Energiewende Regierung streicht Pläne für Solar-Auktionen zusammen

Es soll die Zukunft der Energiewende werden: Ab 2017 soll der Fördersatz für Ökostromanlagen in Auktionen festgelegt werden. Doch nun stutzt die Regierung nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ihr Pilotprojekt zusammen.

Freiflächenanlagen: Ausschreibungen statt Förderprämien
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Freiflächenanlagen: Ausschreibungen statt Förderprämien

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Hamburg - Die Energiewende soll billiger werden, Verbraucher sollen entlastet werden, mehr Wettbewerb soll es geben, die erneuerbaren Energien sollen endlich erwachsen werden. Die Zaubermedizin für all diese Probleme sind nach Sicht der Regierung Auktionen.

Ab 2017 will der Staat regelmäßig eine bestimmte Menge Megawatt ausschreiben, die von Ökostromanlagen produziert werden soll. Die Erbauer der entsprechenden Anlagen sollen dann in einer Auktion gegeneinander antreten. Sollen sagen, wie viel Förderung sie brauchen, um ihre Anlagen wirtschaftlich zu betreiben. Wer am wenigsten braucht, darf bauen. Was zu teuer ist, fällt hinten runter.

"EEG 3.0" nennt mancher in Sigmar Gabriels Wirtschaftsministerium dieses Konzept. Doch was so schön nach Marktwirtschaft klingt, muss sich erst noch bewähren. Es müssen erst einmal genug Betreiber von Ökostromanlagen an solchen Auktionen teilnehmen wollen. Und ihre Gebote müssen letztlich wirklich günstiger sein als die derzeitige, von der Regierung festgelegte Förderung. Von diesem Ziel aber ist die Bundesregierung noch weit entfernt.

Anfang 2015 soll ein Pilotprojekt für Gabriels EEG 3.0 starten, zunächst will die Regierung mit Ausschreibungen für Solarparks experimentieren. Der aktuelle Entwurf für dieses Pilotprojekt wirkt - im Vergleich zu früheren Entwürfen, die im Herbst kursierten - arg zusammengestutzt.

  • Ursprünglich wollte die Bundesregierung in den Jahren 2015 und 2016 jeweils Solarparks mit einer Kapazität von 600 Megawatt per Auktion bauen lassen. Im aktuellen Entwurf, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, sind für das kommende Jahr noch 500 Megawatt eingeplant, für 2016 nur 400 Megawatt.
  • Die Flächen, auf denen auktionierte Solarparks gebaut werden dürfen, wurden begrenzt. Ursprünglich wollte die Bundesregierung auch Ackerflächen zulassen. Nun sind diese im kommenden Jahr komplett verboten - und sollen auch 2016 nur eingeschränkt zugelassen werden.

In der Solarbranche ist man entsetzt. "Mit Flächenrestriktionen sind Ausbauziele und vertretbare Kosten nicht erreichbar", sagt David Wortmann, Geschäftsführer der Firma DWR eco, die Lobbyarbeit für große Solarparkkonzerne macht. "Das Pilotprojekt der Bundesregierung könnte eine Bauchlandung werden." Wortmann hat zahlreiche Energiefirmen um sich geschart, vom bayerischen Solarriesen Belectric über den US-Hersteller First Solar bis zum Energiekonzern EnBW. Gemeinsam wollen sie Druck auf Gabriel machen.

Doch ob die Regierung ihre Meinung noch einmal ändert, ist fraglich. Denn der Groll gegen die lange überförderte Solarindustrie ist vor allem in der Union nach wie vor groß. So revoltierte nicht nur der Landwirtschaftsflügel der CSU gegen die Pläne, Solarkraftwerke auf Ackerflächen zuzulassen, sondern auch der mächtige Wirtschaftsflügel der CDU um die Abgeordneten Michael Fuchs, Georg Nüßlein, Thomas Bareiß und Joachim Pfeiffer. Der CDU-Wirtschaftsflügel war zudem die treibende Kraft dafür, dass die Menge der Ausschreibungen deutlich begrenzt wurde, wie aus einem Brief an Gabriel hervorgeht, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Ob Gabriels EEG 3.0 unter den aktuellen Konditionen Erfolg haben kann, halten auch Experten jenseits der Solarindustrie für fraglich. Auktionen für die Förderung von Ökostromanlagen gelten ohnehin als schwierig. Damit sie fair ablaufen, muss die Regierung an Dutzenden Stellschrauben drehen - und droht so ein bürokratisches Monster zu erschaffen. Auktionen gelten zudem als unsicher. In der Vergangenheit wurden in anderen Ländern die angestrebten Ausbaumengen teils nicht erreicht.

