Hamburg/Kiel - Der umstrittene Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, muss seinen Posten räumen. Die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein forderten den Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper dazu auf, die Schritte zur Trennung von dem 47-Jährigen einzuleiten, sagte der Kieler Regierungssprecher Knut Peters am Dienstag.
Auch in Hamburg war zu diesem Thema der Senat zusammengekommen. Die Sprecherin des Senats sagte, Kopper habe signalisiert, dass er die Anfrage der Landesregierungen umsetzen werde. Der Aufsichtsrat will bei seiner nächsten ordentlichen Sitzung am 2. Dezember über die Absetzung beraten.
Wer Nonnenmachers Nachfolger wird, teilte sie nicht mit. Sie sagte aber, beide Landesregierungen erachteten Nonnenmachers Entlassung als notwendig, "um verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen". Ein Journalist wollte darauf wissen, auf wen sich das verlorengegangene Vertrauen beziehe - auf die Landesregierungen oder auf die Bank. Die Sprecherin antwortete: "Auf beide."
Hamburg und Schleswig-Holstein halten gemeinsam 85,5 Prozent an der Bank. Nach SPIEGEL-Informationen hatten sich die Landesregierungen schon am Sonntag auf Nonnenmachers Entlassung geeinigt.
Die Landesregierungen reagierten auf die immer neuen Affären rund um die Bank und ihren Vorstandsvorsitzenden. Nonnenmacher steht seit Monaten in der Kritik. Die Staatsanwaltschaft Kiel geht seit längerem dem Verdacht nach, dass das frühere Vorstandsmitglied Frank Roth mit schmutzigen Tricks aus der Bank entfernt worden ist. Roth war im April 2009 fristlos gekündigt worden, weil er Journalisten angeblich Geschäftsgeheimnisse gesteckt haben soll. Mittlerweile geht die Staatsanwaltschaft aber davon aus, dass er das Opfer einer falsch gelegten Spur geworden ist. Diese sollte dazu dienen, ihn ohne Abfindung loszuwerden.
Obendrein baute das Sicherheitsunternehmen Prevent im Auftrag der HSH-Nordbank ein Quellennetzwerk auf, um missliebige Kritiker zu beobachten. Nach SPIEGEL-Informationen fungierte die Firma offenbar als privater Geheimdienst für Bankchef Nonnenmacher. Allein 2009 hat sie Dienstleistungen für mehr als sieben Millionen Euro bei der HSH und deren Tochterunternehmen abgerechnet.
In einem weiteren Ermittlungsverfahren untersucht die New Yorker Staatsanwaltschaft dubiose Umstände beim Rauswurf des dortigen HSH-Chefs. Hier lautet der Vorwurf, dass dem Filialleiter Kinderporno-Fotos untergeschoben wurden, um ihn entlassen zu können.
Prevent und Nonnenmacher weisen alle Anschuldigungen zurück.
Die Politik gesteht dem Mathematik-Professor zwar zu, dass er die angeschlagene Bank nach der schweren Finanzkrise recht schnell wieder in ruhigeres Fahrwasser gebracht hat. Dennoch wollten vor allem die kleineren Koalitionspartner in Hamburg und Kiel - Grüne und FDP - das Verhalten Nonnenmachers nicht mehr akzeptieren. Das Fass zum Überlaufen brachten Vorwürfe, Nonnenmacher habe Mitarbeiter und Politiker durch die Sicherheitsfirma Prevent AG bespitzeln lassen.
Wie der umstrittene Manager es an die Spitze der Landesbank schaffte, mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte und was ihn letztlich das Amt kostete - Chronologie eines Niedergangs:
ssu/kar/dapd/dpa
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