London/Washington - Der Wachwechsel an der Spitze der Deutschen Bank
bleibt eine hochkomplizierte Angelegenheit. Zunächst zog sich die Auswahl eines Nachfolgers für
Josef Ackermann ewig hin, dann schließlich entschied man sich nach langem Ringen für
den indischstämmigen Überflieger Anshu Jain und den bodenständigen Niedersachsen Jürgen Fitschen, die gemeinsam eine Doppelspitze bilden sollten. Ackermann sollte als Aufsichtsratschef die Balance zwischen dem übermächtigen Investmentbanking und dem klassischen Kreditgeschäft sicherstellen.
Das sorgfältig austarierte Kräfteverhältnis könnte jedoch leicht wieder aus dem Gleichgewicht geraten. Denn es ist offensichtlich alles andere als sicher, dass die großen Aktionäre diesem Plan zustimmen. Es gebe schon erste Überlegungen für ein Szenario ohne Ackermann, sagte ein Insider am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Unterstützung ist nicht garantiert." Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab.
Ackermann will den Vorstandsvorsitz auf der Hauptversammlung im Mai 2012 an seine Nachfolger abgeben. Für eine einflussreiche Rolle des Bankchefs im Aufsichtsrat hatten sich besonders die Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium stark gemacht. Sie befürchten, dass unter der Führung Jains das riskante Investmentbanking zu großes Gewicht bekommt.
Allerdings ist ein unmittelbarer Wechsel vom operativ tätigen Vorstand ins Aufsichtsgremium nach den Prinzipien der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) nicht statthaft. Ausnahmen sind an schwierige Bedingungen geknüpft. Ackermann müsste von Aktionären vorgeschlagen werden, die zusammen mehr als 25 Prozent der Stimmrechte haben. Wenn die großen Anteilseigner nicht mitziehen, wird das mühsam.
Zu den größten Aktionären zählen Blackrock, Amundi Asset Management, Norges Bank Investment Management und die hauseigene Fondsgesellschaft DWS Vermögensbildungsfonds I
. Sie alle haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Unabhängigkeit des Kontrollgremiums hochzuhalten und sind teils an interne Richtlinien gebunden. Blackrock sagte auf Nachfrage lediglich, jeder Fall werde individuell beleuchtet. Wie die Entscheidung in Sachen Ackermann ausfällt, wollte der weltgrößte Vermögensverwalter nicht sagen.
mik/Reuters
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