New York/Berlin - Microsoft und Nokia haben den Smartphone-Trend verschlafen und wollen nun gemeinsam verlorenes Terrain zurückerobern. "Nokiasoft" wird die fragwürdige Allianz bisweilen genannt. Für den Softwareriesen aus Redmond ist sie zunächst einmal eins: ziemlich teuer.
Der finnische Handy-Weltmarktführer werde von Microsoft mehr als eine Milliarde Dollar für die Entwicklung und das Marketing von Telefonen mit dem Betriebssystem Windows Phone erhalten, berichtet das Magazin "Bloomberg Businessweek". Nokia-Chef Stephen Elop hatte im Februar nur von "Milliarden-Werten" gesprochen, die von Microsofts Seite fließen würden.
Die Smartphone-Allianz von Nokia und Microsoft sei auf mehr als fünf Jahre angelegt, berichtet das Magazin weiter. Eine entsprechende Vereinbarung sei allerdings noch immer nicht unterzeichnet.
Nokia hatte vor rund einem Monat angekündigt, im Smartphone-Geschäft künftig vor allem auf das Microsoft-Betriebssystem zu setzen. Die eigene Symbian-Plattform lässt der Weltmarktführer schrittweise auslaufen. Nokia wird als Teil der Partnerschaft für die Nutzung von Windows Phone Lizenzgebühren an Microsoft zahlen.
Zugleich werde Microsoft Lizenzzahlungen für Nokia-Patente leisten, schrieb "Bloomberg Businessweek". Ein Insider habe bestätigt, dass die Milliarden-Zahlung Teil von Microsofts Anstrengungen gewesen sei, Nokia vom Wechsel zum konkurrierenden Google-Betriebssystem Android abzuhalten. Der Internetkonzern hatte ebenfalls versucht, Nokia für sich zu gewinnen. Google-Chef Eric Schmidt hatte zuletzt betont, die Tür für die Finnen stünde nach wie vor offen.
Microsoft wollte den Bericht auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. Bei Nokia war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Elop kam im Herbst von Microsoft zu Nokia und musste nach dem Smartphone-Deal betonen, dass er kein "Trojanisches Pferd" des US-Konzerns sei. Das im Herbst gestartete Windows Phone 7 hat bisher nur einen geringen Marktanteil. Nokia sieht darin aber nach eigener Darstellung mehr Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzuheben, als mit der führenden Android-Plattform. Diese wird von zahlreichen Herstellern genutzt.
ssu/dpa
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