Softdrink-Verbot: Wie Getränkehersteller mit Minderheiten kooperieren
Die US-Getränkeindustrie jubelt: In letzter Sekunde hat ein New Yorker Gericht das Verbot riesiger Softdrink-Becher gestoppt, auch auf drängen ethnischer Minderheiten. Deren Interessenvertreter stehen laut "New York Times" auffallend häufig auf den Gehaltslisten der Getränkeindustrie.
Hamburg - In letzter Sekunde hat ein New Yorker Gericht am Montag das Verbot riesiger Softdrink-Becher gestoppt. Die neuen Grenzen seien "willkürlich und unberechenbar", lautete die Begründung. Einfluss auf dieses Urteil hatte laut einem Bericht der "New York Times" auch ein Brief, in dem sich Vertreter ethnischer Minderheiten auf die Seite der Getränkeindustrie schlagen.
Unterzeichnet wurde das Schreiben sowohl von der "Hispanic Federation", einem Zusammenschluss lateinamerikanischer Gemeinden in New York, als auch von der New Yorker Abteilung der "National Association for the Advancement of Colored People", (N.A.A.C.P.). Die Vereinigung zum Aufstieg Farbiger Menschen zählt zu den ältesten und einflussreichsten Bürgerrechtsorganisationen der USA.
Doch warum setzen sich ausgerechnet diese Gruppen für Coco-Cola, Pepsi und Co. ein? Der skurrile Fall aus New York wirft ein Schlaglicht auf die traditionsreiche Zusammenarbeit zwischen Getränkeindustrie und Organisationen ethnischer Minderheiten in Amerika:
Sie besteht bereits seit Jahrzehnten und rührt vom frühzeitigen Einsatz der Industrie für die Bürgerrechtsbewegung her. Zig Millionen Dollar seien bis heute an gemeinnützige Vereine und Bildungsorganisationen geflossen, geht aus Spendenstatistiken und anderen Dokumenten hervor, die die "New York Times" ausgewertet hat. Für gemeinnützige Organisationen, besonders für solche in armen Gemeinden, seien Spenden von Unternehmen lebenswichtig. Deshalb schlossen sich viele mit Getränkeherstellern oder anderen Nahrungsmittelunternehmen zusammen.
Eines der berühmtesten Beispiele ist wohl das Bündnis zwischen einer lokalen Gruppe der N.A.A.C.P. und der Getränkeindustrie in Richmond, Kalifornien. Als die Stadtverwaltung eine Ein-Cent-Steuer pro Unze auf zuckerhaltige Getränke erheben wollte, pumpten Limonadenhersteller 2,5 Millionen Dollar in eine Anti-Steuer-Kampagne. Die afro-amerikanischen Organisationen in der Stadt unterstützten die Kampagne und argumentierten, die Steuer sei paternalistisch.
Auch in dem aktuellen Fall in New York konnte die Getränkeindustrie auf die Unterstützung der ethnischen Minderheiten zählen. Das Verbot der Riesenbecher würde vor allem kleinere Geschäfte und Imbissbuden schaden, große Supermärkte hingegen seien von der Regeln ausgenommen, beklagen die lokalen Vertreter der Hispanic Federation und der N.A.A.C.P. Beide erhalten Gelder von Coco-Cola oder Pepsi.
Gegner der Getränkeindustrie kritisieren, im Kampf gegen Sondersteuern und härtere Regeln für Limonaden sei das Geld dazu genutzt worden, mögliche Befürworter mundtot zu machen.
Mit den Vorwürfen konfrontiert sagten Offizielle bei Softdrink-Herstellern wie Coca-Cola und Pepsi, es gebe keine Verbindung zwischen den Spenden an die Organisationen und ihren Positionen zum Verbot der Riesenbecher. In einer E-Mail erklärte Katelyn Jackson, Pressesprecherin von Coca-Cola: "Die Unterstellung, dass unsere gesellschaftlichen und menschenfreundlichen Bemühungen von etwas anderem getrieben werden als von gutem Willen, ist falsch und ignoriert unsere Geschichte einer über hundertjährigen Partnerschaft."
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg kündigte an, so bald wie möglich Einspruch gegen das Gerichtsurteil einzulegen. Das Verbot der Riesenbecher gilt als Prestigeprojekt des scheidenden Bürgermeisters. Im Kampf gegen Fettleibigkeit wollte er den Verkauf zuckerhaltiger Limonaden in bestimmten New Yorker Lokalen auf 16 Unzen pro Becher begrenzen, was einem knappen halben Liter entspricht.
kut
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