Sky in Nöten Bundesliga bangt um ihren Zahlmeister

Der deutsche Fußball sorgt sich ums liebe Geld: Die Vereine bangen um den Pay-Fernsehsender Sky - den größten Finanzier der Liga. Das Unternehmen verbrennt Unsummen, ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Mächtige Konkurrenz hat sich bereits in Stellung gebracht.

Von , Frankfurt am Main

Moderatorenpult im Stadion: Der Sky-Aktienkurs dümpelt bei einem Euro
dpa

Moderatorenpult im Stadion: Der Sky-Aktienkurs dümpelt bei einem Euro


Die Zeit des Darbens ist vorbei, zumindest für die Fans. An diesem Freitag startet die Bundesliga-Saison, Bayern gegen Wolfsburg lautet die erste Partie (SPIEGEL-ONLINE-Liveticker, 20.30 Uhr). Damit dürfte die Sportwelt für die meisten Deutschen wieder in Ordnung sein.

Hinter den Kulissen allerdings brodelt es. Die Probleme des Bezahlfernsehsenders Sky bereiten den Clubmanagern große Sorge. Denn Sky Deutschland Chart zeigen ist der größte Geldgeber der Deutschen Fußball Liga (DFL): Der Sender zahlt rund 250 Millionen Euro pro Saison für die Live-Übertragung der Spiele. Das Geld geht an die in dem Verband vereinigten Clubs. Doch die Zukunft des Pay-TV-Anbieters ist unsicherer denn je.

Die Aktie, die vor einigen Jahren noch bei 17 Euro lag, ist nur noch wenig mehr als einen Euro wert. Im vergangenen Quartal standen unterm Strich wieder einmal tiefrote Zahlen. 82 Millionen Euro Verlust fielen an - in nur drei Monaten. Vor kurzem musste angesichts der chronischen Geldnot die siebte Kapitalerhöhung seit dem Börsenstart 2005 verkündet werden. Diesmal schoss Haupteigner Rupert Murdoch rund 340 Millionen Euro zu.

Für die Bundesliga-Clubs kommen die Probleme ihres Partners zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Wirtschaftskrise hat die Vereine mächtig gebeutelt, einer Studie zufolge schrieben in der vergangenen Spielzeit von den 34 befragten Clubs der ersten und zweiten Bundesliga 44 Prozent rote Zahlen. Bei so manchem Verein war der Spielbetrieb "nicht immer durchgängig und zweifelsfrei gesichert", wie die DFL kürzlich eingestehen musste.

Trotz vielfacher Dementis hält sich das Gerücht hartnäckig, dass die DFL fieberhaft nach Alternativen suche, für den Fall, dass Sky pleitegeht. Der Ligaverband habe schon Pläne für einen eigenen Pay-TV-Sender in der Schublade, heißt es.

Deutschland hat schon ein allgemeines Pay TV: gesetzlich verordnet

Das Problem: Ein Ende der Durststrecke ist bei Sky nicht in Sicht. Beobachter vermuten, dass Murdochs jüngste Finanzspritze auch seine letzte gewesen sein könnte. Immerhin hat der Medienmogul nun insgesamt fast drei Milliarden Euro im deutschen Pay-TV-Markt versenkt.

Man wundert sich sowieso, dass Murdoch 2008 zugriff, als der Sender - damals noch unter dem Namen Premiere - zum Verkauf stand. Immerhin hatte sich der gebürtige Australier schon einmal die Finger verbrannt: Mit einer ersten Beteiligung, als Premiere noch Leo Kirch gehörte, hatte Murdoch mehr als eine Milliarde Euro verloren. Und er musste mitansehen, wie das Pay-TV-Experiment den deutschen Kollegen maßgeblich mit in den Ruin trieb. Das Kirch-Imperium brach zusammen, Premiere beinahe auch.

In Großbritannien oder Italien verdient Murdoch gutes Geld mit dem Bezahlfernsehen. Vielleicht dachte er, dass das auch in Deutschland nicht so schwer sein könne.

Ist es aber.

Dafür gibt es viele Gründe. Einer ist das Grundmodell des Pay TV, mit dem Verkauf von exklusiven Filmen, Serien, Dokumentationen und Spezialsendungen Geld verdienen zu wollen. Schließlich lassen sich Kinostreifen heute binnen Wochen auf DVD kaufen oder im Netz herunterladen. Hinzu kommen die Besonderheiten des deutschen Fernsehmarktes, in dem das Bezahlfernsehen eigentlich nie richtig funktioniert hat. Weil die Deutschen, wenn man so will, schon ein Pay TV haben. Ein gesetzlich verordnetes. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das mit den GEZ-Gebühren finanziert wird.

