Skandalbank: US-Abgeordnete fordern Ausweitung der Goldman-Ermittlungen

Die Betrugsaffäre um Goldman Sachs weitet sich aus: Rund 60 US-Parlamentarier verlangen in einem Brandbrief, weitere Transaktionen des Finanzhauses zu überprüfen. Mehr als 20 zusätzliche Geschäfte sollen verdächtig sein.

Goldman-Sachs-Zentrale in New York: Gift für das System Zur Großansicht
REUTERS

Goldman-Sachs-Zentrale in New York: Gift für das System

New York/Washington - Die US-Großbank Goldman Sachs darf nicht auf ein schnelles Ende der Ermittlungen gegen sie hoffen. Eine Reihe von Parlamentariern hat offenbar neue Hinweise auf illegale Machenschaften des Finanzhauses: In einem aktuellen Brandbrief fordern rund 60 Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses die US-Börsenaufsicht SEC auf, 24 weitere Transaktionen der Bank genauer überprüfen.

Die SEC wirft Goldman Sachs vor, riskante Wertpapiere mit unvollständigen Angaben vermarktet zu haben. Mehrere Anleger, darunter auch die deutsche Mittelstandsbank IKB Chart zeigen, verloren der SEC zufolge insgesamt rund eine Milliarde Dollar, während ein an dem Finanzprodukt beteiligter Hedgefonds in etwa genauso viel daran verdiente. Kritiker werfen dem Finanzinstitut zudem vor, die Finanzkrise durch ihr Vorgehen verschärft zu haben.

Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, dass die amerikanische Regierung dem Verdacht nachgeht, dass Goldman seine Anleger nicht nur in dem einen Fall geprellt haben könnte, den die SEC prüft - sondern noch in zahlreichen anderen. Der demokratische Senator Carl Levin, der den US-Finanzausschuss leitet, habe auf einer Pressekonferenz am Montag mit einem Papier-Päckchen gewedelt, das "so groß wie zwei Brotkisten" gewesen sei. Es handle sich um Kopien von E-Mails, die belegten, dass Goldman bei mehreren Finanzgeschäften "das eigene Interesse dem Kundeninteresse vorgezogen" habe, sagte Levin.

Für Lloyd Blankfein kommen die Vorwürfe zur Unzeit. Der Goldman-Sachs-Chef muss sich am Nachmittag zusammen mit anderen Top-Managern vor dem Finanzausschuss des US-Senats verantworten. Schon im Vorfeld war die Stimmung aufgeheizt: Levin warf der Bank vor, wie ein "Spielcasino" zu funktionieren. Die Konsequenzen hätten nicht nur die Kunden zu tragen, sondern "wir alle", sagte er. "Das Gift, das Goldman Sachs und andere geholfen haben, in unser System zu injizieren, hat einen unberechenbaren Schaden angerichtet."

Neue Mails belasten die Bank

Seit knapp zwei Wochen belastet der Vorwurf die gesamte Bankenbranche. Andere Institute hatten ähnliche Finanzprodukte aufgelegt. Anleger fürchten teure Schadensersatzklagen und eine härtere Regulierung.

Blankfein beteuert jedoch die Unschuld der Bank - und geht zum Gegenangriff über. Die Krise habe Investmentbanken in Verruf gebracht, sagte er jetzt. Es bildete sich der Stereotyp des gierigen Bankers heraus, der um seiner eigenen fetten Boni willen mit windigen Geschäften die gesamte Wirtschaft in den Abgrund reißt.

Tatsächlich aber würden seine Mitarbeiter der Regierung helfen, sagte Blankfein. Sie würden Geld für Schulen oder Straßen auftreiben.

"Wir haben sicherlich nicht gegen unsere Kunden gewettet", beteuert der Manager. Sein Haus habe keinesfalls auf fallende Immobilienpreise gesetzt; es habe keineswegs vom Leid anderer Anleger profitiert. Im Gegenteil: Goldman Sachs habe Geld verloren. Viel Geld. Rund 1,2 Milliarden Dollar.

