"Soda Ban" in New York: Gericht stoppt Verbot von Süßgetränken

Erfolg für die US-Getränkelobby: In letzter Sekunde hat ein New Yorker Gericht das umstrittene Verbot riesiger Softdrink-Becher gekippt. Im Kampf gegen die Fettleibigkeit hat Bürgermeister Bloomberg einen herben Rückschlag erlitten - seinem Prestige-Projekt droht das Aus.

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AFP

New York - Wenige Stunden vor Inkrafttreten hat ein Gericht in New York das umstrittene Verbot riesiger Softdrink-Becher in der US-Metropole gestoppt. Richter Milton Tingling entschied am Montag, dass das Verbot "willkürlich" sei und "dauerhaft" ausgesetzt werden müsse.

Das Urteil ist ein herber Rückschlag für Bürgermeister Michael Bloomberg, der im Kampf gegen Fettleibigkeit den Verkauf zuckerhaltiger Limonaden in bestimmten New Yorker Lokalen auf Halbliter-Größen begrenzen wollte.

Bloomberg kündigte per Kurznachrichtendienst Twitter an, so bald wie möglich Einspruch gegen die Gerichtsentscheidung einzulegen. "Wir sind zuversichtlich, dass die Regelung schlussendlich in Kraft treten können wird." Das Verbot der Riesen-Becher gilt als eines der Prestige-Projekte des scheidenden Bürgermeisters.

Die Stadtverwaltung hatte das Verbot von XXL-Softdrinks im vergangenen September erlassen, am Dienstag sollte es in Kraft treten. Die Regelung hätte Fastfood-Imbisse, Restaurants und öffentliche Orte wie Kinos und Stadien betroffen.

Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte hätten dagegen auch weiterhin Softdrinks in großen Flaschen verkaufen dürfen. Getränke mit Süßstoff anstatt Zucker sowie Säfte waren ebenfalls ausgenommen. Mehrere US-Getränkehersteller und Fastfood-Anbieter hatten gegen das Verbot geklagt, während aus der Bevölkerung relativ wenig Kritik kam. Auch Ärzte hatten die Regelungen unterstützt, sie allerdings als nicht ausreichend bemängelt.

5000 New Yorker sterben jährlich an Fettleibigkeit

"Fettleibigkeit wird zum größten Gesundheitsproblem in diesem Land", hatte Bloomberg im Mai 2012 gesagt, als er den Plan zum ersten Mal vorstellte. "Wir versuchen, etwas dagegen zu unternehmen." Bloomberg verweist auf Studien, wonach fast 60 Prozent der Bewohner von New York übergewichtig oder fettleibig sind. Bei den Kindern sollen rund 40 Prozent betroffen sein. Nach Angaben des New Yorker Rathauses sterben allein in der Millionenmetropole jedes Jahr rund 5000 Menschen an den Folgen von Fettleibigkeit. 36 Prozent der Bevölkerung leidet derzeit unter Adipositas.

Die Diskussion, wie sich Übergewicht bekämpfen lässt, wird in den USA zusehends relevant. Gleichzeitig entwickelt sich das Volkslaster zum neuen Markt: Inzwischen gibt es sogar Särge, die doppelt so breit sind wie normale - mit eingebauter Stahlverstärkung für Menschen mit mehr als 200 Kilogramm Körpergewicht.

Andere Betriebe beklagen negative Folgen: Weil der Durchschnittsamerikaner immer dicker und damit auch schwerer wird, müssen etwa die Fähren im US-Bundesstaat Washington ihre Passagierzahl verringern. Den Schiffen droht sonst Schlagseite.

lei/AFP/dpa

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Den Schiffen droht Schlagseite ?
DerNachfrager 11.03.2013
Vielleicht sollte Herr Bloomberg mal eine Schule für Fährkapitäne eröffnen: Da lernen die dann, daß man die Passagiere gleichmäßig verteilt.
2.
SpitzensteuersatzZahler 11.03.2013
Mit Zucker und "High Fructose Corn Syrup" wird die Unterschicht abhängig und zum Spielball (gerne auch Kauf- und Konsumiermaschine) zum wohle einiger weniger Konzerne gemacht. Grotesk.
3.
Steuerzahler0815 11.03.2013
selbst obama ist vernünftiger wie dieser irre
4. Amerika
mischamai 11.03.2013
Zitat von sysopErfolg für die US-Getränkelobby: In letzter Sekunde hat ein New Yorker Gericht das umstrittene Verbot riesiger Softdrink-Becher gekippt. Im Kampf gegen die Fettleibigkeit hat Bürgermeister Bloomberg einen herben Rückschlag erlitten - seinem Prestige-Projekt droht das Aus. "Soda Ban" in New York: Gericht stoppt Verbot von Süßgetränken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/soda-ban-in-new-york-gericht-stoppt-verbot-von-suessgetraenken-a-888222.html)
Oh Gottchen,als ob die paar Cola diese Speckleiber zur Vernunft bringen würden?Einsicht beginnt im Kopf und nicht in der Dose,aber das ist ja ein anderes Thema..
5. The land of the free ....
spmc-135322777912941 11.03.2013
Zitat von sysopErfolg für die US-Getränkelobby: In letzter Sekunde hat ein New Yorker Gericht das umstrittene Verbot riesiger Softdrink-Becher gekippt. Im Kampf gegen die Fettleibigkeit hat Bürgermeister Bloomberg einen herben Rückschlag erlitten - seinem Prestige-Projekt droht das Aus. "Soda Ban" in New York: Gericht stoppt Verbot von Süßgetränken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/soda-ban-in-new-york-gericht-stoppt-verbot-von-suessgetraenken-a-888222.html)
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