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08. Juni 2012, 14:09 Uhr

Smart Grid

Intelligente Netze können Strombedarf drastisch senken

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Die Energiewende könnte viel effizienter sein: Laut einer Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, würde der Strombedarf zu bestimmten Tageszeiten deutlich sinken - wenn man Netze, Fabriken und Haushaltsgeräte mit moderner Kommunikationstechnologie aufrüstet.

Hamburg - Die Debatte über die Energiewende wird derzeit von Fragen zu Versorgung und Transport beherrscht: Welche Anlagen produzieren künftig den Strom für die deutschen Verbraucher und Unternehmen? Welche Netze werden benötigt, um den Strom in die Verbrauchszentren der Republik zu leiten? Ein anderer wichtiger Baustein gerät aus dem Fokus: der Energieverbrauch. Dieser schwankt stark über den Tag, und es wird in den kommenden Jahren immer wichtiger, ihn an die tatsächliche Energieversorgung anzupassen.

Denn auch die Stromversorgung schwankt immer stärker, je mehr Solar- und Windanlagen ans Netz gehen. Anders als zum Beispiel Kohlekraftwerke liefern diese nur dann Strom, wenn die Sonne scheint und der Wind weht. Das Stromnetz der Zukunft soll diese Schwankungen mittels moderner Kommunikationstechnologie ausgleichen: Ein Kühlhaus etwa soll mit voller Kraft arbeiten, wenn das Stromangebot besonders hoch ist. Sinkt das Angebot, kann es sich eine Weile abschalten und Energie sparen, so lange, bis sich die Temperatur einem zulässigen Höchstwert nährt.

Wie groß die Potentiale dieser sogenannten Lastverschiebung sind, hat nun der Verband der Elektrotechnik (VDE) ausgerechnet. Schon jetzt wären pro Tag Verschiebungen in Höhe von 8,5 Gigawatt möglich, heißt es in einer Studie, die der VDE am Montag veröffentlichen will. Das entspricht dem Bedarf von rund vier Millionen Haushalten.

Zu anderen Tageszeiten dagegen, an denen mehr Strom produziert als benötigt wird, ließe sich durch Lastverschiebung der Bedarf erhöhen. Derzeit kommt es immer wieder vor, dass zum Beispiel Windräder an der Küste weit mehr Elektrizität produzieren als die Deutschen benötigen. Dieser Ökostrom wird oft ins Ausland exportiert, nicht selten fast zum Nulltarif, bisweilen bekommen die ausländischen Abnehmer sogar noch Geld dafür, dass sie den Strom abnehmen. Manchmal werden Solar- und Windanlagen auch einfach vom Stromnetz abgeklemmt. Für die Endverbraucher ist beides schlecht: Denn sie müssen den produzierten Ökostrom in jedem Fall bezahlen, egal, was mit ihm passiert. Eine Lastverschiebung würde also die Kosten der Energiewende drücken.

Große Potentiale liegen brach

Die Hälfte des Potentials liegt der Studie zufolge in der Industrie, vor allem bei energieintensiven Unternehmen wie der Aluminium-, Papier- oder Chlorindustrie. Die andere Hälfte entfällt demnach auf Privathaushalt, Gewerbe und Handel sowie Dienstleistungen. Die Studie schlüsselt die Potentiale für die verschiedenen Bereiche detailliert auf. Und sie kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Nur die Industrie nutze Lastverschiebungen derzeit, und das auch nur teilweise. Bei den Privathaushalten spielt ihr Einsatz fast gar keine Rolle.

Hauptgrund dafür ist, dass es für Privathaushalte kaum Anreize gibt, die Technologie einzusetzen. Dazu wären weit flexiblere Strompreise nötig, die sich konsequent an Angebot und Nachfrage orientieren, so dass ein Verbraucher einen echten Kostenvorteil hätte, wenn er zum Beispiel seine Wäsche in nachfragearmen Stunden wäscht. Doch die Entwicklung solcher Preismodelle steht in Deutschland noch ganz am Anfang - und wiegt die Investitionskosten kaum auf.

Denn um von flexiblen Tarifen zu profitieren, bräuchte ein Haushalt mindestens einen intelligenten Stromzähler, der Verbrauch und Strompreis miteinander abgleicht. Dazu müssten Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Trockner mit einem Adapter aufgerüstet werden, damit sie mit dem Zähler kommunizieren können. Im Idealfall verfügt ein der Haushalt der Zukunft zudem über ein System, das Haushaltsgeräte automatisch so steuert, dass sie möglichst kostengünstig arbeiten.

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