Unterlagen des US-Senats sprechen eine andere Sprache. Seit Samstag werden immer neue E-Mails öffentlich, denen zufolge Goldman in der Hypothekenkrise viel Geld verdient hat. Und Blankfein hat sich damit gebrüstet.

"Natürlich sind auch wir nicht von dem Hypotheken-Chaos verschont geblieben", schrieb der Boss demzufolge 2007 in einer E-Mail an die Belegschaft, die Samstag das erste Mal öffentlich wurde. Die Bank büße zwar auf der einen Seite durch den Verfall von Immobilienpreisen Geld ein, auf der anderen Seite "haben wir mehr verdient, als wir verloren haben". Denn: Das Institut spekulierte auf den Preisverfall, womit sich an der Börse viel Geld verdienen lässt.

Der hochrangige Manager Donald Mullen stellte im Oktober desselben Jahres in einer E-Mail über die Entwicklung einiger Hypothekenkredite fest: "Es sieht ganz danach aus, als ob wir richtig Geld machen würden."

Am Montag wurden neue Mails öffentlich. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert aus einem Schreiben eines Goldman-Angestellten aus dem Jahr 2007. Er habe ein "sehr schlechtes Gefühl" wegen einiger Geschäfte, die die Bank mit Kunden abgeschlossen habe. Der Schaden sei "beträchtlich", heißt es in der E-Mail, an Daniel Sparks, den früheren Chef von Goldmans Immobiliensparte.

yes/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. Nur GS?
paul sartre 27.04.2010
Zitat von sysopDie Betrugsaffäre um Goldman Sachs weitet sich aus: Rund 60 US-Parlamentarier verlangen in einem Brandbrief, weitere Geldflüsse des Finanzhauses zu überprüfen. Mehr als 20 zusätzliche Geschäfte sollen verdächtig sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,691533,00.html
Weshalb immer nur Goldman Sachs? Weshalb nie DB?
2. Special relationsship
Stammzelle 27.04.2010
endlich habe ich kapiert, worum es in dieser "Special Relationsship" der Amis mit den Briten geht. Das ganze angelsächsische Bankenwesen ist in seiner Gesamtheit OK (Organisierte Kriminalität) zur Bereicherung der korrupten Eliten in beiden Ländern. Die Mafia ist dagegen ja fast eine Verbindung von Ehrenmännern.
3. ist doch klar
orion4713 27.04.2010
Zitat von paul sartreWeshalb immer nur Goldman Sachs? Weshalb nie DB?
weil Ackermann mit Merkel Geburtstag gefeiert hat!
4. Brandherd GS
primatologe 27.04.2010
Zitat von paul sartreWeshalb immer nur Goldman Sachs? Weshalb nie DB?
Weil vernünftige Menschen immer vom Infektionsherd ausgehen, und der heisst Goldman-Sachs.
5. Acki wird es auch noch treffen
Albedo4k8 27.04.2010
Zitat von paul sartreWeshalb immer nur Goldman Sachs? Weshalb nie DB?
Keine Sorge der Acki bekommt auch noch sein Fett weg vermuttlich nicht in Dtld. dank der Kompetenzbolzen Merkel+Co aber in derren US/GB-Niederlassungen
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Die Akteure in der Goldman-Affäre
Goldman Sachs
Die US-Investmentbank soll Investoren um eine Milliarde Dollar geprellt haben. Die Börsenaufsicht SEC hat eine Zivilklage gegen die Bank eingereicht. Im Zentrum der Klage: Sogenannte "collateralized debt obligations" (CDO). Die fragliche CDO trug den Namen "Abacus 2007-AC1". Dieses "synthetische" Spekulationsvehikel war nichts anderes als ein Portfolio aus weiteren Kunstprodukten: "Credit default swaps" (CDS) - virtuelle Versicherungsverträge, mit denen sich Großbanken gegen Verluste auf dem Immobilienmarkt absicherten.

