Dubiose Geldanlagen So erkennen Sie die Abzocker

Sie versprechen das schnelle Geld, ohne Risiko und ethisch korrekt. Doch hinter den vermeintlich sicheren Anlagen stecken oft betrügerische Systeme. Acht Tipps helfen dabei, die Blender zu enttarnen.

Von Christian Kirchner

Bernard Madoff (Archivbild): Gerne als Philanthrop aufgeführt
Getty Images

Bernard Madoff (Archivbild): Gerne als Philanthrop aufgeführt


In dieser Rubrik geht es meist darum, wie man sein Geld vermehren kann. Wichtiger ist aber, es zunächst nicht zu verlieren. Falls Sie keine Lust haben, sich bei einer Investition durch Hunderte Seiten von Verkaufsprospekten zu wühlen - hier kommen acht eher ungewöhnliche Indizien, die beim Geldanlegen zur Vorsicht mahnen.

Warnsignal: Die "Charity-Lady"

Vielleicht ist es das schlechte Gewissen, vielleicht geschickte Tarnung - aber viele windige Gestalten der Finanzszene eint ihr ostentatives karitatives Engagement. Das war schon bei Charles Ponzi, dem Urgroßvater der Schneeballsystem-Betreiber so, der mal eben nach heutigem Wert eine Million Dollar an ein Bostoner Kinderheim spendete. Und das war auch bei Bernard Madoff so, der sich samt Frau Ruth gerne als Philanthrop aufführte und öffentlichkeitswirksam Millionen in Stiftungen und Wohltätigkeitsorganisationen steckte. Oder bei Florian Homm, dem die Bildung von Kindern Liberias sehr am Herzen liegt.

Nun ist Gutes tun nichts per se schlechtes, auch Bill Gates und Warren Buffett spenden viel. Wenn Sie sich aber mit einer Geldanlage ohnehin nicht wohl fühlen - und dann den Initiator Ihrer Geldanlage in Begleitung einer schlauchbootlippigen "Charity-Lady" und umringt von C-Promis in einem der frühabendlichen TV-Boulevardmagazine entdecken - nehmen Sie einfach Ihr Geld. Und laufen.

Warnsignal: Rohstoffbude

Finanzjournalismus muss immer fair bleiben und objektiv berichten. Fast immer. Wenn es aber um Rohstofffirmen mit Aktienkursen im Centbereich - den sogenannten Pennystocks geht -, gilt immer und ausnahmslos die Schuldvermutung. Die Geschichten sind immer die gleichen: Es geht um lukrative Schürfrechte in Patagonien oder Öl- und Gasfelder in Westafrika, es gibt sensationelle Probebohrungen, schon bald Deals mit Großkonzernen und tollen Kontakten zu Regierungen. Je haarsträubender die Geschichte, je exotischer das Land, in dem angeblich nach Öl, Gas, Gold und Silber gebuddelt und gebohrt wird, desto besser, denn ein paar Dutzend Dumme stehen jeden Morgen auf und wollen unbedingt Geld verlieren. Merke: Eher gewinnt der 1. FC Köln noch in diesem Jahrzehnt die Champions League, als dass man es mit Rohstoff-Pennystocks wirklich zu einem Vermögen bringt.

Warnsignal: Bullshit-Bingo

Betrügen heißt auch, den Investoren ein wohlig-warmes Gefühl der Sicherheit zu geben. Das klappt gut durch Einlullen mittels Dutzender positiv besetzter Schlagwörter in Informationsmaterialien. Schreiben Sie also die folgenden Begriffe einfach in vier Reihen zu je vier Wörtern auf, durchforsten die Internetseiten oder Werbebroschüren des Anbieters, und kreuzen Sie jede Formulierung an, die Sie darin finden - und ziehen Ihr Geld ab (oder legen es gar nicht erst an), wenn sie eine Reihe von vier Kreuzen waagerecht, senkrecht oder diagonal bilden können: nachhaltig, steueroptimiert, Megatrend, garantierte Rendite, deutscher Mittelstand, Bric-Länder, Öko, 12 Prozent p.a., bankenunabhängig, Wachstumsmarkt China, TÜV-zertifiziert, erneuerbare Energien, Inflationsschutz, 100 Prozent sicher, nur begrenzt verfügbar.

Warnsignal: Inflation der Sicherheiten

Die Gier vieler Anleger mag groß sein, die Verlustängste sind dennoch größer. Das wissen natürlich auch Anbieter windiger Finanzprodukte - und kleistern ihre Werbebroschüren mit unzähligen Sicherheitsmerkmalen voll, ganz egal, ob diese überhaupt von praktischem oder rechtlichem Belang sind. Mal geht es um den Inflationsschutz, mal um Billigungen der Finanzaufsicht BaFin (die nur formale Aufgaben hat bei Prospekten), mal gibt es krude Garantien, oder Anbieter werfen mit Begriffen wie "Grundbuchbesicherung" um sich. Oft genug genannt, bleibt am Ende ein Gefühl von Sicherheit, selbst wenn sie nur auf dem Papier besteht.

