Smart Grid Intelligente Netze können Strombedarf drastisch senken

Die Energiewende könnte viel effizienter sein: Laut einer Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, würde der Strombedarf zu bestimmten Tageszeiten deutlich sinken - wenn man Netze, Fabriken und Haushaltsgeräte mit moderner Kommunikationstechnologie aufrüstet.

Von

MeRegio

Hamburg - Die Debatte über die Energiewende wird derzeit von Fragen zu Versorgung und Transport beherrscht: Welche Anlagen produzieren künftig den Strom für die deutschen Verbraucher und Unternehmen? Welche Netze werden benötigt, um den Strom in die Verbrauchszentren der Republik zu leiten? Ein anderer wichtiger Baustein gerät aus dem Fokus: der Energieverbrauch. Dieser schwankt stark über den Tag, und es wird in den kommenden Jahren immer wichtiger, ihn an die tatsächliche Energieversorgung anzupassen.

Denn auch die Stromversorgung schwankt immer stärker, je mehr Solar- und Windanlagen ans Netz gehen. Anders als zum Beispiel Kohlekraftwerke liefern diese nur dann Strom, wenn die Sonne scheint und der Wind weht. Das Stromnetz der Zukunft soll diese Schwankungen mittels moderner Kommunikationstechnologie ausgleichen: Ein Kühlhaus etwa soll mit voller Kraft arbeiten, wenn das Stromangebot besonders hoch ist. Sinkt das Angebot, kann es sich eine Weile abschalten und Energie sparen, so lange, bis sich die Temperatur einem zulässigen Höchstwert nährt.

Wie groß die Potentiale dieser sogenannten Lastverschiebung sind, hat nun der Verband der Elektrotechnik (VDE) ausgerechnet. Schon jetzt wären pro Tag Verschiebungen in Höhe von 8,5 Gigawatt möglich, heißt es in einer Studie, die der VDE am Montag veröffentlichen will. Das entspricht dem Bedarf von rund vier Millionen Haushalten.

Zu anderen Tageszeiten dagegen, an denen mehr Strom produziert als benötigt wird, ließe sich durch Lastverschiebung der Bedarf erhöhen. Derzeit kommt es immer wieder vor, dass zum Beispiel Windräder an der Küste weit mehr Elektrizität produzieren als die Deutschen benötigen. Dieser Ökostrom wird oft ins Ausland exportiert, nicht selten fast zum Nulltarif, bisweilen bekommen die ausländischen Abnehmer sogar noch Geld dafür, dass sie den Strom abnehmen. Manchmal werden Solar- und Windanlagen auch einfach vom Stromnetz abgeklemmt. Für die Endverbraucher ist beides schlecht: Denn sie müssen den produzierten Ökostrom in jedem Fall bezahlen, egal, was mit ihm passiert. Eine Lastverschiebung würde also die Kosten der Energiewende drücken.

Große Potentiale liegen brach

Die Hälfte des Potentials liegt der Studie zufolge in der Industrie, vor allem bei energieintensiven Unternehmen wie der Aluminium-, Papier- oder Chlorindustrie. Die andere Hälfte entfällt demnach auf Privathaushalt, Gewerbe und Handel sowie Dienstleistungen. Die Studie schlüsselt die Potentiale für die verschiedenen Bereiche detailliert auf. Und sie kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Nur die Industrie nutze Lastverschiebungen derzeit, und das auch nur teilweise. Bei den Privathaushalten spielt ihr Einsatz fast gar keine Rolle.

Hauptgrund dafür ist, dass es für Privathaushalte kaum Anreize gibt, die Technologie einzusetzen. Dazu wären weit flexiblere Strompreise nötig, die sich konsequent an Angebot und Nachfrage orientieren, so dass ein Verbraucher einen echten Kostenvorteil hätte, wenn er zum Beispiel seine Wäsche in nachfragearmen Stunden wäscht. Doch die Entwicklung solcher Preismodelle steht in Deutschland noch ganz am Anfang - und wiegt die Investitionskosten kaum auf.

Denn um von flexiblen Tarifen zu profitieren, bräuchte ein Haushalt mindestens einen intelligenten Stromzähler, der Verbrauch und Strompreis miteinander abgleicht. Dazu müssten Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Trockner mit einem Adapter aufgerüstet werden, damit sie mit dem Zähler kommunizieren können. Im Idealfall verfügt ein der Haushalt der Zukunft zudem über ein System, das Haushaltsgeräte automatisch so steuert, dass sie möglichst kostengünstig arbeiten.