Der Hedgefonds-Milliardär John Paulson soll von Anfang an auf ein Scheitern von "Abacus" spekuliert haben - und zwar mit dem Wissen der Goldman-Sachs-Verantwortlichen. Die Bank streitet die Vorwürfe als "völlig haltlos" ab und will sich und die eigene Reputation "energisch verteidigen".

Fabrice Tourre
Der aus Frankreich stammende Manager galt als Jungstar bei Goldman Sachs - Spitzname "fabelhafter Fab". Seine Aufgabe war es unter anderem, das "Abacus"-Paket an die Investoren zu verkaufen. Nach Bekanntwerden der Klage tauchte er ab und ließ über seinen Rechtsanwalt jeden Kommentar verweigern.
John Paulson
Der Vorwurf der Börsenaufsicht SEC: Der legendäre Hedgefonds-Milliardär John Paulson soll die Zusammensetzung von "Abacus" zu seinen Gunsten gesteuert haben. Paulson soll demnach von Anfang an auf ein Scheitern des Pakets spekuliert haben - und manipulierte das Portfolio mit Billigung Goldmans entsprechend, indem er nur "schwache" CDS darin gebündelt habe. Er habe, so zitiert die SEC einen Mitarbeiter, auf ein "Wipeout-Szenario" gehofft.
Börsenaufsicht SEC
Die US-Börsenaufsicht wirft Goldman Sachs vor, Investoren hintergangen zu haben, indem die Bank ihnen die Risiken des komplexen Investmentprodukts vorenthalten habe. 22 Seiten mit vernichtenden Fakten, Indizien, E-Mails und internen Memos hat die SEC in ihrer Betrugsklage gegen die Bank und einen Vizepräsidenten zusammengestellt.
Finanzmakler ACA
Die renommierte Finanzfirma verlieh dem CDO ihr Gütesiegel. Was weder ACA noch die Investoren nach Ermittlungen der SEC wussten: Paulson habe von Anfang an auf ein Scheitern des Pakets spekuliert - und das Portfolio mit Billigung Goldmans entsprechend manipuliert, indem er nur "schwache" Kreditausfallversicherungen darin gebündelt habe. Ein früherer enger Mitarbeiter soll laut TV-Berichten aber zu Protokoll gegeben haben, dass ACA über die Leerverkaufstrategie Paulsons sehr wohl informiert worden sei.
IKB
Einer der Geschädigten war die deutsche IKB. Die Mittelstandsbank investierte rund 150 Millionen Dollar in "Abacus 2007-AC1". Der Deal endete in einem Desaster. Nur Monate später waren die Anlagen wertlos. Die IKB verlor laut Börsenaufsicht SEC fast ihr gesamtes Investment.

CDO
Was sind CDOs?
Als Collateralized Debt Obligation, kurz CDO, bezeichnet man eine bestimmte Klasse Finanzprodukte. In CDOs werden zahlreiche Wertpapiere zu neuen Paketen zusammengeschnürt - Papiere mit hohem Ausfallrisiko werden dabei mit sichereren Anlagen kombiniert.
Wie setzen sie sich zusammen?
CDOs werden in drei Tranchen aufgeteilt: Senior, Mezzanine und Equity. Anleger können die unterschiedlichen Tranchen kaufen und erhalten, je nach Ausfallrisiko, unterschiedliche Zinsen. Das Ausfallrisiko steigt, da die Tranchen im Falle von Abschreibungen nacheinander bedient werden: Besitzer von Senior-Tranchen erhalten vor denen von Mezzanine-Tranchen ihr Geld zurück - und diese vor Besitzern der Equity-Tranche.
Kritik
CDOs sind in der Finanzkrise massiv in die Kritik geraten, denn sie lassen risikobehaftete Kreditforderungen wie sichere Investments aussehen. Zahlreiche Anleger fielen darauf herein.