Krise beim Smartphone-Pionier Blackberry macht Milliardenverlust

Auf die Hiobsbotschaft folgt die Talfahrt an der Börse: Blackberry hat fürs zweite Quartal einen Milliardenverlust bekanntgegeben, die Aktie stürzte um 17 Prozent ab. Der einstige Smartphone-Pionier entlässt 4500 Angestellte - 40 Prozent der Belegschaft.

Blackberry-Chef-Thorsten Heins: "Schwierige, aber notwendige Veränderungen"
REUTERS

Blackberry-Chef-Thorsten Heins: "Schwierige, aber notwendige Veränderungen"


Waterloo - Der Smartphone-Hersteller Blackberry kämpft ums Überleben. Das Unternehmen hat einen riesigen Verlust eingefahren und entlässt 40 Prozent seiner Belegschaft. Das von dem Deutschen Thorsten Heins geführte kanadische Unternehmen kündigte am Freitag für sein zweites Geschäftsquartal bis Ende August einen Betriebsverlust von netto 950 bis 995 Millionen Dollar an.

Das Unternehmen erklärte zudem, 4500 Stellen zu streichen. Im März waren bei Blackberry noch 12.700 Menschen beschäftigt. Die geplanten Personalkürzungen hatten sich bereits Mitte der Woche abgezeichnet. Das Unternehmen hatte bereits im vergangenen Jahr 5000 Jobs abgebaut. Heins sprach von "schwierigen, aber notwendigen Veränderungen".

Börsianer reagierten entsetzt auf die Nachricht. Die Titel beendeten den Handel an der Wall Street in New York mit einem Minus von 17 Prozent. Der einstige Smartphone-Pionier hat im Wettbewerb den Anschluss an die Rivalen Apple und Samsung verloren. Ihm droht ein ähnliches Schicksal wie Nokia. Die Finnen haben ihre strauchelnde Handysparte soeben an Microsoft verkauft.

Die Nachricht über die Entlassungen kommt nur einen Monat, nachdem Blackberry angekündigt hatte, ein neu eingerichtetes Gremium sei damit beauftragt, strategische Alternativen zu prüfen. Diese könnten auch einen Verkauf des Konzerns beinhalten.

Blackberry dominierte einst den Markt der Smartphones, doch in den vergangenen Jahren ging es mit dem Konzern bergab, als er gegenüber Apple oder Samsung an Bedeutung verlor. Einst hatte Blackberry Marktanteile von 14 Prozent des US-Smartphone-Markts, aktuell sind es nur noch drei Prozent.

bos/Reuters/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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Schacht Holland 20.09.2013
1. Keine Überraschung
Wieso ist das überraschend? Es war doch seit geraumer Zeit abzusehen, daß Blackberry chancenlos ist. Apple, Google und Microsoft haben den Markt mittlerweile fest im Griff. Was will da ein vergleichsweise kleiner kanadischer Hersteller, der lediglich mit Smartphones bekannt wurde? Das Ende von Blackberry ist abzusehen. Ich verstehe nur nicht, wie jemand an das Unternehmen glauben konnte. Anleger hätten schon mindestens vor 3 Jahren dort aussteigen müssen. Insbesondere das iPhone und Google's Android haben alles verändert.
spon-facebook-10000452262 20.09.2013
2. Schade drum
Zitat von sysopREUTERSAuf die Hiobsbotschaft folgt die Talfahrt an der Börse: Blackberry hat fürs zweite Quartal einen Milliardenverlust bekanntgegeben, die Aktie stürzte um 17 Prozent ab. Der einstige Smartphone-Pionier entlässt 4500 Angestellte - 40 Prozent der Belegschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/smartphone-pionier-blackberry-macht-milliardenverlust-a-923637.html
Es erinnert an die Legende von Borgward oder Commodore. Blackberry hatte die ersten, die besten und die einzig abhörsicheren Smartphones. Nun gehnse über die Wupper, Marketing und Spaß siegen über Zuverlässigkeit und Robustheit: In unserer Welt der Castingshows verkaufen sich Liedermacher halt schlecht, denn sie sind zwar gut, können aber nicht so bohlenmäßig krakeelen. (Ich denke nur an die Betriebssysteme, die heißen bei Blackberry halt nicht "Jellybean", sondern altmodisch 6.01, funktionieren dafür zuverlässig und virenfrei, aber das interessiert keinen, solange der Nachfolger ganz sexy "Gingerbread" heißt.) Wobei ich zugeben muss, Kundenorientierung war für RIM / Blackberry durchaus immer ein Fremdwort geblieben. Nur, das ist bei Microsoft oder Apple nicht anders. Ich schwöre dennoch seit einem Jahrzehnt auf die Blackberrys, deshalb schade drum...
Umbriel 21.09.2013
3. bb hatte killerapp die ist gekillt
BB verschwindet vom Markt, weil seit einiger Zeit alle Smartphones jederzeit recht zuverlässig Email empfangen können, damit gibt es keinen Grund mehr der die besonderen Produkte erklärt. Was noch vor 5 Jahren ein wichtiger Vorteil war ist heute fast bedeutungslos.
m.b.boogie 21.09.2013
4. Das war doch zu erwarten!
Ein Handy-Hersteller der - an Tastenhandys festhält, die seit Jahren keiner will - ein Tablet herausbringt, das in Version 1 nur mit einem Blackberry Handy zusammen nutzbar ist (Genial was ? Das hat Apple leider nicht!) - viel zu spät das -m. E. sehr gute- Z10 und ein -exzellentes- alleine funktionierendes (!) "Playbook" (Ein Name, der Business-Usern, d. h. der Stammklientel von Blackberrsy besonders gut gefallen muss) herausbringt -dann erklärt, das neue Betriebssystem auch für das Playbook zur Verfügung zu stellen - genau dies dann nicht tut kann nur untergehen. Dies gilt um so mehr als der CEO dann noch erklärt, die Zukunft gehöre nicht den Tabletts (Natürlich gehört die Zukunft den Rechnern mit dem Atari Betriebsystem und den DOS 4.0-Phones!). Während sich seltsamerweise gerade Tablets und Phones von Google, Apple, Samsung und HTC verkaufen wie geschnittenes Brot ... (was denken sich die Käufer eigentlich?). Blackberry war groß. Wenn sie die Nische der Manager/Business-User konsequent bedient hätte (Business-Book statt Playbook) und ihr tolles neues Betriebssystem (das meine ich ernst) auf das Playbook gebracht hätten, hätten sie überleben können. So aber geht ein Hersteller, der für mich eine Stellung wie Porsche -nur auf dem Handymarkt- innehatte zu Grunde. Der Mann, der keine Zukunft für Tablets sieht, wird dies wohl alles nicht nachvollziehen können, während er die Entlassung seiner Mitarbeiter unterzeichnet. Muss er mit seiner Abfindung auch nicht ....
al3x4nd3r 21.09.2013
5.
Es gibt keinen Sicherheitsvorteil; iOS und Android haben eine größere Reichweiter und daher mehr aktive Entwickler.
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