Bier auf und Sportschau an

Die meisten Haushalte empfangen neben ARD und ZDF auch mehrere dritte Programme, Arte, 3sat und oft noch Nischenangebote wie den ZDF-Theaterkanal. Genügend werbefreies Programm also, das mit vergleichsweise hoher Qualität angeboten wird.

Nun könnte das exklusive Fußballprogramm ein Zugpferd sein, so wie bei ähnlichen Sendern im Ausland auch. Doch gibt es ein sehr deutschlandtypisches Ritual, das in Hunderttausenden Haushalten jeden Samstag sorgsam gepflegt wird und das den Sky-Managern das Leben schwer macht. Es heißt: Bier auf und Sportschau gucken. Die ARD-Sendung beginnt noch vor sieben Uhr abends mit ihrer Zusammenfassung des aktuellen Spieltags. Mehr brauchen viele Zuschauer nicht. Und die schöne Tradition ist behördlich geschützt, weil das Bundeskartellamt die zentrale Vermarktung der Bundesliga-Rechte vor einigen Jahren an eine zeitnahe Ausstrahlung im Free TV gebunden hat.

Noch dazu gibt es das Fußball-Abo bei Sky nur in Verbindung mit dem Basispaket, das Doppelpack kostet regulär 32,90 Euro im Monat. Nur bei Sonderaktionen ist das erste Jahr für knapp 20 Euro zu haben. Bei der Kombi soll es vorerst auch bleiben.

"Ohne Pay TV wird der Ball zu anderen Konditionen rollen"

So sind die hochtrabenden Träume von den zehn Millionen Abonnenten, die es bei Premiere einmal gab, längst begraben. Sky zählt derzeit rund 2,47 Millionen Kunden. Die Benchmark von 2,8 bis 3 Millionen, ab der schwarze Zahlen geschrieben würden, ist noch sehr weit weg. Denn der Zulauf ist quasi gestoppt. Im vergangenen Quartal kamen netto gerade einmal 6000 Abonnenten dazu.

Während in der Konzernzentrale in Unterföhring seit Jahren ein Chef nach dem anderen scheitert, sehen Brancheninsider die Zukunft des Bundesliga-TV längst anderswo. Nicht bei der DFL, versteht sich - dass der Ligaverband tatsächlich einen eigenen Pay-TV-Sender auf die Beine stellen kann, gilt als reichlich utopisch, schon wegen des technischen Aufwands. Doch vor vier Jahren drängte ein Player auf den Markt, der Sky ziemlich gefährlich werden könnte: die Deutsche Telekom. Sie ergatterte bei der letzten Bieterschlacht 2006 die Rechte zur Übertragung der Fußballspiele im Internet. Und zahlt dafür gerade einmal 25 Millionen Euro pro Saison. Ein Spottpreis.

Mit ihrem Internetfernsehen machen die Bonner Sky gefährliche Konkurrenz. Das Programm "Liga total" lässt sich auf dem Handy sehen, beliebig aufnehmen, unterbrechen, zeitversetzt gucken. Und während Sky das HD-Angebot ausbaut, ist der rosa Riese bereits bei der nächsten Innovation: einer neuen Konferenzschaltung für mehrere Partien. Zu einem Hauptspiel werden die Nebenspiele immer dann groß eingeblendet, wenn etwas Spannendes passiert.

Und während bei Sky die Kassen leer sind, wirbt die Telekom mit der gesamten Kraft eines Großkonzerns in jedem Stadion.

"Ich würde mir einfach die ganzen Ligarechte sichern"

Auch die Telekom verdient mit dem Bundesliga-Programm kein Geld - aber darum geht es gar nicht. "Liga total" gibt es nur im Paket mit Telefon- und Internetanschluss, inklusive Flatrate und Fernsehen. Das Unternehmen nutzt die Sportrechte als Köder, um Kunden für andere Bereiche zu binden.

Gut möglich, dass der Konzern deshalb größer einsteigt, wenn es um die Übertragung ab 2013 geht, glauben Branchenkenner. Das Geld dafür wäre schließlich da. "Wenn ich die Telekom wäre, würde ich mir einfach die ganzen Bundesliga-Rechte sichern", sagt ein Marketingexperte. Vielleicht melden sich bei der nächsten Auktion auch andere Netzgiganten zu Wort, die attraktive Inhalte für ihre zahlreichen Plattformen suchen.

