Affäre um Betriebsratsgehalt Siemens stellt Deutschland-Personalchef frei

Ein Betriebsratschef erhält Bezüge wie ein Top-Manager - was steckt dahinter? Siemens zieht erste Konsequenzen aus der Gehaltsaffäre um Lothar Adler. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen stellt der Konzern seinen Deutschland-Personalchef vorläufig frei.

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Siemens-Firmensitz in München: Üppiges Vergütungsmodell
REUTERS

Siemens-Firmensitz in München: Üppiges Vergütungsmodell


München - In der Anfang dieser Woche bekannt gewordenen Affäre um eine sechsstellige Gehaltserhöhung für Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler zieht der Konzern erste Konsequenzen. Deutschland-Personalchef Walter Huber wird nach Informationen von SPIEGEL ONLINE vorläufig freigestellt, bis die internen Untersuchungen abgeschlossen sind. Huber hatte vor fünf Jahren das üppige Vergütungsmodell für den Arbeitnehmervertreter in Höhe von rund 300.000 Euro weitgehend ausgearbeitet.

Der Top-Manager, der zu den gewieftesten Strippenziehern im Hause zählt, war bereits im Zusammenhang mit illegalen Praktiken rund um die arbeitergeberfreundliche Betriebsräteorganisation AUB unter Druck geraten, konnte sich zunächst aber in seinem Amt halten.

Grund für Hubers vorläufigen Rückzug ist offenbar nicht nur der deutliche Gehaltssprung, den Adler mit Hubers Hilfe 2008 machte, als der IG-Metaller zum Gesamtbetriebsratschef aufstieg, sondern auch die absolute Höhe des ihm damals zugesicherten Salärs. Nach den herrschenden Richtlinien sollen freigestellte Arbeitnehmervertreter nicht schlechter gestellt werden als vergleichbare Kollegen, die im Unternehmen eine ganz normale Berufslaufbahn absolviert haben, aber eben auch nicht besser.

Bei dem gelernten Fernsehtechniker Adler könnte das der Fall gewesen sein. Er stieg - zumindest beim Gehalt - in eine Liga auf, in der sich bei Siemens sonst nur ein paar Dutzend Top-Manager tummeln. Das geht aus einer vertraulichen internen Aufstellung hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Demnach gab es im Jahr 2008, als Adler Gesamtbetriebsratschef wurde und auch gehaltsmäßig aufstieg, gerade mal fünf Hierarchiestufen unterhalb des Vorstands. Die oberste von ihnen wurde ausschließlich von der Konzernführung selbst besetzt. In der niedrigsten Kategorie bekamen die außertariflichen Kräfte zwischen knapp 80.000 und 120.000 Euro, davon bis zu 20 Prozent erfolgsabhängig. Schon in Stufe drei konnte die Vergütung bis zu 260.000 Euro erreichen. Adler jedoch wurde in der Ebene zwei eingruppiert, die bei 160.000 Euro beginnt und bei 330.000 Euro aufhört, und zwar am oberen Ende der Skala.

Warum Huber und seine Vorgesetzten sich so großzügig zeigten, wollen die internen Siemens-Ermittler nun mit ihm und seinen damaligen Vorgesetzten klären, Ex-Siemens-Chef Peter Löscher und dem aktuellen Chef der Industriesparte Siegfried Russwurm, der damals Arbeitsdirektor war. Bis ein Ergebnis feststeht, lässt Huber seine Funktion ruhen. Ein Vertrauter Löschers betont, der Ex-Siemens-Chef habe die Gehaltserhöhung für Adler weder betrieben noch selbst unterschrieben.

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insgesamt 86 Beiträge
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gerkaiser 11.10.2013
1. Falsche Bezeichnungen
Es gibt keinen Betriebsratschef, sondern einen oder eine vom Betriebsrat gewählte(r) Vorsitzende. Dieser ist in seinem Amt Gleicher unter Gleichen und vertritt den Betriebsrat gemäß seinen Beschlüssen und nicht in seinem Willen nach außen. Ein Blick in das Betriebsverfassungsgesetz könnte da hilfreich sein.
bolzenbrecher 11.10.2013
2. Die internen Siemens-Ermittler?
Dass ich nicht laut lache...was wollen die denn ermitteln? Von denen erwarte ich eher das Gegenteil. Also wenn bei den Ermittlungen irgendwas, auch nur das Geringste "ermittelt" werden, spendiere ich eine Runde Champagner für alle hier im Forum. Was für ein Theater!!
kleinruh 11.10.2013
3. Spitze des Eisbergs...
Zitat von sysopREUTERSEin Betriebsratchef erhält Bezüge wie ein Top-Manager - was steckt dahinter? Siemens zieht erste Konsequenzen aus der Gehaltsaffäre um Lothar Adler. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen stellt der Konzern seinen Deutschland-Personalchef vorläufig frei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-walter-huber-wird-vorlaeufig-freigestellt-wegen-lothar-adler-a-927368.html
Ich habe einige Jahre für SIEMENS gearbeitet. Bei solchen Nachrichtenmeldungen denke ich mir immer wieder dasselbe: ich bin kein bißchen überrascht! Es werden noch viele solcher Meldungen folgen. Und auch die werden mich kein bißchen überraschen.
smartphone 11.10.2013
4. erst der Anfang
wenn auf eine Bewerbung eines Hochqualifizierten Ings zwei (!) Absagen kommen .... Eine lautet man sei überqualifiziert ..... in der anderen man sei unterqualifiziert , tja ne da stellt sich die Frage, wer hier diaqualifiziert ist . Daß Siemens eher unter dem Tisch vor Lachen liegt , wenn sich Spitzenleute mal erlauben zu bewerben ist seit Jahren nix neues.... Das einzige was scheinbar heute zählt ist networking , strippenziehen etc , aber grundsolide Arbeit ..............
r.muck 11.10.2013
5. Ganz was Neues,
dass Betriebsräte mittels Entlohnung gefügig gemacht werden. Na sowas.
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