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Pleitewelle: Solarfirma Sovello meldet Insolvenz an

Deutschlands Solarbranche wird von einer Pleitewelle erfasst. Innerhalb kürzester Zeit musste nun das vierte große Unternehmen Insolvenz anmelden: Sovello aus Sachsen-Anhalt. Die Gewerkschaft hofft darauf, dass es trotzdem weitergeht.

Fabrikanlage von Sovello: Insgesamt hat das Unternehmen rund 1250 Mitarbeiter Zur Großansicht
dapd

Fabrikanlage von Sovello: Insgesamt hat das Unternehmen rund 1250 Mitarbeiter

Thalheim - Gerade einmal sechs Wochen ist es her, dass der große Nachbar Q-Cells pleite ging. Nun ist Sovello dran. Das Unternehmen aus dem sachsen-anhaltischen Talheim im deutschen "Solar Valley" stellte beim Amtsgericht Dessau-Roßlau einen Insolvenzantrag. Ziel sei eine Insolvenz in Eigenverwaltung.

Der Solarmodul-Hersteller hatte seine Produktion bereits auf ein Drittel seiner Kapazität gedrosselt. Als Grund wurde die schwierige Marktlage angegeben. Noch am Wochenende hatte das Unternehmen, das 1250 Mitarbeiter beschäftigt, Berichte über eine mögliche Insolvenz nicht kommentieren wollen.

Im Januar hatte Sovello-Geschäftsführer Reiner Beutel angekündigt, das Unternehmen werde in den nächsten zwei Jahren rund 35 Millionen Euro investieren. Damit solle die jährliche Produktionskapazität von derzeit 180 Megawattpeak bis Ende 2013 auf etwa 250 Megawattpeak erhöht werden.

Q-Cells hatte Anfang April Insolvenz angemeldet. Auch Solon aus Berlin und das Erlangener Unternehmen Solar Millenium sind pleite. Die US-Firma First Solar will ihren deutschen Standort in Frankfurt (Oder) aufgeben. Die Unternehmen leiden unter der billigen Konkurrenz aus Asien und der gekürzten Solarförderung in Deutschland.

Die Insolvenz muss allerdings nicht zwangsläufig das Ende der Firmen sein. Bei Q-Cells etwa läuft die Produktion noch. Der vorläufige Insolvenzverwalter Henning Schorisch sprach Anfang Mai von einem "gut laufenden Geschäftsbetrieb. Wir denken über Planungen für das dritte Quartal nach".

Die Gewerkschaft IG BCE nannte den Insolvenzantrag von Sovello einen Befreiungsschlag. Es sei nun Aufgabe des künftigen Insolvenzverwalters und der Betriebsräte, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten.

Sovello war im Jahr 2005 als Gemeinschaftsunternehmen von Q-Cells und dem US-Hersteller Evergreen Solar gegründet worden. Nacheinander wurden drei Produktionslinien aufgebaut. Vor zwei Jahren wurde das Unternehmen von einem Private-Equity-Investor übernommen und die frühere Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlich, die Erlanger Firma Solarworld sei pleite. Tatsächlich handelt es sich um die Erlanger Firma Solar Millenium. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

stk/dpa/dapd

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1.
The Traveller 14.05.2012
Zitat von sysopDPADeutschlands Solarbranche wird von einer Pleitewelle erfasst. Innerhalb kürzester Zeit musste nun das vierte große Unternehmen Insolvenz anmelden: Sovello aus Sachsen-Anhalt. Die Gewerkschaft hofft darauf, dass es trotzdem weiter geht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833136,00.html
Tippfehler... die Erlangener Firma heißt Solar Millenium. Solarworld ist nicht pleite, sondern hat noch genügend Geld für etwa 2 Jahre.
2. Kleiner Fehler - Große Wirkung!
Obacht!!! 14.05.2012
Liebe Leute, Ihr müsst besser aufpassen! Nicht, dass Ihr jetzt SolarWorld in die Pleite schreibt. Noch ist es nicht soweit. Die haben nur einen riesigen Werbeetat für Herrn Podolki versenkt. Aber insolvent sind die (noch?) nicht. Ihr meint sicherlich die Firma Solar Millenium aus Erlangen.
3. .
stuermer_g 14.05.2012
Zitat von sysopDPADeutschlands Solarbranche wird von einer Pleitewelle erfasst. Innerhalb kürzester Zeit musste nun das vierte große Unternehmen Insolvenz anmelden: Sovello aus Sachsen-Anhalt. Die Gewerkschaft hofft darauf, dass es trotzdem weiter geht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833136,00.html
Reden wir hier vom Produktionsstandort oder Technologiestandort Deutschland? Also es kann sicherlich deutlich billiger als in Deutschland produziert werden. So gibt es denn einen Technologievorteil/vorsprung vor der Konkurenz aus China? Ich denke wohl eher nicht. Forschung dürfte sehr teuer sein und die Effizienzsteigerungen liegen wohl im Zehntelprozentbereich. Also wo liegt der Vorteil beim deutschen Produkt? Wird eigentlich in Deutschland produziert oder nur montiert? Ich denke das war abzusehen sobald die Solarförderung in Deutschland reduziert wird. Warum jetzt die Überaschung über die Insolvenzanträge deutscher Solarfirmen?
4. Ein guter Tag für die Umwelt
axiom 14.05.2012
Wertvolle Rohstoffe werden nicht mehr sinnlos, in diesem schattigen Land, in Fotovoltaik - Anlagen verbaut, welche besser in sonnigen Staaten stehen würden. Die Firma existierte nur wegen der rot-grünen Steuergeldverschwendung. Mögen weitere Solar-Steuer-Abzocker folgen.
5. Hoffentlich werden
cirkular 14.05.2012
mit der Verlagerung der Solarindustrie an bessere Standorte auch andere Industriebranchen verlagert. China ist für die industrielle Fertigung viel besser geeignet.
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Sinkende Anlagenpreise
Der Preis einer Solaranlage wird oft in Kilowattpeak angegeben. Kilowattpeak gibt die Leistung an, die ein Solarmodul bei voller Sonnenbestrahlung erreichen kann. Derzeit werden kleine Dachanlagenanlagen schon für 1800 Euro pro Kilowattpeak verkauft. Nun sinken die Preise für Solarmodule rapide, durch Massenproduktion und den technischen Fortschritt. UBS-Analyst Patrick Hummel geht davon aus, "dass das Kilowattpeak in der zweiten Jahreshälfte für 1400 bis 1500 Euro zu haben ist".

Bei großen Freiflächenanlagen sinken die Preise noch weiter. Hier liegen die Modulpreise im Großhandel derzeit um die 70 Cent pro Watt. Bis zum Sommer rechnen Analysten mit einem Preisrückgang auf 55 Cent pro Watt, dazu mit sonstigen Kosten von 65 Cent pro Watt für eine solche Anlage. Insgesamt also mit Kosten von 1200 Euro pro Kilowattpeak. Bei einem Fremdkapitaleinsatz von 80 Prozent ergibt sich aus diesen Werten nach der Förderkürzung eine Eigenkapitalrendite von sechs Prozent.

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