Hamburg/Frankfurt am Main - Bei der HSH Nordbank dreht sich derzeit alles um eine Frage: Wie wird der Abgang von Noch-Chef Dirk Jens Nonnemacher gestaltet? Und: Wie teuer wird das für die Landesbank?
Laut "Süddeutscher Zeitung" prüft der Aufsichtsrat der Skandalbank eine fristlose Kündigung des Managers. Falls ihm Verfehlungen nachweisbar seien, müsse eine Kündigung ausgesprochen werden, zitiert die Zeitung Aufsichtsratskreise. Derzeit würden alle Optionen untersucht, die "Art der Trennung" sei jedoch noch offen.
Falls Nonnenmacher Anspruch auf eine Erfüllung seines Vertrags habe und mehrere Millionen Euro ausgezahlt werden müssten, wolle dies der Aufsichtsrat nur unter Vorbehalt genehmigen, schreibt die "SZ". In den Vertrag solle dann eine Rückerstattungsklausel für den Fall aufgenommen werden, dass Nonnenmacher später wegen Straftaten verurteilt werde.
Gegen den noch amtierenden Bankchef wird wegen einer Reihe von Vorwürfen ermittelt - zunächst wegen umstrittener Finanzgeschäfte der HSH, die vorübergehend die Existenz der Bank bedrohten, und nun wegen der Spitzelaffäre, in der mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln. Dabei geht es um den Vorwurf, missliebigen Managern seien fingierte Beweismittel untergeschoben worden, um sie loszuwerden. Nonnenmacher beteuert seine Unschuld. Die HSH-Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein hatten sich dennoch in der vergangenen Woche auf seine Entlassung geeinigt, und dies mit einem Vertrauensverlust begründet.
Magazin: Einvernehmliche Lösung wird angestrebt
Der "Focus" schreibt jedoch anders als die "SZ", Hamburg und Schleswig-Holstein wollten sich einvernehmlich von Nonnenmacher trennen. Das gehe aus einem internen Brief von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hervor. Laut dem Magazin schrieb Kopper an den Aufsichtsrat, er sei telefonisch von den Regierungschefs der Mehrheitseigner gebeten worden, eine "einvernehmliche Trennung von Professor Nonnenmacher einzuleiten". Details würden erst bekanntgegeben, "wenn eine für beide Seiten akzeptable und faire Lösung der vertraglichen Ansprüche gefunden ist und gleichzeitig ein Nachfolger benannt werden kann", hieß es. Das Pikante an dieser Lösung: Bei einer einvernehmlichen Lösung hätte die HSH eine Abfindung zu zahlen.
Der Hamburger Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan erklärte jedoch am Sonntag, in der Koalition sei nicht beschlossen worden, dass es eine einvernehmliche Trennung geben solle. "Ich gehe davon aus, dass die Regierungschefs Herrn Kopper das auch unmissverständlich so mitgeteilt haben." Einen automatischen Abschied mit goldenem Handschlag ohne Prüfung aller anderen Optionen dürfe es nicht geben. Eine Sprecherin des Hamburger Senats sagte lediglich: "Zu den Modalitäten der Trennung von Herrn Nonnenmacher nehmen wir keine Stellung."
Hamburgs Bürgermeister Christoph Ahlhaus und der Kieler Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hatten bei der Ankündigung, sich von Nonnenmacher zu trennen, offengelassen, ob diese einvernehmlich erfolgen und damit eine Abfindung gezahlt werden solle. Laut "Süddeutsche" will die in der Sache ermittelnde Finanzaufsicht Bafin noch im November erste Prüfergebnisse vorlegen. Davon könnte abhängen, ob Nonnenmacher Anspruch auf eine Abfindung hat. Die HSH und die Bafin äußerten sich nicht dazu.
Der Bund der Steuerzahler kritisierte eine mögliche Abfindung in Millionenhöhe. "Wenn zwei Landesregierungen Herrn Nonnenmacher das Vertrauen entzogen haben, muss es dafür triftige Gründe geben. Und für die darf es keinen goldenen Handschlag geben", sagte Reiner Holznagel, Vizepräsident beim Bund der Steuerzahler, der "Bild am Sonntag".
Wie der umstrittene Manager es an die Spitze der Landesbank schaffte, mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte und was ihn letztlich das Amt kostete - Chronologie eines Niedergangs:
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