Europäische Stahlindustrie Gabriel fordert Schutz vor chinesischen Billigimporten

Die europäische Stahlindustrie bekommt Hilfe gegen chinesischen Billigstahl: Sechs Länder, darunter Deutschland, haben die EU aufgefordert, die heimische Industrie gegen "unfaire Handelspraktiken" zu schützen.

Stahlproduktion (bei ThyssenKrupp): Industrie fordert Schutz gegen chinesische Importe
DPA

Stahlproduktion (bei ThyssenKrupp): Industrie fordert Schutz gegen chinesische Importe


Die Stahlindustrie in Europa fordert seit Langem einen besseren Schutz gegen billige Stahlimporte aus China. Jetzt bekommt sie offenbar Schützenhilfe aus der Politik: Deutschland und sechs weitere Länder haben die EU zum Handeln aufgefordert. Die heimische Industrie müsse gegen "unfaire Handelspraktiken" geschützt werden, verlangen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sowie Minister aus Italien, Großbritannien, Frankreich, Polen, Belgien und Luxemburg.

Das Schreiben, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert, sei auf den 5. Februar datiert. "Die Europäische Union kann nicht passiv bleiben, wenn wachsende Arbeitsplatzverluste und Schließungen von Stahlwerken zeigen, dass es eine erhebliche und drohende Gefahr eines Zusammenbruchs des europäischen Stahlsektors gibt", heißt es demnach in dem Schreiben.

Die EU solle sich gegen günstige Stahlimporte wehren, forderten die Unterzeichner. Laufende Anti-Dumping-Verfahren, in denen untersucht wird, ob Produkte aus China und Russland zu einem unrealistisch niedrigen Preis auf den europäischen Markt gespült werden, müssten schneller vorankommen. Auch gegen mutmaßlich unerlaubte Subventionen für die Stahlindustrie in Drittländern müsse die EU entschiedener vorgehen.

Eine Sprecherin der EU-Kommission versicherte, die Behörde handle "so schnell wie möglich" und verwies auf insgesamt 35 Anti-Dumping- oder Anti-Subventionsbeschlüsse gegen Billigstahl aus Drittländern. Die Stahlbranche in Europa hat mit dem Verfall der Stahl- und Rohstoffpreise zu kämpfen, auch Branchengrößen wie ArcelorMittal und ThyssenKrupp stehen unter Druck.

Vor dem Stahlgipfel der niedersächsischen Landesregierung an diesem Montag hatte der Präsident der deutschen Stahlindustrie bereits davor gewarnt, China als Marktwirtschaft anzuerkennen. "Wenn China unverdient von der EU als Marktwirtschaft eingestuft wird, kann sich die EU-Stahlindustrie nicht mehr gegen unfaire Einfuhren schützen. Es muss verhindert werden, dass China diesen Status erhält", sagte Hans Jürgen Kerkhoff der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Sobald ein Land als Marktwirtschaft anerkannt ist, werden Anti-Dumpingverfahren wesentlich schwieriger. Die EU will bis Dezember entscheiden, ob sie China als Marktwirtschaft anerkennt. Die chinesische Staatsführung hat daran großes Interesse. Der Schritt würde Chinas Position in Handelsstreitigkeiten mit der EU verbessern.

nck/dpa



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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
yvowald@freenet.de 08.02.2016
1. Schutzzölle sind out
Und ich glaubte immer, Schutzzölle seien out. Die "Märkte" geben doch das Preis-Leistungs-Verhältnis vor, oder?
marthaimschnee 08.02.2016
2.
sprach der Mann, der Zölle für vollkommen nutzlos hält
spon-facebook-1327031298 08.02.2016
3. Ricardo-Modell
wenn wir Stahl nicht zu den Kosten der Chinesen produzieren können, sollten wir eben den Stahl dort kaufen und etwas produzieren, was wir besser (billiger) können als die Chinesen. Das ist optimal für alle Beteiligten. Neue Einfuhrzölle schaden letztlich allen. Unser Wohlstand stammt aus der Globalisierung, wann kapiert auch die SPD das??
hartmut-brandt1 08.02.2016
4.
Zitat von spon-facebook-1327031298wenn wir Stahl nicht zu den Kosten der Chinesen produzieren können, sollten wir eben den Stahl dort kaufen und etwas produzieren, was wir besser (billiger) können als die Chinesen. Das ist optimal für alle Beteiligten. Neue Einfuhrzölle schaden letztlich allen. Unser Wohlstand stammt aus der Globalisierung, wann kapiert auch die SPD das??
Naja, schauen wir mal, was mit unserem Wohlstand passiert, wenn unsere Vorturner weiterhin die globalen Probleme nicht lösen.
genugistgenug 08.02.2016
5. Hat Gabriel wenigstens hier alles gelesen? (running gag)
Nach TTIP, usw. scheint Gabriel ein neues Thema entdeckt zu haben mit dem er in der Pressse landen kann. Letzte Woche kam die Nachricht, das Bilfinger seine Wassersparte für rund 200 Mio. (nach Abzug) an die Chinesen verkauft - auch anderswo wurde bereits kräftig verkauft und da kommt Gabriel hinterm Ofen vorgekrochen und trötet von Schutzzöllen. Schon vor Jahren brachten wir (den Scherz) dass die deustche Industrie überflüssig ist, denn die Chinesen müssen nur eine Mittagspause durchmachen um D. zu versorgen. Irgendwie riecht das alles nach großen Weltverwaltung (Wusnchtraum) - unter der Ägide der Sozen - oder eben nur 'Hauptsache in der Presse'.
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