In Deutschland liegt der Solarmarkt ohnehin schon darnieder. Im laufenden Jahr werden weit weniger Solaranlagen ans Netz gehen als angestrebt. Statt der angepeilten 2,5 Gigawatt sind laut Brancheninsidern maximal noch 2 Gigawatt machbar. Ein zusammengeschusterter Pilotversuch für Solar-Auktionen wird den Ausbau sicher nicht wieder in Schwung bringen.

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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
marthaimschnee 08.12.2014
1. Wirklich gar nichts gelernt
Als gäbe es nicht genug Beispiele, daß der billigste nicht unbedingt ein akzeptables Ergebnis (vom besten ganz zu schweigen) erbringt, versucht man es wieder und immer wieder. Dieser Murks, den ihr "Marktwirtschaft" nennt, funktioniert doch selbst dann nicht, wenn er wie vorgesehen funktioniert!
mrmink 08.12.2014
2. typisch
egal ob 400 oder 500 Megawatt, es ist in beiden Fällen Klientel Politik der Regierung. Der Einfamilienhaus Besitzer wird dabei nicht berücksichtigt und dem kleinen mittelständischen Betrieb wird der Betrieb einer Eigenverbrauchslösung unmöglich gemacht. Auch wird durch EEG 3.0 Mehrfamilienhausbesitzern quasi verboten PV-Anlagen auf die Häuser zu setzen um seinen Mietern billigeren Strom zu verkaufen als der Energieversorger. Also nichts Neues!! Im Moment werden nur Solarparks in die Landschaft gesetzt und Aldi und Lidl rüsten alle ihre Filialen mit Solaranlagen aus und ab 2015 wird das noch mehr für die „Großen“ gefördert. Der normale Bürger zahlt für diesen Wahnsinn und die Energiewirtschaft macht zusätzliche Gewinne.
schani1 08.12.2014
3. Die Sonne
Ich glaube langsam, daß Frau Merkel trotz ihrer naturwissenschaftlichen Ausbildung die fast unendliche Kraft der Sonne nicht begreift. Oder sie kann den vielen charmanten Lobbyisten nicht widerstehen. Seit knapp 5 Milliarden Jahren schenkt uns die Sonne unsere Lebensmöglichkeit. Jeden Tag werden auf den 179 Millionen Quadratkilometern des Pazifiks die oberen 1-3 Meter Wasser von der nächtlichen Temperatur von 25 Grad auf tagsüber 27 Grad erwärmt. Wer naturwissenschaftliches Verständnis hat, weiß, was das für eine unfassbare Menge an Energie ist, die uns die Sonne bereit ist, zu schenken. Ganz ohne Klimaschädigung, ganz ohne Schadstoffe. Aber der Mensch scheint einfach zu dumm zu sein, das zu begreifen und zu nutzen.
tatsache2011 08.12.2014
4. Passend
Zitat von mrminkegal ob 400 oder 500 Megawatt, es ist in beiden Fällen Klientel Politik der Regierung. Der Einfamilienhaus Besitzer wird dabei nicht berücksichtigt und dem kleinen mittelständischen Betrieb wird der Betrieb einer Eigenverbrauchslösung unmöglich gemacht. Auch wird durch EEG 3.0 Mehrfamilienhausbesitzern quasi verboten PV-Anlagen auf die Häuser zu setzen um seinen Mietern billigeren Strom zu verkaufen als der Energieversorger. Also nichts Neues!! Im Moment werden nur Solarparks in die Landschaft gesetzt und Aldi und Lidl rüsten alle ihre Filialen mit Solaranlagen aus und ab 2015 wird das noch mehr für die „Großen“ gefördert. Der normale Bürger zahlt für diesen Wahnsinn und die Energiewirtschaft macht zusätzliche Gewinne.
Das ist doch vernünftig. Wenn die Sonne scheint, wird mehr Kühlung für die Klimaanlagen gebraucht. Passend liefern zeitgleich die Solaranlagen den notwendigen Strom.
tims2212 09.12.2014
5. Macht Sinn
Wenn einer nur 3? Förderung braucht, aber ein total sinnloses Projekt bauen will, kriegt er die Gelder. Braucht der andere viel Geld, weil eine grosse Idee hat, die vielleicht auch Sinn macht, bekommt der nix!! Diese Regierung sollte wegen Vorsätzlicher UND fahrlässiger Vor-die-Wand-fahrens der Energiewende vor Gericht gestellt werden! Es ist wirklich offensichtlich, dass es hier doch nich mehr um dumme Ideen geht! Hier geht es um Jobsicherung und Lobbyarbeit!!! Da kann ich auch bestimmte Vogelvergleiche für unsere Kanzlerin mittlerweile verstehen!
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