US-Börsengang Ein Snapchen für Anleger

Snap reduziert die Ambitionen beim Börsendebüt: Statt der bislang geplanten 25 Milliarden peilt das Unternehmen hinter der Foto-App Snapchat nun deutlich weniger an.

Snapchat-Logo an Fassade der New Yorker Börse
REUTERS

Snapchat-Logo an Fassade der New Yorker Börse


Im Oktober waren es noch bis zu 35 Milliarden Dollar, in den vergangenen Wochen war dann stets von rund 25 Milliarden Dollar die Rede. Doch nun hat Snap die Spanne für den Ausgabepreis ihrer Aktien beim anstehenden Börsengang festgesetzt - und demnach ist derzeit mit einem Börsenwert von 19,5 bis 22,2 Milliarden Dollar zu rechnen. Konkret setzte der Betreiber von Snapchat einen Preis von 14 bis 16 Dollar pro Aktie an.

Das geht aus einem Dokument der US-Börsenaufsicht SEC hervor, über das "Financial Times" und "Wall Street Journal" berichten. Endgültig wird die Bewertung erst in den kommenden Wochen gemäß dem Interesse der Anleger festgemacht werden.

Beim Börsengang will Snap bis zu 230 Millionen Aktien platzieren, dadurch würden insgesamt bis zu 3,7 Milliarden Dollar erlöst. Von diesen sollen 2,1 Milliarden Dollar bei Snap selbst landen.

Ein Grund für die tendenziell geringere Bewertung des Unternehmens könnte sein, dass Snapchat nur noch wenige neue Nutzer gewinnt. Das geht aus den Zahlen hervor, die erstmals mit dem Börsenprospekt veröffentlicht wurden. Demnach wuchs die Zahl der Nutzer von Snapchat im letzten Quartal des vergangenen Jahres nur noch um fünf Millionen gegenüber dem Vorquartal. Zuvor waren die Zuwachsraten erheblich höher. Auch die Strategie von Facebook, Snapchat mit ähnlichen Funktionen in eigenen Diensten Konkurrenz zu machen, ist für Snap eine Herausforderung. (Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse zur Rivalität zwischen Facebook und Snap.)

Zudem will Snap ausschließlich Aktien ohne Stimmrecht ausgeben. So wollen die Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy die volle Kontrolle über die Firma behalten. Beide halten zusammen mehr als 40 Prozent der Anteile und fast 90 Prozent der Stimmrechte. Durch den Börsengang werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach offiziell zu Multimilliardären. Auch frühe Investoren, die zum Teil sehr günstig bei Snapchat eingestiegen sind, werden massiv profitieren.

Snapchat wurde vor allem bei jungen Nutzern populär mit Fotos, die nach dem Ansehen von allein wieder verschwinden. Inzwischen wird die App auch stärker für Kommunikation genutzt und zu einer Plattform für Medieninhalte ausgebaut. Außer der App produziert Snap auch Spectacles, eine tragbare Kamera in Form einer Sonnenbrille, die in den USA nur in so genannten Pop-up-Stores verkauft wird.

fdi/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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larsmach 16.02.2017
1. Blubb... - und wie hoch sind eigentlich die Werbebudgets!?
Es machte "blubb" - und schon war eine weitere Firma an der Börse, absurd hoch bewertet und insofern "hilfreich", das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt durch Zuschschreibungen auf dem Papier institutioneller Investoren zu erhöhen. Die USA: Das Land der gehypten Preise! Ein "Schnäppchen" also... (zur Erinnerung: Die Rede ist von einer Firma, die bei ein paar Kids "in" ist und versuchen wird, kindgerechte Werbung unterzujubeln und und die daneben etwas chinesisches Spielzeug verkauft). Bei all den milliardenteuren Werbeplattformen drängt sich die (bescheidene) Frage auf: Wie hoch sind eigentlich die Budgets der Werbetreibenden, die ja auch noch Geld in TV-, Plakat-, und Printwerbung stecken müssen und nebenbei Sponsoring etc. betreiben. Reicht deren Budget aus, um während der Lebensdauer jedes neuen Hypes die Multi-Milliarden-Bewertungen wenigstens mit einer schwarzen Null glattzustellen?
Darwins Affe 16.02.2017
2. Va banque
1) Das Unternehmen verlor 514 Millionen Dollar, 38 % mehr als noch im Vorjahr, als es noch 372 Millionen waren. 2) Snap ist ein äußerst riskantes Investment. Man sieht sich starker Konkurrenz seitens Facebook ausgesetzt. 3) Wer aber Evan Spiegels Fähigkeiten als CEO vertraut, für den könnte Snap ein interessantes Investment sein.
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