Löscher-Nachfolge Was der neue Siemens-Chef anpacken muss

Auf den neuen Macher bei Siemens kommt viel zu: Er muss die Scherben von Peter Löschers Erbe zusammenkehren und dann Tempo machen. Eine gigantische Aufgabe.

Siemens-Gebäude in Berlin: Schwieriges Erbe für den Neuen
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Siemens-Gebäude in Berlin: Schwieriges Erbe für den Neuen

Von manager-magazin.de-Redakteur


Hamburg - Es war nicht alles schlecht bei Siemens unter Peter Löscher - das ist in diesen Tagen immer wieder zu hören. Tatsächlich macht das Schlachtschiff der deutschen Industrie immer noch Milliardengewinne.

Doch offensichtlich hat Löscher nicht aus Siemens Chart zeigen herausgeholt, was möglich wäre. Die wichtigsten Baustellen muss nun sein Nachfolger abräumen, der voraussichtlich Joe Kaeser heißt. Ein Überblick.

  • Chaos beseitigen, Mannschaft zusammenschweißen

In den vergangenen Monaten hat der Münchner Industriekonzern ein jämmerliches Bild abgegeben. Immer wieder drangen Berichte über Fehden aus der Führungsetage nach draußen. Der neue Chef muss nun zuallererst die Autorität des Vorstandsvorsitzenden als Institution wieder herstellen.

Dazu wird wohl auch gehören, den Spartenchefs manche Kompetenz wieder wegzunehmen. Sie waren zuletzt beispielsweise damit überfordert, klare Vorgaben für Sparmaßnahmen in ihren Bereichen zu machen.

Und ob es der neue Chef will oder nicht - er muss auch wieder stärker auf die Arbeitnehmervertreter zugehen. Zuletzt war das Verhältnis der Führungsetage zu Betriebsrat und IG Metall gestört. Letztere vermissten eine langfristige Perspektive, genau wie die Anteilseigner.

  • Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen

Sechs Gewinnwarnungen in sechs Jahren: Peter Löscher hat mit seinen nicht gehaltenen Versprechen viel Vertrauen zerstört. Der Aktienkurs liegt 20 Prozent unter dem Niveau bei seinem Amtsantritt vor sechs Jahren, während der Dax seinen damaligen Stand in etwa wieder erreicht hat.

Der neue Chef wird es allerdings nicht leicht haben, die Gunst der Investoren zurückzugewinnen. Immerhin soll er aus dem alten Vorstand kommen - und der hat den Kredit auf den Märkten ja schließlich selbst verspielt. Gefragt ist daher jetzt nicht Großspurigkeit, sondern Demut und Glaubwürdigkeit.

  • Sinnvolle Ziele vorgeben

Wachstum um jeden Preis - diese Parole wird man bei Siemens künftig wohl seltener hören. Als fatal hat es sich unter Löscher erwiesen, das Umsatzziel auf Teufel komm raus auf 100 Milliarden Euro zu steigern; eine Vorgabe, die schon damals manchen Siemensianer erschauern ließ.

In der Folge nahm das Unternehmen zahlreiche Aufträge an, bei denen es draufzahlte. "Die Kosten sind explodiert, und die Profitabilität ist auf der Strecke geblieben", sagt Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Später musste Löscher einlenken - doch da war es bereits zu spät. Stärker im Mittelpunkt dürften auch für Löschers Nachfolger jetzt wieder die Margen in einzelnen Geschäftsbereichen stehen, die der Neue zudem besser kombinieren muss.

  • Geschäftsbereiche neu bündeln

Als Industriekaufhaus für die Welt ist Siemens von Natur aus ein komplexes und äußerst schwierig zu steuerndes Gebilde. Die große Kunst des Vorstandsvorsitzenden liegt darin, die Einzelteile des Konglomerats sinnvoll zu bündeln.

Löscher hatte damit zuletzt Pech. Insbesondere die recht frisch zusammengewürfelte Sparte Infrastruktur und Städte hat bisher nicht die Erwartungen der Investoren erfüllt. Der neue Chef muss nun die Sparte entweder auflösen und damit faktisch den gesamten Konzern neu strukturieren. Das wäre ein starkes Signal an die Finanzmärkte, würde das Unternehmen in der jetzigen Lage allerdings womöglich überfordern.

"Da der neue Chef wohl aus dem aktuellen Vorstand kommt, rechne ich mit einer gewissen Kontinuität", sagt NordLB-Analyst Wolfgang Donie. "Ansonsten könnte er das Gesicht verlieren." Somit sind zunächst wohl eher kleinere Eingriffe gefragt.

  • Gespür des Konzerns für Risiken schärfen

Zu den Gemeinplätzen der Kritik an Peter Löscher gehörte es, dessen fehlende Vision zu kritisieren. Tatsächlich hatte der Österreicher aber durchaus eine Vorstellung davon, von welchen Zukunftstrends der Konzern profitieren sollte: Die alternde Gesellschaft (Gesundheitssparte) und der Trend zur Nachhaltigkeit (Energie) gehörten dazu. Entsprechend sortierte Löscher Geschäftsfelder aus und nahm neue hinzu.

Dabei fehlte ihm jedoch oft der Riecher. Eines der besten Beispiele ist die Solarsparte. Als Siemens den israelischen Anbieter Solel Ende 2009 schluckte, zeichnete sich bereits ab, dass dessen Technologie Solarthermie in Schwierigkeiten geraten würde.

