Exklusive Reisegruppe im Vatikan Porsche-Jünger entern die Sixtinische Kapelle

Papst Franziskus wünscht sich eine Kirche für die Armen. Doch im Vatikan haben Porsche-Fans Vorfahrt: Eine Reisegruppe des Sportwagenbauers darf exklusiv in die Sixtinische Kapelle.

Sixtinische Kapelle vor Beginn des Konklave 2013: Porsche-Jünger im Anmarsch
AFP/ OSSERVATORE ROMANO

Sixtinische Kapelle vor Beginn des Konklave 2013: Porsche-Jünger im Anmarsch


Hamburg - Zu Autos scheint Papst Franziskus eher ein pragmatisches Verhältnis zu pflegen. Während einer Brasilien-Reise ließ er sich in einem Fiat chauffieren. Priestern, Nonnen, ja selbst Kardinälen, legt er die Nutzung von günstigen Wagen ans Herz. Dennoch hat Franziskus offenbar auch ein offenes Ohr für die Sehnsüchte von Sportwagen-Fans. Denn der Porsche Travel Club bekommt für Teilnehmer einer Rom-Reise einen exklusiven Zugang zu den Vatikanischen Museen.

Am heutigen Samstag sollen die Porsche-Jünger in Rom "einen ereignisreichen Tag voller einmaliger Erlebnisse und unvergesslicher Momente" erleben, verspricht der Sportwagenhersteller. Fünf Tage dauert die Reise. Für Samstagabend steht für den limitierten Teilnehmerkreis von 40 Personen der Besuch der Vatikanischen Museen auf dem Programm - "außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten" und mit exklusiver Führung, wie Porsche betont. "Im Anschluss an die exklusive Führung folgt direkt der nächste Höhepunkt: Ein einmaliges Konzert in der von Michelangelo ausgemalten Sixtinischen Kapelle", frohlockt der Veranstalter weiter. Danach wird dann noch im Museum getafelt. "Das festliche Abendessen findet inmitten der Ausstellung statt - umgeben von Meisterstücken weltberühmter Künstler wie Michelangelo oder Raffael."

Neben dem Tag in Rom steht eine zweitägige Tour im Porsche auf dem Programm - sie führt unter anderem auch zur päpstlichen Sommerresidenz nach Castel Gandolfo. So exklusiv das Programm, so exklusiv auch der Preis: Zwischen 4600 und 5000 Euro müssen die Teilnehmer zahlen. Wie viel davon der Vatikan kassiert, dazu hält sich der Kirchenstaat bedeckt.

Der britische "Telegraph" berichtete, es sei das erste Mal überhaupt, dass ein Papst die Sixtinische Kapelle für eine kommerzielle Veranstaltung eines Unternehmens freigebe. Doch wie passt das zu Franziskus' Versprechen, er wolle vor allem eine Kirche, die für die Armen da sei? Sehr gut passe das, erklärte der Verwaltungsdirektor der Vatikanischen Museen, Monsignore Paolo Nicolini. Denn Firmen wie Porsche würden im Gegenzug zur Nutzung der Sixtinischen Kapelle um eine Spende gebeten. "Es handelt sich um eine Initiative zur Unterstützung der päpstlichen Wohltätigkeitsprojekte", sagte Nicolini dem "Telegraph". "Das Angebot richtet sich an große Firmen, die damit einen Beitrag zur Nächstenliebe leisten können."

Die PR-Strategie des Vatikans lautet also: Der kapitalismuskritische Franziskus nutzt die Schätze seiner Kirche und die Sehnsüchte der Materialisten, um die Armen zu unterstützen.

Vatikan denkt über Besuchergrenze für Sixtinische Kapelle nach

Allerdings ist bisher nicht durchgedrungen, ob noch weitere Firmen außer Porsche Veranstaltungen in der Sixtinischen Kapelle gebucht haben. Diese wurde unter Papst Sixtus IV. zwischen 1477 und 1480 gebaut. Weltberühmt sind vor allem die Fresken von Michelangelo. Vor dieser imposanten Kulisse versammeln sich auch die Kardinäle, um hinter verschlossenen Türen den Papst zu wählen.

Allein das macht die Sixtinische Kapelle zu einem mystischen Ort. Entsprechend groß ist der Andrang von Touristen. Die Sixtinische Kapelle wird laut dem Direktor der Vatikanischen Museen jährlich von fast sechs Millionen Menschen besucht. Teils kommen mehr als 20.000 Besucher an einem einzigen Tag. Säure von Schweiß und Atemluft schadet den Fresken.

Erst vor wenigen Tagen verkündete der Vatikan, dass das neue Belüftungskonzept und auch ein neues Lichtkonzept installiert wurden. Um die Kapelle zu schützen, schließt der Vatikan nicht aus, dass irgendwann der Zugang beschränkt wird. Doch einen so exklusiven Einlass wie die Porsche-Jünger wird vorerst kein Tourist bekommen.

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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
infoalex 18.10.2014
1. Wo ist das Problem?
Sind Porsche-Fans oder ("Jünger") vielleicht Kriminelle oder Aussätzige? Wie sollen die den Vatikan nicht besuchen dürfen? Sind wir wieder soweit? *hb
Benzilla 18.10.2014
2. Na und?
Wenn Mercedes-Benz eine solche Tour anbietet, gibts da eine analoge Meldung? Was ist wenn Fiat solches tut? Audi? Piaggio? Worin liegt die Relevanz der Nachricht? Wenn Unternehmen freiwillig der "Kirche der Armen" spenden, ist das doch schön. Ich kann hier nichts unrechtes entdecken. Mich freut das, denn man weiss schon lange, dass die Angestellten von Porsche von einer sozialen Personalpolitik profitieren. Jetzt auch die Armen. Da fahr ich gerne Porsche.
daldner 18.10.2014
3. warum Porschefahrern ein besonderer
Hang zu Kunst und Kutur unterstellt wird, erschließt sich mir nicht - das sind ja neofeudalistische Anwandlungen. Oder sind Überholkunst und Lichthupenkultur gemeint?
merkur08 18.10.2014
4. Was fuer ein Klassenkampfgesabbel.........
Offensichtlich ist der Autor neidisch, dass die Spiegelbelegschaft keinen exklusiven Zutritt bekommen hat. Und daher muss dann natuerlich alles in den Dreck gezogen werden. Und umsonst war das ganze ja auf keinen Fall. Und wenn e seinen guten Zweck dient. Aber damit sind ja unsere linken Klassenkaempfer vom Spiegel ja ueberfordert.
Benzilla 18.10.2014
5.
Zitat von daldnerHang zu Kunst und Kutur unterstellt wird, erschließt sich mir nicht - das sind ja neofeudalistische Anwandlungen. Oder sind Überholkunst und Lichthupenkultur gemeint?
Nach meiner Erfahrung wird Lichthupenkultur vor allem von Turbodieselkombis ohne Modellbezeichnung von Aussendienstlern gepflegt. Früher vor allem MB und BMW, heute zumeist Audi und Opel. Wer weiss, was er hat, muss es nicht dauernd zeigen, und sich nicht dauernd beweisen.
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