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Solar Millennium: Claassen erhielt zehn Millionen Euro Antrittsprämie

Lukrativer Kurzzeit-Job: Utz Claassen erhielt nach SPIEGEL-Informationen für seinen Posten als Vorstandschef von Solar Millennium eine sogenannte Antrittsprämie von knapp zehn Millionen Euro brutto. Obwohl er nach 74 Tagen abrupt ausschied, will er einen Großteil des Geldes behalten - und hat Klage eingereicht.

Energie-Manager Claassen: Vertrag mit 100.000-Euro-Monatsgehalt und 40 Tagen Urlaub Zur Großansicht
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Energie-Manager Claassen: Vertrag mit 100.000-Euro-Monatsgehalt und 40 Tagen Urlaub

Hamburg - Der Rosenkrieg zwischen dem vorzeitig ausgeschiedene Vorstandschef von Solar Millennium, Utz Claassen, und dem Unternehmen geht in die nächste Runde: Nach SPIEGEL-Informationen erhielt Claassen eine sogenannte Antrittsprämie von knapp zehn Millionen Euro brutto. Nach 74 Tagen jedoch verließ er das Unternehmen und strebt nun an, diese Antrittsprämie trotz seines abrupten Abgangs behalten zu können.

Vergangene Woche sorgte Claassens Anwalt Harald Noack dafür, dass eine seit längerem anhängige Feststellungsklage beim Landgericht Nürnberg-Fürth gegen die Solar Millennium AG zugestellt wurde. Bis dahin verhandelten die Anwälte Claassens und Solar Millenniums noch, um einen Prozess zu vermeiden.

Dabei soll Claassen angeboten haben, rund 2,5 Millionen brutto der knapp zehn Millionen Euro zurückzuzahlen, obwohl es "keine Anspruchsgrundlage für eine Rückvergütung gibt", wie Noack glaubt. Solar Millennium war das zu wenig, am Ende sei man immer noch "mehr als eine Million Euro auseinander gewesen", so Noack.

In seinem Fünfjahresvertrag ließ sich Claassen ein monatliches Fixgehalt von 100.000 Euro sowie 40 Tage Jahresurlaub festschreiben. Laut diesem Vertrag durfte er im Umfang von bis zu 25 Prozent Nebentätigkeiten ausüben und im Rahmen dieser Nebentätigkeiten weiterhin entgeltlich für Finanzinvestoren tätig sein.

