Chaos an der New Yorker Börse: Softwarefehler kostet Knight Capital 440 Millionen Dollar

Teures Nachspiel für den Finanzdienstleister Knight Capital Group: Eine Börsen-Software des Unternehmens hatte den Handel an der Wall Street in Aufruhr versetzt. Das Chaos kostet das Unternehmen nun rund 440 Millionen Dollar.

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Aktie im freien Fall: Ein Software-Fehler kostet den Finanzdienstleiter Knight Capital Millionen

New York - Probleme bei der Installation einer neuen Handelssoftware kosten den Finanzdienstleister Knight Capital Group nach eigenen Angaben 440 Millionen Dollar. Das technische Problem hatte am Mittwoch den Handel an der New Yorker Börse gestört und extreme Handelsspitzen verursacht. Mehrere Werte an der New York Stock Exchange (NYSE) wurden vom Handel ausgesetzt.

Die Aktie von Knight Capital stürzte daraufhin schon im Verlauf des Mittwochs ab, nachdem klar wurde, dass die Software der Firma für den Fehler verantwortlich war. Am zweiten Tag nach dem Börsenchaos sank der Kurs weiter, gab insgesamt um rund 75 Prozent nach - wohl auch aufgrund einer zweiten Negativ-Meldung: Zum Ausgleich für den entstandenen Verlust muss sich das Unternehmen offenbar um einen Kredit bemühen. Nach Informationen des Fernsehsenders "Fox Business Network" wurde Knight Capital bei der Bank JPMorgan Chase vorstellig.

Geschäftsführer Thomas Joyce verteidigte jedoch grundsätzlich das System des computergestützten Handels: Das Software-Problem habe nichts mit dem eigentlichen Programmcode oder den dahinterliegenden Modellen zu tun gehabt. Es sei allein ein Infrastrukturproblem gewesen, sagte Joyce in einem Interview mit dem Fernsehsender "Bloomberg": "Das geschieht in einer Kultur des Risikos".

Nach Angaben des Unternehmens traten die Schwierigkeiten auf, nachdem es bei der Installation einer neuen Software zu Problemen gekommen sei. Daraufhin habe diese etliche fehlerhafte Kaufaufträge für rund 140 Titel der NYSE gesendet. So stieg laut einer Berechnung von "FactSet" beispielsweise die Aktie der Firma "Wizzard Software" auf 14 Dollar, nach einem Vortagsergebnis von 3,50 Dollar. Das Papier von Harley-Davidson verlor mit einem Schlag zwölf Prozent seines Wertes. Die Börse kündigte an, alle betroffenen Werte zu überprüfen.

usp/Reuters/AP

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
koblenzer2012 02.08.2012
Diese wenigen schaden leider auch vielen Menschen, die diese Kultur nicht leben.
2. Ups....
ballaststoffel 02.08.2012
Zitat von sysopDPATeures Nachspiel für den Finanzdienstleister Knight Capital Group: Eine Börsen-Software des Unternehmens hatte den Handel an der Wall Street in Aufruhr versetzt. Das Chaos kostet das Unternehmen nun rund 440 Millionen Dollar - und bringt es in Finanzierungsschwierigkeiten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,847969,00.html
In der Haut des Programmierers mag man grad nicht stecken!
3. Zur Kultur des Risikos Für alle Beteiligten...
rolandjulius 03.08.2012
gehört das Abzocken
4. Teurer Fehler
willi2007 03.08.2012
Eine neue Software an einem Werktag also gewissermaßen im laufenden Betrieb einzuspielen, birgt immer ein hohes Risiko. Nicht umsonst werden in größeren Betrieben neue Programme gerne am Wochenende installiert und getestet. Wenn Knight Capital das nicht verstanden haben, dann werden die 440 Millionen Schadensersatz der der Fall des eigenen Borsenwertes ja wohl ein teures Lehrgeld sein.
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