Prognose Globaler Solarboom flaut etwas ab

Der weltweite Boom der Fotovoltaik schwächt sich ab: Laut einer Prognose des Bundesverbands Solarwirtschaft steigt die Nachfrage 2017 nicht mehr ganz so kräftig wie im Vorjahr.

REUTERS

Der globale Höhenflug der Fotovoltaik verliert ein wenig an Schubkraft. Im laufenden Jahr dürften neue Solarstromanlagen mit einer Spitzenleistung von rund 80 Gigawatt (GWp) in Betrieb gehen, prognostizierte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) am Mittwoch. 2016 waren es 75 GWp, 2015 noch 56 GWp. Der Markt wächst also weiter, aber nicht mehr so spektakulär wie im Boomjahr 2016.

Die Kosten für Fotovoltaik sind im vergangenen Jahr dramatisch gefallen - was unter anderem an massiven Überkapazitäten im Markt lag. Chinesische Hersteller hatten, gefördert mit den Milliarden staatlicher Banken, eine eigene Industrie aufgebaut und den Markt mit billigen Modulen überschwemmt. Um ihre Ware noch loszuwerden, unterboten sie sich gegenseitig mit Dumpingpreisen. Der Weltmarktpreis fiel 2016 um rund ein Fünftel.

Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Denn auch in den kommenden Jahren dürften die Preise weiter sinken - dank technologischer Fortschritte und immer größerer Fabriken. Auch die Nachfrage dürfte weiter steigen. Große Hoffnungen setzen Unternehmer in Indien. Die Regierung in Dehli will bis 2030 rund 40 Prozent des nationalen Energiebedarfs durch Solaranlagen decken - und fördert den Aufbau eines entsprechenden Kraftwerkparks mit Milliarden von Dollar.

Spätestens 2020 wird nach Einschätzung des BSW-Solar der jährliche Fotovoltaikzubau die Marke von 100 Gigawatt erreichen. Eine internationale Forschergruppe prognostizierte kürzlich im Wissenschaftsmagazin "Science", dass sich die installierte Solarleistung bis 2030 mindestens verzehnfachen wird. Die Autoren arbeiten für namhafte Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) oder das US-amerikanische National Renewable Energy Laboratory (NREL).

Fotostrecke

6  Bilder
Solarenergie: Die Erfolgsgeschichte der Fotovoltaik

Schon heute ist die Sonne in manchen Regionen der Welt die günstigste Stromquelle. In Chile, Abu Dhabi und Dubai werden demnächst Solarfelder gebaut, die Strom für weniger als drei Cent pro Kilowattstunde produzieren. Kohle- und Gaskraftwerke können da längst nicht mehr mithalten.

Auch in Deutschland stehen die Zeichen auf Wachstum. Nach Daten der Bundesnetzagentur wurde in den ersten drei Monaten dieses Jahres rund 65 Prozent mehr Solarstromleistung neu installiert als im Vorjahr. Nahezu die Hälfte der privaten Investoren kombiniert die neue Anlage inzwischen mit einem Batteriespeicher, um auch in den Abendstunden Solarstrom zu nutzen.

Aufgrund attraktiver Renditeerwartungen und Finanzierungskonditionen für Gewerbe- und Immobilienbesitzer rechnet der BSW-Solar in den nächsten Monaten mit einer weiter anziehenden Nachfrage.

Inwieweit deutsche Hersteller von dem globalen Boom noch profitieren, ist allerdings unklar. Zwar beteuert der BSW-Solar, es gebe im einstigen Solarpionierland Deutschland noch immer viele führende Hersteller entlang der Lieferkette. Die Branchengrößen aber wurden nach und nach alle von den Chinesen überflügelt. Deutscher Hersteller wie Conergy, Q-Cells oder Solon sind längst pleite. Mitte Mai meldete auch der größte und bekannteste deutsche Hersteller Solarworld Insolvenz an.

ssu



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
thequickeningishappening 31.05.2017
1. Das teuerste bisher sind die Batterien
Wenn dort die Preise durch Volumen entsprechend sinken dann lohnt sich der Kauf einer 5 kW Anlage für 24/7 Eigenversorgung ohne Netz (in den entsprechenden Klimazonen).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.