Der DFL könnte das nur recht sein. Derzeit bringen die TV-Rechte pro Saison rund 400 Millionen Euro. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das wenig. "Wenn es nicht gelingt, diese Summe beim nächsten Vertrag, der ab der Saison 2013/2014 gilt, um 50 Prozent zu steigern, werden wir international Probleme bekommen", motzte FC-Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge kürzlich in der "Wirtschaftswoche".

Beim Gedanken an die finanzielle Lage des Hauptpartners Sky wird so manchem Clubchef jedenfalls mulmig. Was ist, wenn der Sender pleitegeht? Werder Bremens Chef Klaus Allofs will darüber gar nicht nachdenken. "Ohne Pay-TV-Einnahmen wird der Ball zu anderen Konditionen rollen", sagte er kürzlich. "Da müssten die Verträge mit den Spielern anders aussehen." Es sei denn, es gäbe finanzstarken Ersatz.

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insgesamt 171 Beiträge
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Seite 1
idealist100 20.08.2010
1. Wer sehen will
Zitat von sysopDer deutsche Fußball sorgt sich ums liebe Geld: Die Vereine bangen um den Pay-Fernsehsender Sky - den größten Finanzier der Liga. Das Unternehmen verbrennt Unsummen, ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Mächtige Konkurrenz hat sich bereits in Stellung gebracht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712477,00.html
wie 22 hochdotierte Balltreter und 3 schwarze Manner einem Ball hinterher laufen sollte zu so einer Veranstaltung gehen und Eintritt bezahlen. Das der ÖRR meine Zwangsbeiträge auch noch für so etwas raus schmeisst ärgert mit täglich. Deshalb wer vor der Glotze so etwas sehen will, sollte dafür richtig bezahlen und der ÖRR könnte die Zwangsbeiträge senken.
hman2 20.08.2010
2. @SPON: Lasst doch endlich diese Propaganda sein!
---Zitat--- Deutschland hat schon ein allgemeines Pay TV: gesetzlich verordnet ... Das Problem: Ein Ende der Durststrecke ist bei Sky nicht in In Großbritannien oder Italien verdient Murdoch gutes Geld mit dem Bezahlfernsehen. Vielleicht dachte er, dass das auch in Deutschland nicht so schwer sein könne. Ist es aber. Dafür gibt es viele Gründe. ... Hinzu kommen die Besonderheiten des deutschen Fernsehmarktes, in dem das Bezahlfernsehen eigentlich nie richtig funktioniert hat. Weil die Deutschen, wenn man so will, schon ein Pay TV haben. Ein gesetzlich verordnetes. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das mit den GEZ-Gebühren finanziert wird. ---Zitatende--- Langsam nervt diese billige Propaganda des Spiegel gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Noch dazu, wenn nicht einmal die grundlegenden Fakten richtig recherchiert wurden. Das ÖR-Fensehen ist weder ein Pay-TV noch gesetzlich verordnet. Bei Pay-TV zahlt man für das Programm, beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk für die Empfangsgeräte. Und niedergelegt ist es nicht in einem Gesetz, sondern in einem Staatsvertrag. Und "GEZ-Gebühren" gibt es nicht. Und nota bene: Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen Murdochs Problem sein soll: Schon mal was von der BBC gehört?
unpolit 20.08.2010
3. angenehm....
... denn es hätte möglicherweise zur Folge, dass Kicker wieder leistungsgerecht bezahlt werden...
durchfluss 20.08.2010
4. Löhne senken
Sollen die Vereine eben das durchexerzieren was für den Rest der Nation schon seit Jahrzehnten gilt - wenn der Laden nicht mehr läuft muss man die Löhne senken. Allerdings können sie die Produktion leider (noch) nicht nach China verlagern und ihre Spiele dort produzieren lassen.
Fackus 20.08.2010
5. prima
Jede schlechte Nachtricht zum 'Pay-TV' ist eine letztlich gute. Wäre schlimm, wenn diese Banausen das Regiment über die Medienszene bekämen. Statt Bezahl-TV-Schrott lieber die gute alte ÖR-Qualität. Und wenn so nebenbei die Geldgier der Fußballvereine auf der Strecke bleibt ist auch nur gut.
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