Soffin: WestLB bekommt die erste "Bad Bank" Deutschlands

Es ist eine Premiere für Deutschland: Der staatliche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung hat eine "Bad Bank" für die WestLB errichtet. Die schwer angeschlagene Landesbank will nun 85 Milliarden Euro ausgliedern und so risikoreiche Aktiva in der Bilanz verringern.

Zentrale der WestLB in Düsseldorf: Auflagen der EU-Kommission erfüllen Zur Großansicht
dpa

Zentrale der WestLB in Düsseldorf: Auflagen der EU-Kommission erfüllen

Berlin - Es ist die erste "Bad Bank" Deutschlands: Der staatliche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) hat eine Abwicklungsanstalt für die WestLB errichtet. In das Institut, das bereits Ende vergangener Woche gegründet wurde, sollen Aktiva in Höhe von 85 Milliarden Euro ausgegliedert werden, wie der Soffin am Montag in Berlin mitteilte.

In seiner Sitzung am Freitag habe der Leitungsausschuss das Statut der "Ersten Abwicklungsanstalt" beschlossen und die Verwaltungsratsmitglieder sowie den Interims-Vorstand bestellt.

Den Verträgen zur Gründung einer "Bad Bank" hatten zuvor auch die Eigentümer der schwer angeschlagenen WestLB auf ihrer Hauptversammlung zugestimmt. Wie die Bank am Wochenende mitteilte, solle der Hauptteil spätestens bis zum 30. April 2010 rückwirkend zum 1. Januar abgespaltet werden. In einem ersten Schritt werde ein Teilportfolio in Höhe von rund sechs Milliarden Euro ausgegliedert.

Laut Vorstandschef Dietrich Voigtländer kann dadurch "eine schlagkräftige Kernbank für den Konsolidierungsprozess" positioniert werden.

Die WestLB ist die erste deutsche Bank, die einen Teil ihres Geschäfts in eine "Bad Bank" ausgliedert und damit auch rechtlich abtrennt. Mit diesem Schritt kann die Bank eigenen Angaben zufolge Auflagen der EU-Kommission erfüllen. Diese hatte eine Verringerung der Bilanzsumme sowie risikoreicher Aktiva angeordnet.

Laut WestLB wird die Abwicklungsanstalt mit drei Milliarden Euro von der WestLB und Garantien der Eigentümer in Höhe von einer Milliarde Euro ausgestattet. An der Kernbank wiederum beteiligt sich den Angaben zufolge der Soffin mit einer stillen Einlage in Höhe von drei Milliarden Euro, die ab Juli 2010 in Aktien umgewandelt werden kann.

Ende November hatten sich die WestLB, ihre Eigentümer und der Bund auf die Finanzierung der geplanten Aufspaltung in eine Kern- und eine Abwicklungsbank geeinigt. Haupteigentümer der WestLB waren bislang die beiden Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie direkt und indirekt das Land Nordrhein-Westfalen.

fro/ddp

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Bad Banks - die richtige Lösung?
insgesamt 562 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Gebetsmühle 03.07.2009
Zitat von sysopDer Bundestag macht den Weg frei für Bad Banks: Jetzt dürfen deutsche Finanzkonzerne faule Wertpapiere in Zweckgesellschaften auslagern und damit ihre Bilanzen polieren. Sind Bad Banks eine gute Lösung?
es ist die schlechteste lösung, die allenfalls sicherstellt, dass der steuerzahler weiterhin der dumme ist und die dilettanten in den banken weiter so machen könenn. pleitebanken gehören aufgelöst, der rest verstaatlicht, damit endlich wsieder was funktioniert. alles andere ist ziemlicher mist.
2.
AndyH 03.07.2009
Zitat von sysopDer Bundestag macht den Weg frei für Bad Banks: Jetzt dürfen deutsche Finanzkonzerne faule Wertpapiere in Zweckgesellschaften auslagern und damit ihre Bilanzen polieren. Sind Bad Banks eine gute Lösung?
Ich dachte die gibt es schon. Oder sind die maroden Landesbanken doch noch für andere Zwecke? Ach so, als Mittelständler würde ich gerne auch einiges in Bad-Companys auslagern, damit die Steuerzahler es mir bezahlen. Wo muss man Antrag stellen?
3. Eure Bereinigung ist überfällig!
DieWeiseRose 03.07.2009
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,634145,00.html
4.
Adran 03.07.2009
Zitat von sysopDer Bundestag macht den Weg frei für Bad Banks: Jetzt dürfen deutsche Finanzkonzerne faule Wertpapiere in Zweckgesellschaften auslagern und damit ihre Bilanzen polieren. Sind Bad Banks eine gute Lösung?
Auch für die Organisationseinheiten innerhalb einer Bank, die sich mit der Verwertung der notleidenden Kredite befassen, wird teilweise im Sprachgebrauch von Bad Bank gesprochen. So lagerte die Dresdner Bank 2003 bis 2005 notleidende Kredite in die konzerneigene Tochtergesellschaft IRU (Institutional Restructuring Unit) aus, die in der Öffentlichkeit teilweise als Bad Bank bezeichnet wird. Auch die Gründung der Hypo Real Estate beim seinerzeitigen Verkauf der HypoVereinsbank an eine italienische Gruppe kann als Auslagerung risikoreicher Geschäfte, das heißt als Bildung einer Art „Bad Bank“ zwecks Erhöhung des Verkaufswertes, interpretiert werden. (http://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Bank)
5. Fragezeichen.
bürger mr 03.07.2009
Zitat von sysopDer Bundestag macht den Weg frei für Bad Banks: Jetzt dürfen deutsche Finanzkonzerne faule Wertpapiere in Zweckgesellschaften auslagern und damit ihre Bilanzen polieren. Sind Bad Banks eine gute Lösung?
Das ist keine Lösung sondern der vorläufige Gipfel der Unverschämtheit. Hier wird etwas in die Wege geleitet wovon man in späteren Zeiten sagen wird,:" hätte man nur den Anfängen gewehrt". Hier wird massiv betrogen und gelogen , die Zeche zahle ich. Nur mal ganz ehrlich, wie lange glauben Sie lasse ich mir das noch gefallen. (!)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Landesbanken
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -21-
Das Bad-Bank-Modell der Bundesregierung
Jede Bank soll eine eigene Bad Bank gründen können. Dafür soll sie toxische Wertpapiere in eine Zweckgesellschaft auslagern und im Gegenzug - gegen eine Gebühr - staatlich gesicherte Anleihen erhalten. Die giftigen Papiere werden dann von Experten realistisch neu bewertet. Die Differenz zwischen diesem Wert und dem (um zehn Prozent geminderten) Buchwert müssen die Banken über 20 Jahre abstottern, sobald sie eine Dividende ausschütten. Stellt sich nach 20 Jahren heraus, dass die ausgelagerten Aktiva noch weniger wert sind als ihr zuvor ermittelter Wert, muss die Bank auch diese Differenz ausgleichen.