Selbst eine pauschale Erstattung für einen Chauffeur und einen Bodyguard, die Claassen beschäftigt, ist festgeschrieben. Schließlich ließ sich Claassen zusichern, dass er seine Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender nicht überwiegend am Geschäftssitz in Erlangen ausüben musste. Er hatte einen Anspruch auf ein "Residence-Office" mit Sekretärin an seinem Wohnort in Norddeutschland. Entsprechend selten war er in seiner kurzen Amtszeit persönlich in Erlangen. Auch ließ er sich Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von zwölf Monaten statt der gesetzlichen sechs Wochen garantieren.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. re
dbraaker 29.05.2010
Oh mann, die Knallköppe die solche Verträge durchwinken müssten wegen Untreue dran. Unfassbar.
2. Auch dieser Aufwand
albertusseba 29.05.2010
wird zumindest zum größeren Teil durch steuerfinanzierte Subventionen und erhöhte Abschreibungsmöglichkeiten ermöglicht. Man überschreitet ohne nachzudenken, jegliche Schamgrenzen und der Gesetzgeber wurschtelt unbeeindruckt auf unsere Kosten weiter.
3. Leistungsloser Wohlstand a la Westerwellchen
Willi Wacker 29.05.2010
Zitat von albertussebawird zumindest zum größeren Teil durch steuerfinanzierte Subventionen und erhöhte Abschreibungsmöglichkeiten ermöglicht. Man überschreitet ohne nachzudenken, jegliche Schamgrenzen und der Gesetzgeber wurschtelt unbeeindruckt auf unsere Kosten weiter.
Wahrscheinlich hängt morgen dieser Artikel am Schwarzen Brett. Und wenn der Chef gegen 10 eintrudelt, rennt er anschließend mit rotem Kopp und mieser Laune durchs Gelände.
4. Subwenionieren von Solarstrom ?
Burkhardt1949, 29.05.2010
Zitat von sysopLukrativer Kurzzeit-Job: Utz Claassen erhielt nach SPIEGEL-Informationen für seinen Posten als Vorstandschef von Solar Millennium eine sogenannte Antrittsprämie von knapp zehn Millionen Euro brutto. Obwohl er nach 74 Tagen abrupt ausschied, will er einen Großteil des Geldes behalten - und hat Klage eingereicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,697492,00.html
nein, Subwentionierung von geldgierigen Managern. Jetzt bezahlt der Stromverbraucher noch unverschämte Forderungen von Managern. Alle Subwentionen gehören sofort abgeschaft- da kann der Finanzminister sparen!
5. .
RosaHasi 29.05.2010
ganz ehrlich. bietet mir jemand so einen vertrag an würde ich auch auf mein recht beharren. leider macht das nur keiner :(
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Eckpunkte der Solarförderung
Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 24 April 2010)
Dachanlagen
Etwa 80 Prozent aller Solaranlagen in Deutschland sind auf Dächern installiert. Offiziell soll ihre Förderung zum 1. Juli um 16 Prozent gesenkt werden - faktisch ist die Kürzung durch die höhere Förderung des Eigenverbrauchs allerdings weit niedriger.
Eigenverbrauch
Solarstrom, der selbst verbraucht wird, wird um acht Cent besser vergütet werden als ins Netz gespeister Strom, sobald die Jahres-Stromerzeugung 30 Prozent überschreitet. Betroffen sind fast alle Anlagen: Die Regelung gilt bis 500 Kilowatt. Eine durchschnittliche Dachanlage hat eine Leistung von fünf Kilowatt, das Fußballstadion Letzigrund in Zürich kommt auf 223 Kilowatt. Die Eigenverbrauchsförderung ist zunächst bis Ende 2011 befristet.
Ackerflächen
Die Förderung entfällt ab Juli 2010, um eine Konkurrenz zum Lebensmittelanbau zu verhindern.
Freiflächen
Die Kürzung für Solarparks soll 15 Prozent ab dem 1. Juli betragen. Auf Konversionsflächen wie Mülldeponien, alten Industrie- oder Gewerbeflächen oder Militärgeländen beträgt die Kürzung nur elf Prozent, da Investoren wegen der Beseitigung von Altlasten höhere Aufwendungen haben.
Deckelung ab 2011
Ab Anfang 2011 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen - bei diesem würde die Förderung um weitere neun Prozent gekürzt. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um ein weiteres Prozent. Sprich: Ab 4500 Megwatt Ausbau beträgt sie zehn Prozent, ab 5500 Megawatt Ausbau elf Prozent, etc. Bleibt der Zubau unter der Zielmarke von 3500 Megawatt, wird die Förderkürzung abgemildert. Sie kann damit 2011 zwischen sechs und 13 Prozent schwanken.
Deckelung ab 2012
Auch für 2012 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um drei Prozent. ssu
Was Solarstrom kostet
Im Jahr 2009 gingen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt ans Netz. Dies entspricht 3.000.000 Kilowatt. Pro Kilowatt liegt der durchschnittliche Stromertrag - konservativ gerechnet - bei 900 Kilowattstunden im Jahr. Die Vergütung laut Erneuerbare-Energien-Gesetz ist für 20 Jahre garantiert. Sie beträgt - je nach Anlagengröße - 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde. Im Durchschnitt sind es rund 36 Cent.
Um die tatsächlichen Mehrkosten des Solarstroms zu ermitteln, muss man von diesem Wert den Börsenpreis für konventionellen Strom abziehen. Aktuell liegt dieser bei etwa 5 Cent pro Kilowattstunde, in den kommenden 20 Jahren dürfte er um jährlich fünf Prozent steigen. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Börsenpreis von 9 Cent je Kilowattstunde. Die Differenzkosten pro Kilowattstunde belaufen sich damit auf 36 Cent minus 9 Cent, also auf 0,27 Euro.
Damit lässt sich folgende Rechnung aufstellen: 3.000.000 kW * 900 kWh/kW pro Jahr * 20 Jahre * 0,27 Euro/kWh = 14,58 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Verbraucher müssen in den kommenden 20 Jahren mehr als 14 Milliarden Euro zahlen - wohlgemerkt: nur für die Anlagen, die 2009 ans Netz gingen. In heutigen Preisen entspricht dies einer Summe von 10,4 Milliarden Euro (bei einer großzügigen Abzinsung von jährlich vier Prozent).
Die entscheidende Größe ist dabei der Zubau neuer Solaranlagen im Jahr 2009, also 3000 Megawatt. Setzt man statt dieser tatsächlich erreichten Menge den Wert ein, den der Bundesverband Solarwirtschaft in seinen bisherigen Planungen angegeben hat - nämlich 682 Megawatt -, so ergeben sich abgezinste Gesamtkosten von lediglich 2,4 Milliarden Euro. Das heißt: Im Vergleich zur ursprünglichen Prognose müssen die Verbraucher gut viermal mehr zahlen.


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