Nach Kolumbien gelieferte Pistolen Staatsanwaltschaft klagt Sig-Sauer-Manager an

Dem deutschen Waffenhersteller Sig Sauer droht wegen mutmaßlich illegaler Waffenlieferungen nach Kolumbien eine Millionenstrafe. Nach vier Jahren wollen die Ermittler mehrere Manager vor Gericht stellen.

Sig-Sauer-Pistole SP 2022
AFP

Sig-Sauer-Pistole SP 2022


Die Staatsanwaltschaft in Kiel hat fünf Manager des Waffenherstellers Sig Sauer wegen eines nicht genehmigten Exports von Pistolen nach Kolumbien angeklagt. Zudem solle der Konzern für den Verkauf der knapp 37.000 Pistolen zwölf Millionen Euro zahlen, sagte Behördensprecher Axel Bieler. Man halte den Verkauf für illegal, sagte Bieler zu dem Waffengeschäft des Unternehmens mit Sitz im schleswig-holsteinischen Eckernförde.

Die Anklage wirft Sig Sauer vor, die Waffen zunächst in die USA und dann illegal weiter nach Kolumbien ausgeführt zu haben. Damit habe das Unternehmen wissentlich gegen die Außenwirtschaftsregeln verstoßen, sagte Bieler. Insgesamt habe Sig Sauer mehr als 70.000 Pistolen in die USA geliefert - und die Zusage gegeben, die USA seien der Endabnehmer.

Sig Sauer macht US-Regierung verantwortlich

Nachdem jedoch zahlreiche dieser Waffen in dem vom Guerillakrieg erschütterten Kolumbien aufgetaucht waren, leitete die Staatsanwaltschaft 2014 Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Unternehmens ein - und ließ auch Privathäuser der Firmeneigentümer durchsuchen. Nur mit den in Deutschland gefertigten Pistolen habe das US-Schwesterunternehmen von Sig Sauer seine Lieferverpflichtung nach Kolumbien erfüllen können, heißt es in der Anklage.

Denn für diese Pistolen habe es bis 2011 keine ausreichende Produktionsmöglichkeit in den USA gegeben. Das müsse auch den Managern klar gewesen sein, heißt es in der Anklage.

Insgesamt soll Kolumbien knapp 65.000 Pistolen vom Typ SP 2022 über das US-Verteidigungsministerium für 28,6 Millionen Dollar gekauft haben. Auch Scharfschützengewehre der Firma vom Typ SSG 3000 sollen in dem Krisenland gelandet sein.

Den Angeklagten drohen im Falle einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen. Franz von Stauffenberg, seit 2016 Geschäftsführer, wird in der Anklage nicht beschuldigt. Über die Eröffnung eines Prozesses entscheidet nun das Landgericht Kiel.

Sig Sauer zufolge erfolgten die Ausfuhren in die USA "stets rechtskonform". Nach Unternehmensangaben lieferte Sig Sauer Pistolen und Pistolenteile an die US-Tochter Sig Sauer Inc. Diese wiederum habe auf Basis eines Rahmenvertrages die US-Regierung mit Pistolen beliefert. Die damalige US-Regierung unter Präsident Barack Obama schließlich habe die kolumbianische Nationale Polizei durch die Lieferung von Kurzwaffen bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität unterstützt.

apr/dpa/AFP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.