Warnsignal: Kleinanlegerorientierung

Sparer, die nur ein paar hundert oder tausend Euro anlegen wollen, sind für die meisten Finanzdienstleister betreuungsintensiv. Sie bringen wenig Geld mit, verursachen aber viel Arbeit und Papierkram. Gewinne sind ihrem eigenen genialen Instinkt zuzuschreiben, bei Verlusten werden sie wütend, klagen auf Falschberatung. Obendrein ist es teuer, bei ihnen Geld über Vermittler oder Werbung einzusammeln. Wenn ein Anbieter seine Akquise also stark auf Kleinanleger ausrichtet, kann dies ein Warnsignal sein, dass er sein Geld bei Großanlegern einfach nicht bekommt - vielleicht aus gutem Grund. Aus freien Stücken geht jedenfalls kaum ein Unternehmen den beschwerlichen und unter dem Strich teuren Weg, das Geld in Portiönchen einzusammeln, statt eine Hand voll Großanleger zu überzeugen. Das gilt vor allem für die unzähligen kursierenden Angebote, sich an Kautschukplantagen oder Teakholzbäumen für garantierte zehn Prozent und mehr Rendite pro Jahr zu beteiligen.

Warnsignal: Promis im Aufsichtsrat

Wenn man Anleger betuppen oder auch nur von operativem Versagen ablenken will, muss man in jedem Fall Seriosität ausstrahlen. Statt Geld für Werbung oder PR-Kampagnen zu verpulvern, gibt es einen weitaus einfacheren Weg zu einer tollen Reputation: Man kauft sich einfach für einige zehntausend Euro im Jahr einen abgehalfterten Promi für den Aufsichtsrat, etwa einen Ex-Politiker oder Ex-Manager mit klingendem Namen. Kleine Kosten, große Wirkung beim Anleger.

Warnsignal: Auftreten

Betrügern, heißt es, sieht man unlautere Absichten nicht an. Das ist Blödsinn, denn betrachtet man die Galerien von Hochstaplern und Geldvernichtern der vergangenen Jahre, hätte der erste optische Eindruck schon oft Verdacht erregen oder zumindest zur Vorsicht mahnen müssen. Als etwa vor zehn Jahren eine Reporterin den Finanzjongleur Jürgen Harksen dazu befragte, wie er denn reichen Hamburgern binnen 15 Minuten eine halbe Million Euro aus der Tasche zog, antwortete dieser, dass es an ihm wohl kaum gelegen haben konnte: "Ich trug orangefarbene Anzüge, gelbe Socken, hatte eine gelbe Brille auf und fuhr einen roten Ferrari." Stattdessen sei es "wohl die Gier, die die Leute blind gemacht hat". Fraglos kann ein Betrüger auch als Schwiegermamas Liebling im maßgeschneiderten Anzug daherkommen. Mit der Strategie, im Zweifel ein Engagement lieber bleiben zu lassen, wenn sich ein Finanzgenie selbst inszeniert, fahren die meisten dennoch besser.

Warnsignal: Scheinwissenschaftlichkeit

Bernie Madoff schaffte mit der "Split Strike Conversion"-Optionsstrategie jedes Jahr zweistellige Rendite, der selbsternannte Hedgefonds-Manager Helmut Kiener nutzte ein "semiautomatisches Allokationssystem", und Bernie Cornfeld erzielte in den Sechzigern und Siebzigern mit seinen IOS-Fonds über viele Aktien, Fonds und Strategien Traumrenditen. Angeblich. Sie alle eint, dass die Renditen nicht nachvollziehbar waren, es aber angesichts der Komplexität der Strategie und der Geheimniskrämerei der Initiatoren auch kaum einer genau wissen wollte. Merke: Wer eine tolle Strategie hat, wie man sein Geld rasant mit zweistelligen Prozentzahlen vermehren kann, braucht nicht das Geld Tausender Anleger.



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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
lronmcbong 15.08.2013
1. optional
inzwischen gilt doch schon bewiesen, dass die meisten manager von irgendwas die entwicklungen des marktes nicht schlagen können. eine horde affen, die anlegerentscheidungen durch das werfen von dartpfeilen auf scheiben entscheidet liegt angeblich genauso gut. ich hab mal gelesen, dass man mit indexfonds, die die zusammensetzung des dax nachbilden auch gut fährt. geringe kosten, man nimmt im gleichen masse an der wertenwicklung des daxes teil und muss keine psychopathischen bonzenmanager durchfüttern.
nickleeson 15.08.2013
2. Anzeigen
Besten Dank an SPON für diese "Insidertipps"! Erklärungsbedürftig ist jedoch die Tatsache dass ausgerechnet im Wirtschaftsteil von SPON zahllose Anzeigen für solch dubiose Investments werben. Beispiel gefällig? Verdienen Sie jetzt 6000 Euro und mehr im Monat ganz nebenbei! Mit binären Optionen im Devisenhandel! Gaaaanz einfach!
noalk 15.08.2013
3. Noch ein Warnsignal
Gütesiegel, egal von welchem Testinstitut (ausgenommen "Finanztest"), vor allem, wenn "Servicequalität" bescheinigt wurde.
jedernureinkreuz 15.08.2013
4. ...
Das einfachste Warnsignal wurde gar nicht erwähnt: Rendite-Versprechungen die weit abseits der aktuell marktüblichen liegen. Gier aus, Hirn an!
kdshp 15.08.2013
5.
Zitat von sysopGetty ImagesSie versprechen das schnelle Geld, ohne Risiko und ethisch korrekt. Doch hinter den vermeintlich sicheren Anlagen stecken oft betrügerische Systeme. Acht Tipps helfen dabei, die Blender zu enttarnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/so-erkennen-sie-unsichere-geldanlagen-a-913414.html
Ist eigentlich ganz einfach! Da kommt im firmennamen BANK drin vor.
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