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Skandalinstitut IKB: Klamme Bank ködert mit hohem Zins

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Die Skandalbank IKB lockt Sparer mit ungewöhnlich hohen Zinsen: Wer sich für drei Jahre festlegt, bekommt vier Prozent pro Jahr - ein Top-Wert. Doch hinter dem Angebot steckt möglicherweise ein Problem: Die Bank kommt auf anderem Wege nur schwer an frisches Geld.

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IKB-Chef Hans Jörg Schüttler: Die Bank geht durch schwere Zeiten

Hamburg - Sie war die erste deutsche Bank, die in der Finanzkrise vor der Pleite gerettet werden musste. Viereinhalb Jahre ist das nun her. Doch richtig erholt hat sich die IKB immer noch nicht. Die Düsseldorfer Bank, die inzwischen dem US-Finanzinvestor Lone Star gehört, ist offenbar erneut knapp bei Kasse. Und weil sie am Finanzmarkt anscheinend kaum noch an frisches Geld kommt, leiht sie es sich eben von den Privatkunden - zu ziemlich hohen Zinsen.

Über ihr Online-Angebot IKB direkt bietet die Bank allen Sparern, die ihr Geld für drei Jahre bei ihr festlegen, vier Prozent Zinsen pro Jahr. Das ist viel in diesen Zeiten, in denen der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei einem Prozent liegt. Von der Zeitschrift "Finanztest" erhielt die IKB deshalb in der Januarausgabe das Prädikat "Testsieger".

In der Tat können sich die Kunden der Bank über die hohen Zinsen freuen. Sorgen müssen sie sich kaum. Schließlich ist die IKB Mitglied im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken - und der schützt laut Auskunft des Bankenverbandes alle Sicht-, Termin- und Spareinlagen bis zu 654,75 Millionen Euro pro Kunde. Das dürfte für die meisten Sparer ausreichen.

Die IKB ist zudem nicht das einzige Institut, das sich derzeit um das Geld der Privatkunden bemüht. Mit vergleichbaren Angeboten locken zum Beispiel auch die Bank of Scotland und der deutsche Ableger der russischen VTB. Doch die extrem hohen Zinsen sind ein Alarmzeichen. Sie zeigen, wie dringend das Institut auf das Kapital der Sparer angewiesen ist.

Anleihen über 7,3 Milliarden Euro laufen aus

Dass die IKB knapp bei Kasse ist, ist kein Geheimnis. Schon im Ende November veröffentlichten Geschäftsbericht heißt es: "Eine wichtige Herausforderung für die IKB stellt eine ausreichende Finanzierung für die geplanten Geschäftsaktivitäten und die Rückführung ausstehender Anleihen dar."

Die Bank hat sich seit Beginn der Krise vor allem mit Anleihen finanziert, die durch den staatlichen Rettungsfonds Soffin garantiert wurden. Doch den Soffin gibt es seit Ende 2010 nicht mehr. Und bis Februar kommenden Jahres laufen alle alten IKB-Papiere mit Staatsgarantie aus. Insgesamt 7,3 Milliarden Euro muss die Bank bis dahin zurückzahlen. Doch woher nehmen? Die ersten 1,2 Milliarden Euro werden bereits am 27. Januar fällig, also in knapp drei Wochen.

Am Finanzmarkt bekommt die Bank derzeit offenbar kaum frisches Geld - zu groß ist das gegenseitige Misstrauen in der Branche und zu heikel wohl die Lage der IKB. So türmen sich in den Geschäftsbüchern zum Beispiel noch immer italienische Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Im Ende September ausgelaufenen Geschäftshalbjahr stand ein Verlust von 312 Millionen Euro zu Buche.

"Geschäfte macht mit denen schon länger kaum jemand mehr", sagt ein Brancheninsider. Eine IKB-Anleihe ohne Soffin-Garantie, die noch vor der Krise ausgegeben wurde, wird am Markt derzeit mit mehr als 35 Prozent Abschlag zum Ausgabekurs gehandelt - die Anleger schätzen das Risiko, ihr Geld nicht zurückzubekommen, also als extrem hoch ein.

Als letztes bliebe der Gang zum Rettungsfonds

Die Bank selbst gibt sich bei dem Thema wortkarg. Auf Anfrage verweist ein Sprecher auf den letzten Geschäftsbericht. Dort ist zu lesen, die IKB sei durch die Soffin-Anleihen, den Verkauf von Wertpapieren und die "Hereinnahme von Kundeneinlagen" noch "bis weit in das Jahr 2012 auch ohne Zugang zur Kapitalmarktrefinanzierung auskömmlich mit Liquidität versorgt". Auch ein "temporärer unerwarteter Liquiditätsbedarf" sei so zu überbrücken. "Aus unserer Sicht hat sich seitdem nichts geändert", heißt es bei der Bank.

Die Finanzaufsicht BaFin teilte auf Anfrage mit, sich grundsätzlich nicht zur Situation einzelner Institute zu äußern. Auch das Bundesfinanzministerium will zur Geschäftspolitik der Bank keine Auskünfte geben, verweist jedoch darauf, dass die IKB "wie alle Banken in Deutschland strengen Regeln und der Kontrolle der Bankenaufsicht" unterliege. "Bis zum Auslaufen der vom Soffin garantierten Anleihen unterliegt sie darüber hinaus der spezifischen Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung."

