Freude besteht angesichts der Umstände meiner Ernennung kein Anlass". Er werde "keine faulen Kompromisse eingehen, wenn ich überzeugt bin, dass etwas für das Unternehmen richtig ist und gemacht werden muss". Nun sei es aber Zeit, "neue Entschlossenheit und Aufbruchstimmung" zu schaffen.

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insgesamt 54 Beiträge
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melnibone 04.08.2013
1. Das ist wohl ...
selbst für einen Niederbayern kein traditioneller Erbhof. Alle ´Alten´ müssten dann wohl ins ´Austragshäusel´.
rakipo 04.08.2013
2. Und wieder einmal...
... übernimmt ein Kaufmann (vorheriger Finanzvostand) die Geschicke eines Unternehmens. Es würde mich wundern, wenn gerade er sich der "Unternehmenskultur" annimmt. Denn dabei gehts um viel mehr als um shareholder value und die Nutzungs-Intensivierung der "human ressources". Kultur lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken. Kundenzufriedenheit fängt bei Mitarbeiterzufriedenheit an. Menschen sind nicht automatisierbar. Aber durchaus begeisterungsfähig - und das macht sie zu potentiellen Leistungsträgern. Wie aber sieht die Wirklichkeit in unseren durchstrukturierten Großkonzernen aus? Eben: in erster Linie fokussiert auf kurzfristige Gewiinne. Wo sollen denn da wirklich bahnbrechende Ingenieursleistungen herkommen? Der alte Herr Siemens hat mal sinngemäß gesagt: "Für einen schnellen Gewinn gebe ich meine Idee nicht auf". Und heute?...
white_knight 04.08.2013
3. Aufbruch?
"Nun sei es aber Zeit, "neue Entschlossenheit und Aufbruchstimmung" zu schaffen." Und das soll der Mann schaffen, der seit 30 Jahren bei Siemens ist?
geotie 04.08.2013
4. yoooh
Abfindung? So was degradieren und in den unteren Rängen wieder mitarbeiten lassen. Er kann dann immer noch kündigen, wenn es ihm nicht beliebt. Geld genug hat er auch vorher schon gescheffelt.
tutmosis 04.08.2013
5. Ob.
Zitat von sysopGetty ImagesTollhaus Siemens - der Streit beim Münchner Konzern schwelt weiter: Aufsichtsräte bezweifeln, dass eine gute Zusammenarbeit in dem Gremium noch möglich sei; zusätzliche personelle Konsequenzen sind möglich. Im SPIEGEL-Interview warnt der neue Chef, Joe Kaeser, vor weiteren Flops wie beim ICE. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-streit-im-aufsichtsrat-schwelt-nach-loescher-aus-weiter-a-914689.html
Ob Siemens sich einen Kaeser leisten sollte, der ja auch nicht von der Pike, sondern von der Uni an bei Siemens ist, bleibt zu fragen. Weiß dieser BWLer wirklich, wie man einen ICE oder ein AKW baut? Kennt er die Prozesse? Kann er beurteilen, wo 'noch Luft' ist? Für das mittlere Management mag er bequemer sein als Löscher; Vorteile für den normalen Siemensianer und insbesondere für die Leiharbeiter sind nicht ersichtlich. Die von Löscher allzuhoch angesetzte Ertragshürde könnte weiterhin gerissen oder aber durch Absenkung genommen werden. Intriganten sind nicht immer die besseren Leiter. Und: Jedenfalls gibt es ein Synonym für Totalversager in Vorständen und Aufsichtsräten, die dennoch oben schwimmen: Cromme!
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