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Richter_DL 08.06.2012
1. Waschmaschinen die um 03:00 nachts waschen ...
... sind vielleicht sinnvoll für Singles, und Industrieanlagen mag es egal sein wann sie betrieben werden, aber der Haushalt muss den Rhytmen der darin lebenden Menschen genügen, nicht denen des Ökodiktats. Was wäre das denn für eine Welt, dieses Smart Grid? Man würde mit Strafpreisen gedrängt, nachts oder während der Arbeit irgendwie Wäsche zu waschen - an den nachfragearmen Zeiten eben, oder wenn es gerade mal auf der Nordsee weht. Waschmaschinen kann man aber nicht einfach, wie Aggregate, hoch und runter fahren, wie man beliebt - so nicht mindestens ein Haushaltsmitglied immer zuhause ist (Stichwort Betreuungsgelt - Mutti, bleig zuhause für dei Umwelt?) sind diese "Spartarife" für die meisten Nutzer eben nicht erreichbar. Der Effekt hier wäre nicht eine Energieefiozienzsteigerung, sondern eine Ertragssteigerung für Stromkonzerne - und eine zusätzliche Belastung für die Menschen, die eben nur begrenzt Zeit haben, sich der Hausarbeit zu widmen.
zazzel 08.06.2012
2. zum Beispiel die Wäsche...
In Privathaushalten ist das schlicht und einfach unglaublicher Unsinn, der zudem mit massiven datenschutzrechtlichen Problemen daherkommt. Zitat: "Hauptgrund dafür ist, dass es für Privathaushalte kaum Anreize gibt, die Technologie einzusetzen. Dazu wären weit flexiblere Strompreise nötig, die sich konsequent an Angebot und Nachfrage orientieren, so dass ein Verbraucher einen echten Kostenvorteil hätte, wenn er zum Beispiel seine Wäsche in nachfragearmen Stunden wäscht. Doch die Entwicklung solcher Preismodelle steht in Deutschland noch ganz am Anfang - und wiegt die Investitionskosten kaum auf." Welches Beispiel großer Verbraucher im Privathaushalt - außer "zum Beispiel die Wäsche" - fällt den Dummschwätzern denn noch ein? Der Herd? Der Geschirrspüler? Das Licht? Die Heizungs-Umwälzpumpe? Die Playstation? Die Bauxit-Schmelze im Innenhof? Der planwirtschaftliche Unsinn kennt keine Grenzen. Klar, meine beiden Wärmepumpen-Geräte (Wäsche Geschirr) werden das Netz sicher sehr entlasten. Und diese Art der Steuerung trägt auch so zum Komfort. Noch mehr Scheiß, um den man sich nach der Arbeit kümmern soll: Strompreise checken und Waschladungen vorausplanen.
ash26e 08.06.2012
3. Meine Haushaltsgroßverbraucher schalt ich ein, wenn ich sie brauche
Meine huashaltsgroßverbraucher wie Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler schalt ich ein, wenn ich diese Geräte brauche.Nicht wenn es gerade mal günstigen Strom gibt. Stellen -Sie sich doch mal vor, mein Wäschetrockner underbricht und läßt so richtig schöne feuchte Wäsche zei Tage lang liegen. Diese Wäsche "müffelt" dann nicht schlecht. Also Waschmaschine auf rein mit dem Zeug..... In der Zwischenzeit geh ich dann noch ein paar hemden, Hosen und Socken einkaufen, weil die für meinen Bedarf ausreichenten Kleidungsstücke ja alle in der Waschmaschine sind. Ach ja, ich koche gern oft auch mit Niedrigtemperatur und Langzeitverfahren. Auf das Ergebnis bin ich gespannt, da ich ja zu einenr festen Zeit schlicht und einfach essen möchte! Kaut doch nicht immer irgendwelchen bullshit wieder. Spon tät gut daran, vor vielen Veröffentlichungen mal kurz das Hirn einzuschalten.
eggshen 08.06.2012
4. Intelligenter Stromzähler...
Zitat von sysopddpDie Energiewende könnte viel effizienter sein: Laut einer Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, würde der Strombedarf zu bestimmten Tageszeiten um mehr als zehn Prozent sinken - wenn man Netze, Fabriken und Haushaltsgeräte mit moderner Kommunikationstechnologie aufrüstet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,837517,00.html
Schön wär's...ich wollte mir einen 'intelligenten Stromzähler' gönnen, um zumindest den 'lokalen' Verbrauch besser analysieren zu können. Mein alternativer Stromversorger (123energie) hält sich da jedoch völlig raus - schließlich ist EON.Avacon der Netzbetreiber. EON.Avacon bietet mir natürlich gern einen intelligenten Stromzähler an - allerdings nur in Verbindung mit einem Vertrag. Lange Rede: wenn es bereits auf einer so elementaren Ebene dermaßen bekloppt zugeht, wird das im größeren Maßstab nie was.
eggshen 08.06.2012
5.
Zitat von zazzelIn Privathaushalten ist das schlicht und einfach unglaublicher Unsinn, der zudem mit massiven datenschutzrechtlichen Problemen daherkommt. Zitat: "Hauptgrund dafür ist, dass es für Privathaushalte kaum Anreize gibt, die Technologie einzusetzen. Dazu wären weit flexiblere Strompreise nötig, die sich konsequent an Angebot und Nachfrage orientieren, so dass ein Verbraucher einen echten Kostenvorteil hätte, wenn er zum Beispiel seine Wäsche in nachfragearmen Stunden wäscht. Doch die Entwicklung solcher Preismodelle steht in Deutschland noch ganz am Anfang - und wiegt die Investitionskosten kaum auf." Welches Beispiel großer Verbraucher im Privathaushalt - außer "zum Beispiel die Wäsche" - fällt den Dummschwätzern denn noch ein? Der Herd? Der Geschirrspüler? Das Licht? Die Heizungs-Umwälzpumpe? Die Playstation? Die Bauxit-Schmelze im Innenhof? Der planwirtschaftliche Unsinn kennt keine Grenzen. Klar, meine beiden Wärmepumpen-Geräte (Wäsche Geschirr) werden das Netz sicher sehr entlasten. Und diese Art der Steuerung trägt auch so zum Komfort. Noch mehr Scheiß, um den man sich nach der Arbeit kümmern soll: Strompreise checken und Waschladungen vorausplanen.
Niemand wird Sie dazu zwingen. Was soll also die Aufregung?
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