Konkurrenzkampf mit China Europas Solarbranche plant Bau einer Riesenfabrik

Die europäische Solarindustrie startet offenbar eine Offensive gegen die Billigkonkurrenz aus China. Die Branche will laut "Süddeutscher Zeitung" eine Riesenanlage für Module made in Europe bauen - mit einer Jahreskapazität von einem Gigawatt.

Forscher am Fraunhofer-Institut: Kooperation mit Frankreich und der Schweiz
DPA

Forscher am Fraunhofer-Institut: Kooperation mit Frankreich und der Schweiz


München - Die deutsche Solarindustrie steckt in einer tiefen Krise, die Branche betreibt einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen. Jetzt wollen europäische Institute und Unternehmen den Trend umkehren - und der Vormacht Chinas auf dem Solarmarkt den Kampf ansagen. Ein von mehreren Forschungsinstituten angeführtes Konsortium lote den Bau einer europäischen Riesenfabrik für Solarmodule aus, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") unter Berufung auf Insider.

Die Pläne mit bis zu 1200 Beschäftigten würden existierende Fabriken in den Schatten stellen, heißt es in dem Bericht: Die Anlage soll rund eine Milliarde Euro kosten und eine Jahreskapazität von einem Gigawatt erreichen. Zu den Instituten, die die Pläne vorantreiben, gehöre das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg, das französische Forschungsinstitut INES (Institut National de l'Énergie Solaire) und das private Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (Centre Suisse d'Électronique et de Microtechnique, CSEM).

Binnen drei Jahren solle als deutsch-französisch-schweizerische Kooperation die weltweit größte Solarfabrik entstehen. Die Pläne sehen vor, dass bereits Anfang 2015 eine Pilotanlage bei Freiburg die Produktion aufnehmen soll. Ziel des Projekts sei es, den Preis für Solarmodule so stark zu senken, dass Europa in Konkurrenz zu Chinas Billigfabriken treten könne. Laut einer vom Bundesland Baden-Württemberg geförderten Machbarkeitsstudie der Fraunhofer-Institute könnten die Produktionskosten der sogenannten X-GW-Fabrik "circa 20 Prozent unter dem aktuellen Niveau liegen" - und damit deutlich unter dem chinesischer Anbieter, schreibt die "SZ".

Ob sich die Pläne durchsetzen, sei jedoch offen. Gespräche über die Finanzierung der Pilotanlage gingen in die entscheidende Phase. Die europäische Solarbranche sei allerdings uneins. Mehrere Unternehmen unterstützten die Pläne, Europas größter Solarhersteller Solarworld lehne sie dagegen ab. "Wir beteiligen uns nicht", sagte ein Sprecher des Unternehmens laut der Zeitung. Der Bau der geplanten Fabrik berge für Investoren und Branche zu große Risiken.

bos/dpa

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