Frankfurt am Main - Jahrelang steckte Sky in der Krise - nun sieht es so aus, als könne aus dem Bezahlsender doch noch ein profitables Unternehmen werden. Jedenfalls verdient das Unternehmen wieder Geld - wenn auch nur ein bisschen und auch nur vor Abzug von Steuern und Abschreibungen.
Im abgelaufenen Quartal sei ein operativer Gewinn (Ebitda) von 23 Millionen Euro erzielt worden, teilte Sky am Dienstag mit. Grund für die guten Zahlen seien steigende Abonnentenzahlen und geringeren Ausgaben für Sportrechte. "Das ist ein wichtiger Meilenstein für unser Geschäft", sagte Konzernchef Brian Sullivan.
Zum letzten Mal hatte Sky vor vier Jahren ein kleines operatives Plus eingefahren - damals hieß das Unternehmen noch Premiere. Es ist also der erste Gewinn, seitdem Medienunternehmer Rupert Murdoch als Hauptaktionär den Kurs vorgibt.
Getragen wurde die Trendwende in erster Linie durch den anhaltenden Kundenzuspruch. Die Zahl der Abonnenten stieg bis Ende Juni auf 3,13 Millionen - 47.100 mehr als Ende März. Unter dem Strich, also nach Steuern und Abschreibungen, stand allerdings auch im vergangenen Quartal ein Verlust. Immerhin: Das Minus schrumpfte von 54 Millionen Euro ein Jahr zuvor auf nun 13,8 Millionen Euro.
Mit seiner positiven Entwicklung überrascht Sky viele Kritiker, die dem Sender kaum Erfolgschancen eingeräumt hatten. Angesichts zahlreicher frei empfangbarer Sender und der Bundesliga-Sendungen bei ARD und ZDF hätten die Deutschen es nicht nötig, pro Monat gut 30 Euro für Sportübertragungen oder Filme zu zahlen, argumentierten sie.
Der neue Chef brachte die Wende
Murdoch war Anfang 2008 eingestiegen, um aus dem maroden Pay-TV-Kanal ein profitables Unternehmen nach dem Vorbild seiner Sender in Großbritannien und Italien zu machen. Die Manager, die er dazu nach München schickte, lieferten zunächst nur Hiobsbotschaften. So kam bald heraus, dass der Sky-Vorläufer Premiere seine Abo-Zahlen geschönt hatte. Zudem wanderten immer mehr Kunden ab.
Die Wende kam erst mit Sullivan, der 2009 den Chefposten übernahm. Der Amerikaner, der vorher 13 Jahren beim britischen Murdoch-Ableger BSkyB gearbeitet hatte, krempelte Kundenbetreuung und Werbung um und führte ein Reihe technischer Neuerungen wie Sky-Programme (Apps) für Tabletcomputer ein, die bei den Kunden gut ankamen.
Wichtiger Faktor für den Erfolg waren auch die zahlreichen HD-Kanäle, die Sky lange vor anderen Sender an den Start brachte. Die Zahlen sprechen für sich: Seit der Umbenennung und dem Neustart des Senders Mitte 2009 unterschrieben 750.000 Kunden neue Abo-Verträge.
Seit seinem Einstieg hat Murdoch mit seinem Konzern News Corp gut eine Milliarde Euro in das Pay-TV-Unternehmen investiert - ihm gehört knapp die Hälfte der Aktien. Murdoch wettet so viel auf Sky, da er in Deutschland noch große Chancen sieht. Während in Großbritannien, Frankreich oder Italien jeder zweite Haushalt Pay-TV habe, seien es hierzulande erst 16 Prozent, sagte Commerzbank-Medienanalystin Sonia Rabussier.
Dauerhaft kann Sky aber noch keine Gewinne verbuchen. Wegen höherer Kosten für TV-Lizenzen und Marketing, die der bevorstehende Start der Fußball-Bundeliga mit sich bringt, dürfte es im zweiten Halbjahr insgesamt wieder ein Minus geben, erläuterte Sullivan. Erst 2013 plant Sky auch auf Jahresbasis mit operativ schwarzen Zahlen. Und "schon bald danach" solle es auch einen Nettogewinn geben.
Das wäre für Sky wirklich ungewohnt: Der Sender hat in den gut 20 Jahren seit seiner Gründung erst einmal einen Jahresüberschuss eingefahren - 2005, als das Unternehmen an die Börse ging.
stk/Reuters
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