Zu diesem Zeitpunkt hatten chinesische Solarfirmen längst massenweise Maschinen zur Herstellung für Photovoltaikanlagen bestellt, die mit der Solarthermie im Bereich der alternativen Energien konkurrieren. Die so geschaffenen Überkapazitäten lösten einen dramatischen Preisverfall bei der Photovoltaik aus. Die Technik begann daraufhin beispielsweise in den USA einen Siegeszug auf Kosten der Solarthermie.

  • Tempo machen

Siemens muss früher merken, dass der Wind sich dreht. Das gilt rückblickend genauso für die Solarsparte wie auch für den Börsengang der Tochter Osram. Der wurde unter Löscher zur Hängepartie.

"Die Entscheidungsprozesse waren zu langatmig", urteilt Fondsmanager Speich. Es war dem Konzern nicht gelungen, die Tochter zu dem Zeitpunkt an die Börse zu bringen, als sie am wertvollsten war. Schließlich erlöste Siemens ein Viertel weniger für das Unternehmen, als es laut einem Gutachten wert war.

Die Beispiele Solar und Osram zeigen: Siemens muss in Zukunft flexibler und schneller reagieren. Sonst steht das Unternehmen am Rand und die Manager müssen zusehen, wie andere das Geschäft machen oder sie selbst Geld verlieren.

  • Neue Fehlerkultur schaffen

Zuletzt machte Siemens mit zahlreichen Pannen auf sich aufmerksam: Der neue ICE kommt nicht auf die Schiene, weil es an der Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt hapert. Die Umspannplattformen für Offshore-Windparks wurden nicht fertig. Von Windrädern an Land brachen Flügel ab.

Zu lange blieben diese Probleme dem alten Chef bei Siemens verborgen - und als er von ihnen erfuhr, war es zu spät. Künftig müssen Mitarbeiter kein schlechtes Gefühl dabei haben, rechtzeitig auf Probleme hinzuweisen. Unterm Strich fällt der Schaden dann geringer aus - und dann klappt es auch wieder mit den Gewinnprognosen.



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Seite 1
vonundzu1800 30.07.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSAuf den neuen Macher bei Siemens kommt viel zu: Er muss die Scherben von Peter Löschers Erbe zusammenkehren und dann Tempo machen. Eine gigantische Aufgabe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-was-der-neue-chef-tun-muss-a-913843.html
Wenn Siemens ein Global Player und Mischkonzern bleiben will muss es wieder in die Computer/Chip/Display und Geräteproduktion einsteigen. Da Löscher all diese Sparten verkauft hat um kurzfristig Geld in die Kassen zu spülen heißt es Geld in die Hand nehmen um dieses Know-how wieder einzukaufen. Siemens hat es da eigentlich gut mit seiner Banklizenz mit der es an Billiges Zentralbank Geld rankommt und die Zeit ist richtig dafür. Samsung war auch mal weit abgeschlagen und heute ist es der Weltweit größte und erfolgreichste Mischkonzern. Deutschland brauch ein deutsches Samsung und Europa auch. Die Zeit war noch nie reifer wie jetzt dies in Angriff zu nehmen.
_sct_ 30.07.2013
2. Siemens ist überall
Habe vor 10 jahren bei Siemens gearbeitet. Als die uns erzählten daß Leute entlassen werden sollen, habe ich mir was anderes gesucht und mußte feststellen: Es ist woanders nicht besser. Immer ist jemand anders Schuld, jeder sichert sich ab oder wartet auf Entscheidungen des nächsthöheren. Standorte sind nicht Partner sondern werden gegeneinander ausgespielt. Manche Standorte verlieren den Kampf. Bei Siemens jedoch macht man heute noch dieselben Fehler wie damals als die HICOM keiner mehr haben wollte und es keiner gemerkt haben will. Siemens hechelt dem markt immer hinterher. Es gibt nur sehr wenige Geschäftsfelder in denen Siemens wirklich *der* innovative Vorreiter ist. Schade!
Steuerzahler-01 30.07.2013
3. Immer mit sich selbst beschäftigt
so kenne ich die Siemens Welt seit vielen Jahren. Ein Umstrukturierungs- ,Spar- etc Programm jagt das nächste. Eine überbordende Complianceregelung und eine Bürokratie die einem den Atem nimmt. Ich hoffe der neue Vorstandsvorsitzende wird den Laden wieder als Großunternehmen führen und ausrichten. Drücken wir die daumen.
vroni1203 30.07.2013
4. Ja und dann ist es schade....
... dass nicht ein Ingenieur an die Spitze dieses Konzerns kommt. Ein Chef mit einem Faible für Technik und Innovationen. Natürlich wird es genug engagierte Techniker und Ingenieure dort haben. Es ist jedoch nur von Vorteil wenn der Chef hier auch über das Know-how verfügt.
helmutjorgsiebert 30.07.2013
5. Zurück in die Zukunft
Zurück in die Zukunft wird der Weg führen. Zurück in den Sumpf der Korruption, denn ohne Bakschisch verkauft man in der Welt noch nicht mal eine kleine Schraube für Sonnenkraftwerke ausserhalb der BRD, weg, weit weg aus dem Universum „Energiewende“ hinter dem Schwarzen Loch. Zurück zu bewährten Kraftwerken die Elektrizität aus Wasser, Kohle Gas und Atomkernen gewinnen. Hier gilt es nicht mehr das Gesicht zu waren sondern Schaden abzuwenden. So wird Siemens Zukunft aussehen: die Anleger haben es schon gemerkt.
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