Eine mögliche Finanzierungsquelle für klamme Institute ist in diesen Tagen die Europäische Zentralbank (EZB). Die versorgt die Geschäftsbanken Europas derzeit so üppig und billig mit Geld, dass die meisten von ihnen keine Liquiditätssorgen mehr haben. In einem bisher einmaligen Geschäft verlieh die EZB kurz vor Weihnachten fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre - und das zu einem Mini-Zins von einem Prozent. Statt Sparern für den gleichen Zeitraum vier Prozent Zinsen zu bieten, hätte die IKB also einfach hier zugreifen können.

Allerdings verlangt die EZB für das Geld sogenannte notenbankfähige Sicherheiten. Dazu zählen vor allem Staatsanleihen, aber zum Beispiel auch Bankschuldverschreibungen. Wer davon nicht genug hat, bekommt kein Geld. Als Mittelstandsbank hat die IKB vor allem Unternehmenskredite in ihren Büchern. Die können zwar grundsätzlich auch als notenbankfähige Sicherheiten anerkannt werden - doch die Prüfung durch die Bundesbank ist aufwendig und führt nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Als letzte Möglichkeit stünde der IKB bald wieder der staatliche Rettungsfonds offen. Die Bundesregierung hat im Dezember bereits beschlossen, den Soffin in diesem Jahr wiederzubeleben, um strauchelnde Banken aufzufangen. Nur der Bundestag und der Bundesrat müssen noch zustimmen. Die IKB würde schon wieder zu den ersten Kandidaten gehören.

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1.
Altesocke 06.01.2012
Zitat von sysopDie Skandalbank IKB lockt Sparer mit ungewöhnlich hohen Zinsen: Wer sich für drei Jahre festlegt, bekommt vier Prozent pro Jahr - ein Topwert. Doch hinter dem Angebot steckt*möglicherweise ein Problem: Die Bank*kommt auf anderem Wege nur schwer an frisches Geld. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807212,00.html
Wieso gab es kein billiges Geld von der EZB, fuer die IKB? Falls doch: Warum nun diese aktion, und warum ist der Vorstand noch nicht gefeuert?
2.
faramira 06.01.2012
Zitat von AltesockeWieso gab es kein billiges Geld von der EZB, fuer die IKB? Falls doch: Warum nun diese aktion, und warum ist der Vorstand noch nicht gefeuert?
Wo sollen sie denn hin? Bei der ARGE gibt es so viele Vorstandsposten in Geldinstituten nicht. Auf den Bahamas sind wohl schon die anderen.
3. genau ...
ekznamu 06.01.2012
Zitat von AltesockeWieso gab es kein billiges Geld von der EZB, fuer die IKB? Falls doch: Warum nun diese aktion, und warum ist der Vorstand noch nicht gefeuert?
Kann das mal jemand vom Fach erklären ? Das Geld können sich doch alle zugelassenen Banken zu 1% holen, oder sehe ich das falsch ? Das wurde doch gerade aufgelegt, weil der Interbankenmarkt stockt. Warum dann noch Kunden ködern zu 4% ?
4.
muellerthomas 06.01.2012
Zitat von ekznamuKann das mal jemand vom Fach erklären ? Das Geld können sich doch alle zugelassenen Banken zu 1% holen, oder sehe ich das falsch ? Das wurde doch gerade aufgelegt, weil der Interbankenmarkt stockt. Warum dann noch Kunden ködern zu 4% ?
Bei der EZB bekommt man nur Geld, wenn man über EZB-fähige Sicherheiten verfügt. Zudem laufen die EZB-Tender meist 7 Tage.
5. Erst: Nachdenken Dann: Posten
color106 06.01.2012
Zitat von AltesockeWieso gab es kein billiges Geld von der EZB, fuer die IKB? Falls doch: Warum nun diese aktion, und warum ist der Vorstand noch nicht gefeuert?
Billiges Geld der EZB? Erstens, weil die EZB den Banken nur (sehr) kurzfristiges Geld leiht und die IKB ganz offensichtlich Bedarf im 3-Jahres-Bereich hatte. Das ist auch nichts Unübliches, denn wie wir ja alle wissen (siehe Ursache der ersten Bankenkrise) sollte man langfristige Ausleihungen besser auch langfristig refinanzieren. Zweitens verlangt auch die EZB bestimmte Sicherheiten, z. B. Wertpapiere. Wenn die nicht vorhanden sind, dann muss man sich Geld eben woanders beschaffen. Auch dies durchaus nichts Ungewöhnliches. Normalerweise geht man dann als Bank eben an den Kapitalmarkt, was aber für die IKB grad' nicht funktioniert. Warum der Vorstand noch nicht gefeuert wurde? Weil der Eigentümer der IKB hoffentlich mehr Ahnung vom Geschäft hat, als Altesocke. Wenn die IKB Geld braucht (was jede Bank tut, wenn sie Geschäft machen will) und sie es aus den üblichen Quellen - aus welchem verrückten Grund auch immer - nicht bekommt, dann muss der Vorstand natürlich handeln und andere Quellen auftun. Ein Sonderangebot an Privatkunden ist - betriebswirtschaftlich gesehen - whrscheinlich nicht gerade ein Highlight für die Bank (und ob ich da Anlager sein wöllte, ist noch einmal eine andere Frage). Aber wenn der Vorstand NICHTS tun würde, DANN wäre das ein Grund, ihn zu feuern. Um das klarzustellen: Die Frage der Existenzberechtigung einer Bank wieder der IKB stellt sich m. E. durchaus. Und ich will auch nicht das jahrelange Missmanagement in diesem Haus rechtfertigen. Für diese Bank wurde bei fraglicher Wettbewerbsfähigkeit in der Tat (öffentliches und privates!) Geld verschleudert. Was mir gegen den Strich geht, sind die unqualifizierten Kommentare einiger Forumsschreiberlinge.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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